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Equal Pay Day im Kreis Pinneberg : 22 Prozent weniger Lohn für Frauen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Gleichstellungsbeauftragte organisieren Plakatausstellung. Typisch weibliche Berufe werden oft schlechter bezahlt.

shz.de von
erstellt am 17.Mär.2016 | 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Am Sonnabend ist deutschlandweit Equal Pay Day, ein Aktionstag, der darauf aufmerksam machen soll, dass Frauen bundesweit statistisch 22 Prozent weniger verdienen als Männer. Auch die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Pinneberg beschäftigt dieses Thema. Seit 2009 organisieren sie anlässlich des Aktionstags eine Ausstellung, die in diesem Jahr an acht Orten im Kreis Pinneberg gezeigt wird. Die Plakate sollen Menschen auf den sogenannten Gender-Pay-Gap, den Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern, aufmerksam machen und erläutern, weshalb der durchschnittliche Verdienst von Frauen so viel geringer ist als der von Männern.

„Die Ursache für den Lohnunterschied ist, dass es oft Männer sind, die Entscheidungen treffen“, sagte Halstenbeks Gleichstellungsbeauftragte Celia Letzgus gestern während eines Pressegesprächs in Halstenbek. Vorstöße für ein Entgeltgleichheitsgesetz, das Frauen und Männern in gleichen Positionen den gleichen Lohn zusichert, gebe es bereits. Seine Umsetzung scheitere aber daran, dass es am Ende Männer seien, die über dieses Gesetz entscheiden müssten. „Und die haben kein großes Interesse daran“, sagte Letzgus.

Die Ausstellung wird an acht Orten gezeigt und kann während der jeweiligen Öffnungszeiten besichtigt werden.

  • Halstenbek: Rathaus, Gustavstraße 6; Gemeindebücherei, Gustavstraße 6; Volkshochschule, Schulstraße 9, jeweils vom 18. März bis zum 24. April.
  • Pinneberg: Rathaus, Bismarckstraße 8, vom 21. März bis zum 1. April.
  • Quickborn: Rathaus, Rathausplatz 1, vom 15. bis zum 22. März.
  • Schenefeld: Volkshochschule, Holstenplatz 3-5, vom 15. bis zum 23. März.
  • Tornesch: Volkshochschule, Tornescher Hof 2, vom 1. bis zum 31. März.
  • Uetersen: Rathaus, Wassermühlenstraße 7, 16. März bis 21. April.

Zudem seien Berufe mit einem großen Frauenanteil meist schlechter bezahlt als Berufe, die überwiegend von Männern ausgeübt werden, sagte Dorathea Beckmann, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Rellingen. „Das liegt daran, dass diese Aufgaben früher ehrenamtlich von bürgerlichen Frauen übernommen wurden, als es noch nicht akzeptiert war, dass Frauen arbeiten“, erläuterte sie. Dieses Ehrenamts-Image seien die Berufe bis heute nicht losgeworden, obwohl sie für die Gesellschaft von großer Bedeutung sind. „Wir brauchen unbedingt ein Umdenken, damit diese Berufe endlich angemessen bezahlt werden“, sagte Christine Neermann, Gleichstellungsbeauftragte des Amts Moorrege. Auch dass zwei Drittel der Minijobs von Frauen ausgeübt werden, führt laut Letzgus zur Lohnlücke. Frauen bräuchten mehr Unterstützung, um trotz Kindern oder pflegebedürftigen Eltern Vollzeit arbeiten zu können.

Eine Frau und ein Mann: Beide sind 23 Jahre alt und arbeiten im  selben  Betrieb, sie haben zur selben Zeit die gleiche Ausbildung gemacht und auch sonst gibt es zwischen ihren Berufsleben keine Unterschiede. Sicherlich verdient der Mann nicht 22 Prozent mehr als die Frau.
Bei den 22 Prozent, die das Statistikamt als Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern ermittelt hat, handelt es sich um einen unbereinigten Wert. Dafür wurden sämtliche Einkünfte von Männern und sämtliche Einkünfte von Frauen betrachtet und ein durchschnittlicher Bruttostundenlohn ermittelt, der für Frauen deutschlandweit um 22 Prozent geringer ausfällt als für Männer. Bei dieser Berechnung wird jedoch weder die Branche berücksichtigt noch die Position innerhalb eines Betriebs oder dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten und so weniger Arbeitserfahrung vorweisen können. Dieses Vorgehen und die daraus gezogenen Schlüsse, es gebe einen Gender-Pay-Gap von 22 Prozent, sind umstritten.
Das Statistische Bundesamt stellt jedoch auch eine bereinigte Berechnung vor, bei der Faktoren wie Führungs- und Qualifikationsanspruch, Beruf und Branche, Beschäftigungsumfang sowie Bildung und Berufserfahrung eine Rolle spielen.  Bei dieser liegt der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern nur noch bei sieben Prozent. Allerdings werden auch dabei einige Aspekte nicht berücksichtigt, wie etwa eine Unterbrechung der Erwerbstätigkeit oder die Dauer der Betriebszugehörigkeit.
Bei einer Berechnung des Hamburger Weltwirtschaftsinstuts aus dem Jahr 2011 fiel der Gender-Pay-Gap zwischen Männern und Frauen noch geringer aus: Nur 2,3 Prozent des Lohnunterschieds ließen sich nicht auf geschlechtsunabhänige objektive Faktoren zurückführen, zu denen etwa der Erwerbsumfang, die Erwerbserfahrung, die Bildung, der Beruf, die berufliche Stellung, die Branche, der Haushaltskontext, Migrationshintergrund sowie die Betriebsgröße zählten.
Für die Festlegung des Equal Pay Days ist dennoch der Wert von 22 Prozent entscheidend, der in diesem Jahr auf den 19. März terminiert wurde. Erst an diesem Tag müssten sämtliche Männer anfangen zu arbeiten, um am Ende des Jahres genauso viel erwirtschaftet zu haben wie sämtliche Frauen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Gesamtheit der Frauen zu dem Zeitpunkt bereits das Gehalt der Männer aus dem Vorjahr aufgeholt hat. Das ist nämlich bundesweit erst am 14. April der Fall. Die Schleswig-Holsteinerinnen haben es bereits am 5. März geschafft, denn dort beträgt der Gender-Pay-Gap nur 15 Prozent.
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