Kündigung der Werkleiterin : „170 Euro lediglich feiger Vorwand“

Silkata Sahin-Adu, Chefin des Kommunalen Servicebetriebs Pinneberg, schlägt eine Welle der Sympathie entgegen.
Silkata Sahin-Adu, Chefin des Kommunalen Servicebetriebs Pinneberg, schlägt eine Welle der Sympathie entgegen.

Die Grünen beantragen jetzt eine „Aktuelle Stunde“ im Rat. Noch ist unsicher, ob die Kündigung Auswirkungen auf die Schulbausanierung hat.

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28. März 2017, 12:00 Uhr

Pinneberg | Die Kündigung von Silkata Sahin-Adu, Chefin des Kommunalen Servicebetriebs Pinneberg (KSP), beschäftigt weiterhin die Kommunalpolitik: Die Grünen & Unabhängigen beantragen für die nächste Ratsversammlung am 6. April eine „Aktuelle Stunde“. Sie wollen wissen, welche Auswirkungen der Rauswurf auf die beschlossenen Schulgebäudesanierungen in Pinneberg hat. Der Ältestenrat der Stadt hat sich gestern Abend mit dem Antrag beschäftigt.

Wie berichtet, haben CDU, SPD und FDP im Hauptausschuss dem Rauswurf und damit der Empfehlung von Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) zugestimmt. Grüne & Unabhängige sowie die Bürgernahen stimmten dagegen. Sahin-Adu wird vorgeworfen, für ein Fachseminar ohne Erlaubnis 160 Euro abgerechnet zu haben. Zudem soll sich die KSP-Chefin 2014 in vier Fällen Parkgebühren in Höhe von etwa zehn Euro ohne Dienstanlass erstatten lassen haben. Dafür hat sie bereits eine Abmahnung erhalten. Doch das Thema wurde erneut hochgekocht.

Unterdessen haben die ersten Politiker der Verwaltungschefin ihr Vertrauen entzogen. „Aufgrund der Vorkommnisse hat die Bürgermeisterin ihr Vertrauen verspielt“, sagte Uwe Lange, Fraktionschef der Bürgernahen, gestern.

In einem offenen Brief äußerte sich auch Manfred Stache (Grüne & Unabhängige): „Wenn es aber größere Differenzen zwischen Ihnen und Frau Sahin-Adu über die Aufgaben des KSP gab und gibt, dann sind die 170 Euro lediglich ein feiger Vorwand, um eine unliebsame Mitarbeiterin loszuwerden“, schreibt er.

Und weiter: „Die Konsequenzen für die betroffene Person, für ihren weiteren beruflichen Werdegang scheinen Sie komplett ausgeblendet zu haben. Von einer Bürgermeisterin erwarte ich definitiv etwas anderes.“ Er habe jedenfalls jegliches Vertrauen in ihre Personalführung und ihr Engagement für die Stadt verloren. Stache vermutet zudem, dass Steinberg das Gebäudemanagement vom KSP zurück zum Fachbereich III holen wolle. Die Mehrheit der Ratsversammlung möchte weiterhin, so Stache, dass das Gebäudemanagement beim KSP verbleibt.

„Wir dürfen zu Personalangelegenheiten und nicht öffentlichen Sitzungen grundsätzlich nichts sagen “, teilte Stadtsprecherin gestern Maren Uschkurat auf Anfrage mit.

Über das Positionspapier der Pinneberger Schulleitungen, die die Arbeit von Sahin-Adu loben, gibt es eine weitere Anmerkung von Dieter Tietz (SPD), dem Vorsitzenden des Hauptausschusses. Dieser hatte das Schreiben während der Sitzung nicht erwähnt. Er bleibe bei seiner Einschätzung, dass dieses Papier den Kernpunkt der anstehenden Personalentscheidung nicht berührt habe. „Allerdings wäre es richtiger gewesen, wenn ich die Sitzungsteilnehmer über dieses Papier und meine Einschätzung informiert hätte, damit sie Gelegenheit gehabt hätten, ihrerseits eine Einschätzung vorzunehmen“, sagte er.

Bis morgen hat Sahin-Adu noch Zeit, der Verwaltung mitzuteilen, ob sie einer Kündigung im gegenseitigen Einvernehmen zustimmt. Sonst droht eine ordentliche Kündigung von Seiten der Stadt. Wie sie sich entscheidet, wollte Sahin-Adu gestern aus taktischen Gründen noch nicht sagen.

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