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Pinneberger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 13:20 Uhr

360 Sozialwohnungen fehlen in Pinneberg

vom

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2013 | 10:48 Uhr

Pinneberg | Für eine Mietwohnung in Hamburg muss man tief in die Tasche greifen. Die Hansestadt zählt zu den teuersten Pflastern der Republik. Doch die steigenden Wohnkosten in der Metropole haben auch Konsequenzen für den Speckgürtel. "Manchen Menschen, die zu uns kommen sagen wir mittlerweile: Versuchen Sie es doch in Glückstadt", sagt Christian Rohde. Er leitet die Wohnraumhilfe der Diakonie im Kreis Pinneberg. Und beobachtet, wie immer mehr Hamburger Wohnungen in Pinneberg suchen. Die Folge: Auch in der Kreisstadt steigen die Preise, Wohnraum für Menschen mit schmalem Geldbeutel wird knapp.

"Wer zu uns kommt, kann seine Miete nicht mehr zahlen und ist deswegen dabei seine Wohnung zu verlieren." Mögliche Gründe sind der Verlust der Arbeitsstelle oder steigende Mieten. Die Mitarbeiter der Wohnraumhilfe versuchen zu helfen, im schlimmsten Fall bei der Suche nach einer neuen Wohnung. Eine Aufgabe, die laut Rohde immer problematischer wird. Die durchschnittliche Miete für eine Wohnung in Pinneberg liegt laut dem Immobilienportal www.wohnungsboerse.net - die Stadt Pinneberg führt keinen offiziellen Mietspiegel - bei 8,18 Euro für den Quadratmeter. Scheinbar niedrig im Vergleich zu 10,26 Euro pro Quadratmeter in Hamburg - aber bereits über dem Bundesdurchschnitt.

Rohde fordert ein stärkeres Engagement von Politik und Verwaltung, beispielsweise durch Schaffung von mehr sozial gefördertem Wohnraum. Gemeint sind Immobilien, deren Bau von der öffentlichen Hand durch Zuschüsse oder günstige Kredtite unterstützt wird. Im Gegenzug werden die Mieten für eine festgelegte Zeit gedeckelt. Wer eine solche Wohnung anmieten will, muss über einen Berechtigungsschein ein entsprechend niedriges Einkommen nachgewiesen. Die Nettokaltmiete liegt meist bei etwas mehr als fünf Euro für den Quadratmeter. Laut Stadtverwaltung suchten Ende des vergangenen Jahres rund 360 Pinneberger eine solches Heim.

Niedrige Mieten verspricht in Pinneberg unter anderem die Stiftung "Wir helfen uns selbst". Deren Geschäftsführer Ingo Worm schlägt ebenfalls Alarm: "Bei uns warten im Moment 50 Familien und etwa 70 Rentner auf eine freie Wohnung." Insgesamt hat die Stiftung 206 geförderte Wohnungen im Angebot. Worm beklagt, dass die Stadt versuche, Grundstücke stets zum Höchstpreis zu verkaufen. "Die Investoren sind dann gezwungen höhere Mieten zu verlangen." Der Geschäftsführer der Stiftung befürchtet, dass diese Taktik nach hinten losgehen könnte. "Zahlungskräftige Mieter, die aus Hamburg herziehen, gehen nicht in Pinneberg einkaufen." Dabei stelle das Land für den Großraum Hamburg Förderkredite für sozialen Wohnungsbau in Höhe von 50 Millionen Euro zur Verfügung.

Kai Lorenz von der Baugenossenschaft Neue GeWoGe hat nicht das Gefühl, dass die Stadt Pinneberg ihre Grundstücke bewusst hochpreisig veräußere. "Eine Kommune darf das Land ja auch nicht unter Wert verkaufen, sonst bekommt sie Ärger mit dem Landesrechnungshof." Den Ansturm auf bezahlbaren Wohnraum kann Lorenz allerdings bestätigen. "Wir haben mit Sicherheit keine Vermietungsprobleme."

Bürgermeisterin Urte Steinberg hat die Problematik auf dem Schirm. "Ich denke, die Situation ist nicht prekär - aber wir müssen etwas tun." Zeitnah soll die Bebauung des ehemaligen Kreishausareals Abhilfe schaffen, wo Investor Michael Demandt 48 geförderte Wohnungen plant. Ansonsten werde man den Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum bei der Ausgestaltung des Flächennutzungsplans berücksichtigen. Die Pinneberger Rathauschefin hält es für problematisch, dass die Fördermittel der Landesregierung nur bis 2014 laufen. "Bauen ist ein langfristiges Geschäft." Sie habe Bauamtschef Klaus Stieghorst beauftragt, über die Möglichkeiten einer Verlängerung zu verhandeln. Bei der Planung von Pinnebergs Zukunft ist Steinberg eines besonders wichtig: "Die Mischung ist entscheidend, wir benötigten genug Wohnungen in allen Preisklassen."

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