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Kreis Pinneberg : 200.000 Euro für Ausgleichsflächen im Kreis-Topf

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Naturschutzverbände organisieren jetzt neue Beweidungsprojekte.

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2015 | 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Während etliche Landkreise in Schleswig-Holstein Probleme haben, Millionen Euro an Ausgleichsgeld in Naturschutzflächen zu investieren, läuft es im Kreis Pinneberg anscheinend rund. „Wir haben noch etwa 200  000 Euro im Topf. Und bisher gibt es im Kreis genug Flächen im Angebot, die für Landwirte unwirtschaftlich und als Ausgleichsflächen gut geeignet sind“, sagt Oliver Carstens, Sprecher der Kreisverwaltung.

Zum Hintergrund: Wer Straßen baut, Gewerbegebiete ausweist oder Windräder errichtet, muss Ausgleichsflächen für den Naturschutz schaffen. Wenn Privatleute, Unternehmen und Kommunen das nicht können, dürfen sie sich freikaufen, indem sie Geld an die Kreisverwaltung überweisen. Die kümmert sich dann um Ausgleichsprojekte. Weil jedoch die Flächen immer knapper werden, horten die Kreise Millionen. Landesweit sind es nach Angaben des schleswig-holsteinischen Landkreistags mehr als 20 Millionen Euro. Die Summe könnte sich innerhalb der kommenden Jahre vervielfachen – etwa, weil in Kreisen wie Nordfriesland zahlreiche Windräder gebaut werden, für die Ausgleichsgeld fließen muss.

„Nach einer Gesetzesänderung 2003 wurde immer häufiger die Möglichkeit von privaten Investoren oder Kommunen genutzt, Geld zu zahlen, statt selbst nach Ausgleichsflächen zu suchen“, sagt Carstens. Etwa 140.000 Euro habe der Kreis seitdem jährlich eingenommen, etwa 120 000 Euro jährlich seien bereits wieder in den Naturschutz geflossen.

Laut Jörg Kastrup, Teamleiter in der unteren Naturschutzbehörde (UNB) der Kreisverwaltung, gibt es im Kreis Pinneberg inzwischen etwa 1100 Hektar Ausgleichsflächen. Etwa ein Viertel davon sind vom Kreis an Naturschutzverbände übereignet worden. Der Rest gehört etwa Privateigentümern, welche die Flächen selbst als Ausgleich vorhalten, oder Naturschutzverbänden, welche die Flächen in Eigenregie übernommen haben. Zum Vergleich: Der gesamte Kreis hat eine Fläche von etwa 66.500 Hektar, etwa 14.000 Hektar davon sind Siedlungsfläche.

Kümmern sich um Ausgleichsflächen: Uwe Langrock, Kerstin Donner, Jörg Kastrup und Hans-Jürgen Raddatz (v. l.). (Foto: Thieme)
Kümmern sich um Ausgleichsflächen: Uwe Langrock, Kerstin Donner, Jörg Kastrup und Hans-Jürgen Raddatz (v. l.). (Foto: Thieme)
 

Für Bauprojekte verbrauchte Flächen müssen in der Regel im Verhältnis eins zu eins ausgeglichen werden. Wird gezahlt, sind 3,50 Euro pro Quadratmeter fällig – für das Areal eines Fußballfelds von einem Hektar also etwa 35.000 Euro.

Die Flächen, die der Kreis etwa von Landwirten kauft, gehen direkt in das Eigentum von Kooperationspartner, etwa der Stiftung Naturschutz oder Verbänden wie dem Naturschutzbund (Nabu). So kümmert sich der Nabu Pinneberg um eine etwa zwölf Hektar große Fläche an Appener Au und Pinnau. „Wir haben damit angefangen, den Riesenbärenklau zu bekämpfen“, erinnert sich Uwe Langrock, Nabu-Chef in Pinneberg. Vor etwa zehn Jahren seien die ersten Flächen an der Appener Au übernommen worden. „Der Erfolg hat sich schnell eingestellt. Der Kiebitz und die Bekassine kamen zurück. Auch Störche zeigen sich wieder in Appen“, sagt Langrock. Damit das Gelände freigehalten wird, lässt der Nabu einen Pächter Highland-Rinder grasen. Die Naturschützer haben Blänken und Tümpel angelegt. „Jetzt gibt es hier wieder überall Amphibien, früher gab es kaum welche“, sagt Langrock. Wer Rinder und Vögel beobachten möchte, kann dafür auf eine Aussichtplattform an der Straße Beeksfelde in Appen klettern.

Probleme mit den Landwirten gebe es in Appen nicht, sagt Langrock. Die meisten Flächen seien für die Bauern unwirtschaftlich. Rückendeckung bekämen die Nabu-Leute von Jägern, welche die Flächen als Revier pachteten. „Eine Population von bis zu 300 Rehen soll es hier geben. Die Bejagung ist nötig, denn die Tiere fressen Pflanzen wie den Goldstern ab“, sagt Langrock.

In Zukunft wollen Naturschützer und Kreisverwaltung weitere Flächen an Appener Au und Pinnau kaufen, um einen zusammenhängenden Biotopverbund schaffen zu können. Das gemeinsame Ziel: Bald soll sich dort der Fischotter wieder heimisch fühlen.

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