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Der Mordfall Lisa Marie : 16-Jähriger verurteilt: Erst Psychiatrie, danach neun Jahre Haft

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im Mordfall Lisa Marie ist am späten Mittwochnachmittag der Schuldspruch gegen den Angeklagten gefallen. Der 16-Jährige muss für neun Jahre hinter Gitter.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2014 | 04:00 Uhr

Tornesch / Itzehoe | Im Prozess um den gewaltsamen Tod der 18-jährigen Lisa Marie aus Tornesch bei Pinneberg ist am späten Mittwochnachmittag der Urteilsspruch gefallen. Der Anklagte, ein 16-Jähriger, der die Tat bereits bei seiner Festnahme gestanden hatte, ist zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Bevor er jedoch die Haftstraße beginnt, muss er zur Behandlung in die Psychiatrie.

Ab 11:15 Uhr wurden im Gerichtssaal die Plädoyers gehalten. Darauf folgte eine Verhandlungspause, die länger dauerte als ursprünglich geplant. Danach folgte die Urteilsverkündung, die sich ebenfalls in die Länge zog. Am Ende stand der Schuldspruch, der verbunden ist mit einer fast zehn-jährigen Haftstrafe.

Der Mord im März dieses Jahres hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt: Der Angeklagte aus der Nachbarschaft des Opfers hatte die junge Frau mit dem rotblonden Haar erwürgt. Dementsprechend groß war auch das Medieninteresse schon zu Beginn des Prozessauftakts im September. Wegen des Alters des Angeklagten hatte die Jugendkammer des Landgerichts Itzehoe den gesamten Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt.

Die Staatsanwältin warf dem jungen Mann vor die Tat am 19. März, drei Tage nach seinem 16. Geburtstag, begangen zu haben. Er soll sein Opfer von hinten umfasst und erwürgt haben: Mord aus Heimtücke, so die Anklage. Der 16-Jährige und sein mutmaßliches Opfer kannten sich. Sie waren beide Feuerwehr-Mitglieder. Der Angeklagte soll Lisa Marie mit einem Trick in sein Kinderzimmer gelockt haben. Er habe mit ihr über den Tod eines Feuerwehrkameraden sprechen wollen, soll er ihr über den Nachrichtendienst „WhatsApp“ geschrieben haben.

Die Eltern des Opfers saßen zum Prozessauftakt neben der Vertreterin der Anklagebehörde, da sie als Nebenkläger an dem Verfahren teilnehmen. Auch die Eltern des Täters nahmen an dem Verfahren teil. Nach Angaben der Ermittler hat der Angeklagte die Tat bereits vor dem Prozessauftakt im Wesentlichen eingeräumt.

Der 16-Jährige soll berichtet haben, dass er in der Vergangenheit Gewaltvideos mit Würgeszenen angeschaut habe, in denen wehrlose Frauen gedemütigt und gequält werden. Die Polizei hatte gegen ihn bereits in der Vergangenheit ermittelt - unter anderem, weil er als 13-Jähriger Nachbarskinder gewürgt haben soll.

Die Polizei suchte tagelang nach der Vermissten

Die 18-Jährige war am Abend des 19. März 2014 von ihren Eltern als vermisst gemeldet worden. Sie war nach einem Besuch bei einem Bekannten verschwunden und am nächsten Morgen nicht bei der Arbeit erschienen. Die Polizei suchte daraufhin tagelang mit Spürhunden und einem Hubschrauber nach ihr. Am 24. März wurde die Leiche der jungen Frau auf einem freien Feld in Tornesch, im Ortsteil Ahrenlohe entdeckten. Sie lag nur wenige Meter hinter dem Elternhaus des Angeklagten.  

 

Trauer in der gesamten Region

Ein riesiges rotes Herz auf dem Fußboden, erleuchtet von unzähligen Kerzen und Fackeln. Auf dem Gelände der Feuerwehr in Tornesch-Ahrenlohe trauerten die Menschen am Tag nach dem Fund der Leiche schweigend. Sie hielten sich an den Händen, umarmten sich, weinten. Über 1000 Tornescher trauerten damals um „ihr Feuerwehr-Mädchen“.

Auch vor der Pinneberger Drostei versammelten sich zahlreiche Menschen. Einzeln oder in kleinen Gruppen gingen sie zu den Stufen des Pinneberger Wahrzeichens, knieten nieder, zündeten Kerzen an, verharrten schweigend. Viele von ihnen waren – wie auch in Tornesch – einem Aufruf über das soziale Netzwerk Facebook gefolgt.

Die Anteilnahme in der gesamten Region war damals groß. So wurde beispielsweise schon vor der Beisetzung von Lisa Marie eigens ein Spendenkonto eingerichtet, auf dem Geld für die Ruhestätte der getöteten jungen Frau gesammelt wurde. 

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