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Tod des Amateurfußballs? : 25 Jahre Bundesliga im Bezahlfernsehen

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Jubiläum ist nicht für alle ein Grund zum Feiern.

shz.de von
erstellt am 06.Mär.2016 | 11:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Jubiläen sind meistens ein Grund zum Feiern. Am 2. März 1991 wurde das erste Fußball-Bundesliga-Spiel im Bezahlfernsehen übertragen. Damals war auf Premiere (heute Sky) die Partie zwischen Frankfurt und Kaiserslautern zu sehen. 25 Jahre Bundesliga im Pay-TV sind jedoch für die Amateurvereine kein Grund zum Jubeln. „Die jetzige Entwicklung macht uns schwer zu schaffen“, sagt Hans Jürgen Stammer, Vorsitzender der SV Halstenbek-Rellingen (HR). Die Zuschauerzahlen seien gesunken, „weil die meisten lieber warm und trocken vor dem Fernseher sitzen“. Dazu komme, dass beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Unterstützung von oben nach unten nicht funktioniere. Von den steigenden Fernsehgeldern lande nichts an der Basis. Das sollte aus seiner Sicht anders geregelt werden. Stammers Fazit zu derzeitigen Entwicklung: „Das ist der Tod des Amateurfußballs.“

Hans Jürgen Stammer.
Hans Jürgen Stammer. Foto: lzi

Andreas Wilken, Leiter der Fußball-Abteilung von Blau-Weiß 96 Schenefeld, erinnert sich noch an die Spiele seines Vaters. Die hätten in den höchsten Amateurklassen tausende Zuschauer verfolgt. Heute sei es selbst in der Oberliga eher die Ausnahme, dass sich mal 500 Besucher ins Stadion verirren.

Manfred Kirsch aus dem Fußball-Vorstand des Oberligisten VfL Pinneberg sieht eine Übersättigung. Bald könnten selbst zur Mittagszeit schon Bundesligapartien im TV übertragen werden. Er weiß nicht, wie es gelingen soll, den Zuschauerschwund in den unteren Ligen zu stoppen. „Das ist ein Kampf gegen Windmühlen.“ Kirsch ist nicht gut auf den DFB zu sprechen. Dieser betone immer wieder, wie wichtig der Amateurfußball sei. Echte Unterstützung bliebe aber dennoch aus.

Wilfred Diekert, Vorsitzender des TuS Appen und Hamburger Schiri-Boss, sieht in der Bundesliga-Dauerpräsenz ein anderes Problem. Nach seinen Erfahrungen schauen Trainer und Kicker in den unteren Spielklassen sich viel von den Profis ab. Leider nicht nur taktische Feinheiten und Dribbelkünste, sondern auch Pöbeleien und Wutanfälle. „Schlechte Vorbilder verderben die guten Sitten“, so Diekert. Diese schlechten Vorbilder seien im Fernsehen inzwischen sieben Tage die Woche zu sehen.

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