Mord an Elmshorner : 21-Jähriger Messerstecher verurteilt

Vor dem Landgericht Itzehoe hat gestern der Prozess gegen einen Quickborner begonnen. Er soll seine Frau vergewaltigt und ihr mit dem Tod gedroht haben.
Vor dem Landgericht Itzehoe hat gestern der Prozess gegen einen Quickborner begonnen. Er soll seine Frau vergewaltigt und ihr mit dem Tod gedroht haben.

Alexej S. brachte im November 2013 seinen 26-jährigen Elmshorner Cousin um und versuchte auch, dessen jüngeren Bruder zu töten.

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11. Juli 2014, 12:14 Uhr

Itzehoe/Elmshorn | Lebenslänglich lautet das Urteil, das die Große Strafkammer am Landgericht Itzehoe gestern unter Leitung von Richter Eberhard Hülsing gegen Alexej S. (21) verhängte. Der 21-jährige Lübecker wurde wegen vollendeten Mordes sowie wegen versuchten Mordes, begangen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung an zwei Elmshorner Brüdern verurteilt. Zwischen dem Verurteilen und seinen Opfern besteht ein verwandschaftliches Verhältnis – sie sind Couins. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest, sodass eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen ist. Damit folgte die Kammer dem Strafantrag von Staatsanwalt Joachim Bestmann. S. nahm das Urteil regungslos entgegen.

Richter Hülsing nahm sich 45 Minuten Zeit, um sein Urteil zu begründen. Dabei fasste er die Tat noch einmal zusammen. Am Abend des 23. Novembers 2013 habe S. sich mit seinen 25- und 26-jährigen Cousins aus Elmshorn auf einer Party in Kellinghusen verabredet. Es sei bereits nach Mitternacht gewesen, als der mehrfach wegen Gewalttaten vorbestrafte S. und die Brüder aufeinandertrafen. Dort habe S. den beiden ein Bier angeboten. Der 25-jährige Elmshorner habe daraus getrunken, dann die Flasche an seinen älteren Bruder weitergereicht. Als dieser seinen Kopf zum trinken in den Nacken gelegt habe, habe der Mörder unvermittelt mit einem Küchenmesser zugestoßen, frontal in den Hals. Blitzschnell habe er die Klinge dann wieder herausgezogen, um sie auch dem Jüngeren in den Hals zu rammen. Dieser habe jedoch seinen Kopf leicht zur Seite drehen können, sodass das Messer nicht mittig auf den Hals getroffen habe. Der Mörder sei dann ins Auto und zum Feiern nach Hamburg gefahren. Wenige Tage später habe sich S. der Polizei gestellt. „Heimtückischer geht es wohl kaum“, sagte Hülsing zur besonderen Schwere der Schuld.

Die Tatwaffe lag dem Gericht ebenso wenig vor wie ein vernünftiges Motiv. Der Angeklagte hatte während des Prozesses ausgesagt, dass der Vater seiner Cousins die Mutter von S. vergewaltigt haben soll. Weil er seinen Onkel nicht habe erreichen können, habe er sich an dessen Söhnen gerächt. „Wir halten die Geschichte mit der angeblichen Vergewaltigung für an den Haaren herbeigezogen“, sagte Hülsing. „Dunkle Geschäfte“ zwischen Opfern und Täter seine ein wahrscheinlicheres Motiv. Immerhin hätten der Mörder und sein getöteter Cousin 2012 gemeinsam im Gefängnis gesessen.

Die Angaben des Angeklagten zu seinen Trinkmengen in der Tatnacht, hielt das Gericht ebenfalls für ein „Märchen“. Gutachter Prof. Arno Deister habe ermittelt, dass S. nach seinen Angaben darüber, wieviel Akohol er getrunken habe, eine Blutalkoholkonzentration von vier bis fünf Promille hätte haben müssen und völlig handlungsunfähig gewesen wäre. Dagegen gebe es ein Tatzeit nahes Video des Angeklagten, auf dem er voll orientiert und handlungsfähig zu sehen ist.

Dem überlebenden Cousin des Lübecker Mörders sprach das Gericht ein Schmerzensgeld in Höhe von 12.500 Euro zu.

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