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25 Jahre Schutz und Hilfe für bedrohte Frauen

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erstellt am 31.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Pinneberg | Saras Ehe scheiterte an drei Dingen: "Zu viel Alkohol, zu viel Casino, zu viel Boxen". Drei Jahre verbrachte Sara (38, Name von der Redaktion geändert) mit ihrer kleinen Familie im Asylbewerberheim. Ihr Mann vertrieb die Tristesse mit Hochprozentigem, wurde im Suff gewalttätig, selbst gegenüber den zwei gemeinsamen Kindern - bis die Polizei eingriff. Sie vermittelte Sara ans Pinneberger Frauenhaus.

Sara trägt ihren einjährigen Sohn auf dem Arm. Mit großen schwarzen Augen schaut er still um sich, während die Stimme seiner Mutter schrill wird, sobald sie sich an die schwierigen Jahre erinnert. Ihren wahren Namen mag sie nicht nennen, auch nicht ihr Herkunftsland. Zu groß ist die Angst, dass ihr Mann sie finden könnte. Im Frauenhaus, dessen Adresse geheim ist, fühlt sie sich sicher: "Ich bin sehr zufrieden hier."

Gestern feierte das Frauenhaus sein 25-jähriges Jubiläum im Gemeindesaal der Pinneberger Christuskirche. Rund 40 Gäste lauschten den Ansprachen und musikalischen Einlagen, darunter die Pinneberger Bürgervorsteherin Natalina Boenigk (CDU), die Pinneberger Gleichstellungsbeauftragte Ellen Schülke sowie Vertreter von Polizei und Amtsgericht.

18 Frauen und Kindern bietet das Frauenhaus Unterkunft, Schutz und Hilfe. Betreut werden sie von drei festangestellten Mitarbeiterinnen, unterstützt von ehrenamtlichen Helferinnen. 50 bis 60 Menschen kommen pro Jahr hierher. Die meisten, berichtet Sozialpädagogin Andrea Schintze, bleiben drei bis sechs Monate.

Vor 23 Jahren trat Schintze ihre Stelle im Frauenhaus an. Seitdem hat sich einiges getan. In den Anfangsjahren stand die Finanzierung des Hauses, das vom Verein "Frauenhaus Pinneberg" getragen wird, auf wackligen Beinen: Geld kam vorwiegend aus der Sozialhilfe der Bewohnerinnen, doch "das war keine gesicherte Finanzierungsform", sagt Schintze. Seit 1996 jedoch weist Schleswig-Holstein jedem Haus im Land einen Pauschalbetrag pro Heimplatz zu - "eine Errungenschaft".

Auch in der Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen wie Polizei und Gerichten habe es wichtige Fortschritte gegeben. "Anfangs waren wir ganz allein", erinnert Schintze sich. Ein Mann, der seine Ehefrau schlug - das habe noch vor zwei Jahrzehnten "als Familienangelegenheit" gegolten. Fällen häuslicher Gewalt stand die Polizei meist "hilflos" gegenüber.

Langsam jedoch habe sich in der Öffentlichkeit ein Umdenken vollzogen, freut sich Schintze. Einen wichtigen Schritt bedeutete das Gewaltschutzgesetz von 2001: Es erleichtert den Behörden, gewalttätige Ehemänner von ihren Frauen zu trennen.

Gleichwohl sieht Schintze noch Lücken in der Gesetzgebung. Heutzutage werde das Sorgerecht nur noch in Ausnahmefällen allein der Frau zugesprochen. Die Väter haben demnach ein Recht auf Zugang zum Kind. Viele gewalttätige Männer, hat Schintze festgestellt, "nutzen das, um an die Frauen heranzukommen". Ihr Vorschlag: Der Gesetzgeber müsse Männern, die ihre Frau geschlagen haben, für eine gewisse "erholende Phase" den Kontakt zu den Kindern verbieten - zum Schutz der Frauen.

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