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Ehestreit in Rellingen endet blutig : 30-Jährige: Er wollte mich töten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein 34 Jahre alter Afghane hat vorm Landgericht Itzehoe gestanden, im September 2015 seine Frau mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich verletzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor.

shz.de von
erstellt am 22.Mär.2016 | 10:00 Uhr

Rellingen/Itzehoe | Als die Rettungskräfte am 19. September die Straße An der Rellau erreichten, rangen zwei Menschen mit dem Tod. Auf der Straße fanden sie eine bewusstlose Frau, in einem Haus einen regungslosen Mann. Beide hatten schwere Stichwunden. Ein heute zehn Jahre alter Jungen hatte Verletzungen an den Händen.

Der Mann, ein 34-jähriger Afghane, steht seit Anfang März vor Gericht. Die Anklage lautet auf versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Dass er zugestochen hat, gestand der Angeklagte. Er habe seine 30 Jahre alte Frau jedoch nicht töten wollen. Richterin Isabel Hildebrandt versuchte am Montag, die Hintergründe der Tat zu klären.

Alles hatte vor etwa elf Jahren mit einer arrangierten Ehe im Iran begonnen. Das afghanische Paar lernte sich flüchtig über die Schwester des Angeklagten kennen. Die Familien von Braut und Bräutigam vereinbarten die Heirat. „Zwei Wochen nach der Hochzeit hat er mich das erste Mal geschlagen“, sagte die Frau, die damals einen kleinen Friseursalon betrieb. Als es das nächste Mal Prügel gab, war sie schwanger, so die Frau. „Mein Vater hat gesagt, eine Trennung sei nicht einfach und mit der Geburt des Kindes würde sicher alles besser.“ Wurde es nicht, wie die 30-Jährige vor Gericht sagte.

Als Flüchtlinge kam die Familie nach Italien. Vor etwa zwei Jahren ergriff die Frau ihre Chance. „Ich wollte mit unseren beiden Söhnen nach Deutschland. Für Alleinstehende ist die Wahrscheinlichkeit größer, bleiben zu dürfen. Zu meinem Mann sagte ich, er solle irgendwann nachkommen. Erst Monate später habe ich ihm klargemacht, dass ich die Scheidung will“, sagte die 30-Jährige. Zwei Jahre lang lebte die Frau in Rellingen. Ihr Mann sei mehrmals zu Besuch gekommen. „Er durfte die Kinder sehen, wann immer er wollte.“

Während seines Besuchs am 19. September habe nichts auf eine Eskalation hingedeutet. „Ich habe ihm gesagt, er soll nach Italien zurück. Und er hat auch seine Sachen gepackt, um zu gehen“, sagte sie. Dann habe sie von der Scheidung gesprochen, die vor einem Mullah, einem muslimischen Geistlichen, vollzogen werden sollte. „Plötzlich kam er auf mich zu, mit einer Hand in der Tasche. Mit der anderen Hand packte er meine Hand. Er zog das Messer hervor und sagte: ,Ich werde dich töten.’“ Dann habe er zugestochen.

Nach Darstellung ihres Ehemanns sei von einer tatsächlichen Trennung nie die Rede gewesen. „Wir wollten eine Schein-Scheidung, die sich widerrufen lässt. Das sollte ihre Chancen auf eine Aufenthaltsgenehmigung vergrößern“, ließ er von einem Dolmetscher übersetzen. „Erst am 19. September hat sie das erste Mal von einer richtigen Trennung gesprochen. Ich war völlig überrascht“, sagte der Angeklagte.

Dann habe er spontan nach dem Messer auf dem Wohnzimmertisch gegriffen und mehrfach zugestochen. Dabei sei die Klinge abgebrochen, die ihn dann wohl selbst schwer verletzt habe. An den genauen Hergang könne er sich aber nicht erinnern. Ein Notarzt sagte gestern jedoch aus, dass die Wunden auf Selbstverletzung hindeuteten. Ein zehn Jahre alter Sohn war bei dem Streit zwischen die Eltern geraten und an den Händen verletzt worden.

Die Verhandlung wird am Dienstag, 29. März, fortgesetzt. Dann sollen medizinische Sachverständige gehört werden.

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