zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

19. November 2017 | 13:33 Uhr

184 Fälle von sexuellen Vergehen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Hohe Fallzahlen: Verein Wendepunkt zieht Jahresbilanz 2013

Der Verein Wendepunkt in Elmshorn kann sich derzeit vor Arbeit kaum retten. Wenn es um Traumaintervention, Beratung, Erziehungshilfen, Täterarbeit und schulische Gewaltprävention geht, gehören sie zu den Profis im Kreis Pinneberg. Das konnten die 34 festen Mitarbeiter im Jahr 2013 in 635 Fällen beweisen, die an den Verein herangetragen wurden – die meisten wegen sexuellen Missbrauchs. So geht es aus ihrem Tätigkeitsbericht des vergangenen Jahres hervor.

„Wir freuen uns, dass unsere Angebote angenommen werden, aber wünschen uns natürlich eine Gesellschaft, in der man sie nicht braucht“, so Ingrid Kohlschmitt, Geschäftsführerin beim Verein Wendepunkt mit Sitz in Elmshorn. „Das ist allerdings Traumtänzerei.“ Wendepunkt-Mitarbeiterin Andrea Bünz ergänzte: „Diese Angebote werden noch lange nötig sein.“

Dabei gehen die Mitarbeiter des Wendepunkts in vielen Fällen über ihre Kräfte und finanziellen Ressourcen hinaus und sind nach Angaben Kohlschmitts dringend auf Spenden angewiesen. „Es herrscht ziemlicher Druck im Karton“, beschrieb sie die Situation sehr bildlich. Der Verein hatte 2013 insgesamt 184 Fallanfragen wegen sexuellen Missbrauchs, von denen 157 in Beratung genommen wurden. „Mit dem Kreis Pinneberg war lediglich eine Finanzierung von 148 Fällen vereinbart“, so Kohlschmitt. Doch der Wendepunkt mit seinen Beratungsstellen gegen sexuellen Missbrauch in Elmshorn, Quickborn und Schenefeld möchte für alle da sein, die Hilfe benötigen. Eltern, Schulen, Kitas und Jugendhilfe sowie die Betroffenen selbst oder auch Angehörige treten an den Verein heran. Hauptsächlich richteten sich die Beschuldigungen 2013 gegen Väter, Stiefväter und Lebensgefährten sowie Familienangehörige, Nachbarn, Bekannte der Familie aber auch Freunde oder Partner der Opfer – in einem Fall auch gegen eine Mutter. In einem weiteren Fall wurde eine Schwester beschuldigt. In nur vier Fällen wurden Fremde als Täter benannt.

Viel zu tun gab es 2013 auch in der Trauma-Ambulanz, die der Verein zusammen mit Fachleuten aus dem Regio-Klinikum und vom UKE betreut. 77 Fälle liefen dort auf.

29 Anfragen bezogen sich auf Jugendliche mit sexuell auffälligem Verhalten im Kreis Pinneberg. „Es waren noch nie so viele“, so Kohlschmitt. Noch könne man allerdings nicht sagen, ob es sich um einen Trend handele. Gelder vom Kreis stünden für 14 Fälle zur Verfügung. Zusätzlich aus Hamburg kamen weitere 104 Fallanfragen. In 89 Fällen leitete der Verein Wendepunkt Therapiemaßnahmen wegen sexuell auffälligen Verhaltens ein. Weiterhin fanden 52 Personen – so viele wie noch nie – 2013 Unterstützung in der Zeugenbegleitung in Fällen von häuslicher Gewalt, Vergewaltigung und Stalking.

Ebenfalls 2013 wurden allerdings auch die ersten Qualitätssiegel „Gemeinsam passen wir auf“ verliehen. Dabei handelt es sich um ein Schutzkonzept gegen sexuellen Missbrauch in Einrichtungen durch Schulung der Mitarbeiter. Mehr als zehn Kitas im Kreis tragen das Siegel bereits. Zudem stehe nach Vereinsangaben ein großer Auftrag von kirchlichen Einrichtungen an.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen