2000 Euro für die Kirchenrettung

Sein Instrument ist eine historische Besonderheit: Dieter Schröder mit einem ehrwürdigen Leierkasten aus dem Hause Bacigalupo, Berliner Straßenorgellieferant vom 19. bis in das 20. Jahrhundert.Sie helfen mit: Die Schröderenkel Tom und Line sind mit ihren bemalten Steinen schon zum zweiten Mal dabei. Eine treue Kundin ist Margaret Fliegel.Stolzenberg (2)
1 von 2
Sein Instrument ist eine historische Besonderheit: Dieter Schröder mit einem ehrwürdigen Leierkasten aus dem Hause Bacigalupo, Berliner Straßenorgellieferant vom 19. bis in das 20. Jahrhundert.
Sie helfen mit: Die Schröderenkel Tom und Line sind mit ihren bemalten Steinen schon zum zweiten Mal dabei. Eine treue Kundin ist Margaret Fliegel.Stolzenberg (2)

Avatar_shz von
02. Januar 2013, 01:14 Uhr

Rellingen | Kurt Oelting drehte kurzerhand sein Portemonnaie um, sodass der Inhalt in den bereitstehenden Kupferkessel plumpsen konnte. Es klimperte nicht einmal. Dazu waren schon zu viele schalldämpfende Scheine im Topf. Mehr als 2000 Euro für die Rettung der Rellinger Kirche spielte Dieter Schröder am letzten Tag des Jahres 2012 ein, klarer Rekord in seiner Karriere als Rellinger Leierkastenmann.

Die fette Spende für die Kirchensanierung war nicht das einzige Superergebnis der Aktion. Schröders Auftritt in Frack und Zylinder auf dem Bürgersteig vor seinem Einrichtungshaus in der Hauptstraße 76 strahlte zugleich und bereits zum 40. Mal unwiderstehliche Anziehungskraft aus und zog drei Stunden lang eine beständig wachsende Menschenmenge in ihren Bann. Die Stimmung hier sei wie auf einem Dorffest, stellte Albert Hatje fest. Der Bürgervorsteher pochte darauf, das Ereignis noch nie verpasst zu haben. Hier zeige sich gelebtes Gemeinwohl, sekundierte Anja Radtke dankbar. Als Bürgermeisterin war sie zum dritten Mal dabei. "Davor aber schon unzählige Male", macht sie klar. Ihr Vorgänger im Rathaus Oliver Stolz, inzwischen Landrat mit Amtssitz Elmshorn, mischte sich wie gewohnt auch wieder plaudernd unter die Leute.

Genau solch ungezwungenes Miteinander der Menschen in seiner Umgebung war das Ziel, das Schröder vor Augen hatte, als er mit seinem ersten Auftritt als Straßenmusikant die inzwischen nicht mehr wegzudenkende Rellinger Sylvestertradition begründete. 1972 war das.

Nur einmal hat Schröder seitdem gefehlt: 1983 war er nicht rechtzeitig aus dem Skiurlaub zurück. "Alle hatten Angst, mir sei was passiert", schmunzelt er heute. Die Sorge hat er seinen Fans seitdem nie wieder bereitet. Für gemeinnützige Projekte in Rellingen sind dabei im Laufe der Jahre mehr als 35 000 Euro zusammengekommen.

Ob er nach 40 Jahren auch mal ans Aufhören denke und vielleicht schon einen Nachfolger im Sinn habe, wurde er gefragt. Keine Angst, die nächsten 20 Jahre wolle er noch weitermachen, lacht der 73-Jährige. Aber an Helfern fehle es ihm nicht, beruhigt er mit einem Blick in die Runde. Da waren Ehefrau Anke und Sohn Karsten, rastlos damit beschäftigt, Glühwein auszuschenken. Und auch die Enkel Tom, Line und Ida waren schon mit von der Partie und verkauften bemalte Steine. Ihren Profit wollten sie aber lieber in Bonbons umsetzen, statt ihn dem guten Zweck hinzuzufügen, machten sie klar. Denn sie waren sich sicher: "Das mit der Kirche kriegt Opa gut alleine hin." Zur guten Stimmung auf der Hauptstraße trugen sie aber bestimmt viel bei.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen