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Gewerkschaft ist beunruhigt : 20 Prozent mehr Teilzeitarbeit im Kreisgebiet

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kritik: Die Zahl der Halbtagsjobs ist auf 25.800 gestiegen. Die Gewerkschaft bezeichnet das als beunruhigend.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2017 | 15:00 Uhr

Elmshorn | Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) arbeiten immer mehr Menschen im Kreis Pinneberg in Halbtagsjobs. Etwa 25.800 Beschäftigte hätten eine Teilzeitstelle. „Das sind 21 Prozent mehr als noch vor vier Jahren“, teilte Silke Kettner,
NGG-Geschäftsführerin, der Region Hamburg-Elmshorn mit. Die NGG beruft sich auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Zum Vergleich: Im selben Zeitraum stieg die Zahl aller sozialversicherungspflichtigen Jobs im Kreis demnach um acht Prozent. Vor dem Hintergrund der Debatte um prekäre Arbeit fordert die Gewerkschaft ein verbrieftes Rückkehrrecht auf Vollzeit. „Die Zunahme der Teilzeit ist beunruhigend“, sagte Kettner.

20- oder 30-Stunden-Jobs würden immer mehr zur Regel – und häufig zur Falle. „Gerade Frauen bleibt etwa nach einer Familien-Pause der Wunsch, in Vollzeit zurückzukehren, oft verwehrt“, so die Gewerkschafterin. Dies erschwere nicht nur die Karriere, sondern sei auch Grund für niedrige Renten. Dieses Problem nehme immer größere Ausmaße an: So arbeiteten laut BA 50 Prozent aller berufstätigen Frauen im Kreis Pinneberg in Teilzeit.

„Viele von ihnen wollen mehr arbeiten, worin auch ein riesiges Potential für den heimischen Arbeitsmarkt liegt“, sagte Kettner. Diese Chance dürfe man in Zeiten des Fachkräftemangels nicht einfach verschenken. Doch auch Männer, die für mehr Zeit mit der Familie die Arbeitszeit reduzieren und später wieder erhöhen wollten, bekämen dazu oft keine Chance. Auch ihnen bringe ein Rückkehrrecht auf Vollzeit spürbare Entlastung. Gesetzespläne des Bundesarbeitsministeriums seien am Widerstand der Union gescheitert, so die NGG.

„Wer später in Vollzeit zurück will, muss darauf einen festen Anspruch haben“, sagte Kettner. Die Wahl der Arbeitszeit solle eine individuelle Entscheidung sein. Mit Blick auf die Digitalisierung der Arbeitswelt sei dies wichtiger denn je. Kettner ergänzte: „Die Arbeitgeber sprechen gern von Flexibilität und meinen damit Mehrbelastung für Beschäftigte. Aus Sicht der Arbeitnehmer heißt Flexibilität aber auch, je nach Lebensabschnitt entscheiden zu können, mehr oder weniger zu arbeiten.“

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