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Des Pudels Kern : 2013 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wir, Nicole, Elisa, Johannes und ich, bekommen einen Hund – genauer gesagt einen Pudel. Wir sind blutige Hundeanfänger, nervös, voller Vorfreude. Begleiten Sie mich in den kommenden Wochen immer sonntags durch mein neues Hundeleben – immer auf der Suche nach des Pudels Kern.

1400 Kilometer, in 48 Stunden – nur um bei der Züchterin 120 Minuten Pudel zu gucken. Nein! Da mache ich nicht mit. Schließlich holen wir die kleine Hündin Unja doch schon in vier Wochen nach Hause.

Sonnabendmorgen, 6.30 Uhr. Meine Familie sitzt angeschnallt und bester Laune im Auto. Es geht ins tiefste Saarland. Ich muss fahren. Denn für ein Spiel des HSV in Nürnberg sind wir 1600 Kilometer in 48 Stunden gefahren – um 90 Minuten Fußball zu gucken – den HSV! Der Einwand meiner Frau zieht mir argumentativ den Boden unter den Füßen weg. Es macht heutzutage wirklich keinen Sinn mehr, HSV-Fan zu sein. Abfahrt. Zähneknirschend.

15.08 Uhr – die Minute, in der wir Kontakt- aufnehmen. Die Züchterin stellt im Außengehege eine Box ab. „Nicht aufstehen“, mahnt sie und öffnet die Tür. Ein Fehler. Der Hunde-Tornado trifft uns völlig unvorbereitet und mit voller Wucht. Acht Kleinpudel-Welpen fallen über uns her, springen, kratzen, beißen. Mein Sohn Johannes fängt an zu weinen. Ich will aufspringen, ihm zu Hilfe eilen. Der Blick der Züchterin nagelt mich am Boden fest.

"Was mache ich hier eigentlich?", schießt es mir durch den Kopf. Vielleicht sollten wir den kleinstmöglichen vierstelligen Betrag, den uns dieser Pudel kostet, doch lieber in den Südfrankreichurlaub stecken – am besten in exzellenten Wein.

Unja ist die mit dem roten Halsband. Sie ist wild, mutig, rotzfrech. Später, nach der Pudel-Analyse beim mittelmäßigen Saarland-Italiener, steht für Frau und Kinder fest: „Wir bekommen den süßesten Hund der Welt!“ Ich nippe an meinem Weizenbier.

7. Juli 2013: Der Tag, der unser Leben in den Grundfesten erschüttert. Unja gehört jetzt zu unser kleinen Familie. Sie ist zehn Wochen alt. Bei der Züchterin haben wir beim Abholen noch die ultimative Pudel-Bürste gekauft, aus Frankreich, hier gar nicht erhältlich. Natürlich! 44 Euro! Die Züchterin hätte uns in diesem Moment auch einen Pudel-Fön, Pudel-Lockenwickler und einen Pudel-Schneeanzug verkaufen können – wir hätten zugeschlagen. Menschen sind so.

Die erste Nacht. Ich schlafe im Wohnzimmer, beim Hund. Getrennte Betten, das gab es in diesem Haus noch nie. Echt super. Der Hund mag seine Box nicht. Er jault zum Steine-Erweichen. Irgendwann wird es ganz still. Ich bin hellwach. Um 2.38 Uhr vernehme ich ein leises Wimmern. Ich springe auf. Der Hund will raus. Um 2.41 Uhr spaziere ich in Unterhose und T-Shirt über unseren Rasen. Jetzt muss dieser Hund nur noch den Po absenken und seine Geschäfte verrichten. Er tut es nicht. Unja beschnuppert jeden Grashalm einzeln, spitzt bei jedem Geräusch die Ohren, straft mich mit völliger Missachtung. Um 3.18 Uhr breche ich die Toiletten-Mission erschöpft ab. Ich gehe aufs Klo – irgendjemand muss seine Geschäfte doch ordnungsgemäß verrichten. Um 5.12 Uhr wieder dieses Wimmern. Ich springe auf.

Zwei Nächte halte ich durch. Dann die bedingungslose Kapitulation. Ich kann nicht mehr, lasse ich mich auswechseln. Nicole ist dran! Die muss auch mitten in der Nacht raus. Der Pudel senkt den Po. Kein Wunder: Dass Frauen gern gemeinsam auf Klo gehen, ist lange bekannt. Ich gönne mir noch eine pudelfreie Nacht. Dann bin ich wieder dran. Und täglich grüßt das Pudel-Tier.

Unser Autor Christian Brameshuber

Christian Brameshuber, Jahrgang 1968, verheiratet, zwei Kinder, Elisa (8)  und Johannes (6). Seit 1998 beim Tageblatt – und   2013 irgendwie auf den  Hund gekommen.
Kontakt: brh@a-beig.de

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erstellt am 16.Sep.2013 | 10:22 Uhr

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