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Gewaltpräventiver Verein Wendepunkt : 154 Fälle von sexuellem Missbrauch

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Wendepunkt hat im vergangenen Jahr 656 Anfragen erhalten, 154-mal wegen sexuellen Missbrauchs. Dies geht aus dem Tätigkeitsbericht hervor, den Vereins-Leiterin Ingrid Kohlschmitt am Dienstag in Elmshorn vorstellte.

Kreis Pinneberg | Der Verein Wendepunkt in Elmshorn setzt sich seit mehr als 20 Jahren für Gewaltprävention und für die Versorgung von Opfern von Gewalt und Missbrauch im Kreis Pinneberg ein. Im vergangenen Jahr hatte er 656 Fallanfragen zu bearbeiten, wie aus dem Tätigkeitsbericht des vergangenen Jahres hervorgeht, den Wendepunkt-Leiterin Ingrid Kohlschmitt gestern gemeinsam mit Dirk Jacobsen, Fachbereichsleiter Traumaintervention, in Elmshorn präsentierte.

105 dieser Fallanfragen seien bei der Trauma-Ambulanz aufgelaufen, wie Kohlschmitt berichtete. Dabei handelt es sich um ein Kooperationsprojekt zwischen dem Wendepunkt, den Regio-Kliniken im Kreis Pinneberg sowie dem Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das Kindern, Jugendlichen und ihrem sozialen Umfeld eine psychotraumatische Erstversorgung zur Stabilisation bieten soll, nachdem diese ein traumatisches Erlebnis hatten. 2015 sei die Trauma-Ambulanz 50-mal wegen Gewalterfahrungen, 27-mal infolge von Kriegs- und Fluchterfahrungen sowie 28-mal wegen anderer schwerer Krisen aufgesucht worden, so Kohlschmitt. Insbesondere der Bereich Kriegs- und Fluchterfahrung stelle den Wendepunkt derzeit vor eine Herausforderung, denn neben der Sprachbarriere gebe es auch fachlich viel Neues für die Mitarbeiter zu bedenken. „Das ist noch längst keine Routine“, sagte Kohlschmitt.

Die Finanzierung der Trauma-Ambulanz bereite Kohlschmitt in diesem Jahr jedoch zum ersten Mal keine Sorgen mehr. Bisher habe sich das Projekt durch Spenden und Rücklagen des Vereins finanziert. Jetzt jedoch habe die Jugendhilfe eine unbefristete Vereinbarung mit dem Wendepunkt geschlossen, die eine fallabhängige Übernahme der Kosten garantiere. „Endlich haben wir jetzt zum ersten Mal Sicherheit“, sagte Kohlschmitt. 2015 habe die Spendensumme für die Trauma-Ambulanz nämlich nur bei etwa 60.000 Euro gelegen, während es im Startjahr 2014 noch zirka 100.000 Euro waren. Eine Entwicklung, die Kohlschmitt Sorgen bereitet hatte.

Die meisten Fälle, nämlich 226, die 2015 vom Wendepunkt bearbeitet wurden, machten Menschen mit sexuell auffälligem Verhalten aus. Allerdings ist der Wendepunkt in diesem Bereich auch für die Stadt Hamburg tätig, die einen entsprechenden Teil der Kosten trägt. Aus dem Kreis Pinneberg habe es im vergangenen Jahr in diesem Bereich 14 Fallanfragen geben. „Der Altersdurchschnitt dieser Fälle lag bei 14 Jahren“, sagte Kohlschmitt. Dies sei jedoch nicht außergewöhnlich. „Ein Viertel der Sexualstraftaten wird von Heranwachsenden unter 21 Jahren begangen“, erläuterte Jacobsen. Deshalb sei es wichtig, dass auffällige Kinder und Jugendliche möglichst schnell Hilfe erhielten, um verhindern zu können, dass diese später Straftaten begehen.

Kohlschmitt sagte, dass es bei sexuell auffälligen Kindern – unter den 14 Fällen waren zwei Sechsjährige – keineswegs um Kinder gehe, die „Doktorspiele“ spielen. „Dass sich Kinder ausprobieren und Interesse aneinander haben, ist normal“, sagte sie. Auffällig sei das Verhalten jedoch dann, wenn Kinder sexuelle Handlungen bei anderen erzwingen würden und diese unter Druck setzten, damit sie nichts darüber erzählten. Der Verein berate bei kleinen Kinder oft deren Bezugspersonen dazu, wie man mit solchen Verhalten umgeht. Sobald die Kinder älter seien, könne man mit ihnen üben, wie sie sich so verhalten, dass sie anderen nicht schaden.

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erstellt am 23.Mär.2016 | 09:50 Uhr

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