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Schimmel-Akten : 35.000 Ordner im Straßenverkehrsamt entsorgt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Akten lagerten im Keller des Straßenverkehrsamts. Eine Spezialfirma kümmert sich um die Entsorgung.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2017 | 12:00 Uhr

Pinneberg | Bis gestern waren es Akten, genauer gesagt, Bauakten der Kreisverwaltung. Und zwar etwa 35.000 Stück. Demnächst könnte daraus Klopapier werden. Denn die Akten sind von Schimmel befallen und müssen deshalb vernichtet werden. Mit der Vernichtung wurde gestern begonnen. Die Mitarbeiter der Firma Reißwolf haben die Aufgabe übernommen.

Bis gestern Morgen lagerten die Akten im Keller des Straßenverkehrsamts in Pinneberg. In weißen Schutzanzügen und Gesichtsmasken packten Mitarbeiter der Hamburger Spezialfirma die Aktenberge in weiße Säcke. Die Säcke wurden in Metallcontainer entleert, die Container verschlossen und zum „Safety Car“ gefahren. Innerhalb des Autos, von der Außenwelt abgeschlossen, wurde der Container elektronisch geöffnet und die Akten wurden sofort in dem Fahrzeug gepresst. Der Vorgang konnte per Kamera verfolgt werden. Mit zehn Tonnen Ladung wurde das Pressfahrzeug anschließend nach Hamburg gefahren und die Akten auf dem Gelände der Spezialfirma geschreddert.

Üblicherweise werden geschredderte Akten zu Toilettenpapier verarbeitet, erläutert Thorsten Pienitz von der Firma Reißwolf, der die Entsorgung in Pinneberg leitete. Aufgrund der Schimmelbelastung sei allerdings auch denkbar, dass die Aktenreste verbrannt werden. Insgesamt haben die rund 35.000 Akten vier Millionen Seiten und wiegen zusammen etwa 23 Tonnen.

Die Akten stammen aus den 1970er Jahren. Der Kreis Pinneberg hätte sie eigentlich schon längst vernichten können, so der zuständige Fachbereichsleiter in der Kreisverwaltung. Die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement empfiehlt eine Aufbewahrungszeit von maximal 30 Jahren. Doch weil Bürger und Verwaltungsmitarbeiter hin und wieder auch in diese alten Papiere Einblick genommen hatten und zudem der Platz vorhanden war, wurden die Akten weiterhin gelagert.

Denis Moderegger füllte die Akten in Container um
Denis Moderegger füllte die Akten in Container um Foto: Bernd Amsberg
 

Bevor sie 2011 ins Straßenverkehrsamt gebracht worden waren, hatten die Aktenberge jahrelang im Atombunker unter dem alten Kreishaus gelagert. Als das abgerissen werden sollte, kamen die Akten in den Keller des Straßenverkehrsamts. Und das erwies sich als fatal: Vermutlich kamen die Bauakten bereits im kühlen Atombunker mit dem Pilz in Berührung, ohne dass viel passierte. Doch dieser Pilz, der Aspergillus niger, liebt Trockenheit und Wärme. Die hatte er im Keller des Straßenverkehrsamts, in dem Heizungsrohre verlaufen, zur Genüge. Und so entwickelte er sich prächtig. Die Akten des Straßenverkehrsamts, die zuvor nicht im Atombunker untergebracht worden waren, sind nämlich nicht von dem Pilz befallen.

Mit dem Pilz ist nicht zu spaßen. Aspergillus niger kann Allergien sowie Herz- und Lungenkrankheiten verursachen. Deshalb hatte Landrat Oliver Stolz die Akten-Vernichtung angeordnet. Gestern wurden bereits alle datenschutzrelevanten Akten vernichtet. Heute kommen die Möbel an die Reihe, in denen die Akten gelagert waren. Dann ist das Straßenverkehrsamt, das Anfang des kommenden Jahres ohnehin nach Elmshorn verlagert wird, frei von Schimmelakten. Die Kreisverwaltung ist mit einem blauen Auge davon gekommen: Ursprünglich war mit mindestens einer fünfstelligen Summe für die Entsorgung kalkuliert worden. Tatsächlich muss der Kreis lediglich rund 7000 Euro zahlen.

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