Doppeltriebwagen : 15 AKN-Züge suchen neue Besitzer

Noch bis Ende des Jahres sind die VTE Doppeltriebwagen im Einsatz, für die Zeit danach werden Käufer gesucht.
1 von 3
Aufgrund von Bauarbeiten an den S-Bahn-Gleisen fahren keine AKN-Züge mehr bis zum Hamburger Hauptbahnhof durch.

Der Transport der ausrangierten Fahrzeuge könnte für Käufer die größte Herausforderung werden.

shz.de von
22. Juli 2015, 14:00 Uhr

Eisenbahnfans mit großem Grundstück könnten sich derzeit einen Traum erfüllen, denn die AKN Eisenbahn AG möchte 15 ihrer VTE Doppeltriebwagen abgeben. Ab dem nächsten Fahrplanwechsel Ende dieses Jahres sollen die neuen Wagen des Typs Lint 54 auf der Strecke zwischen Eidelstedt und Neumünster fahren (diese Zeitung berichtete). Dann haben die VTE Doppeltriebwagen mit Baujahr 1976/1977 ausgedient. Nun werden neue Besitzer gesucht, denn für die AKN sind sie dann nutzlos.

„Prinzipiell kann jeder, der möchte, die Doppeltriebwagen kaufen“, sagte Stefan Bagowsky von der AKN im Gespräch mit dieser Zeitung. Die AKN habe zunächst einen professionellen Vermittler eingesetzt, um die Triebwagen weiterzuverkaufen. Die erste Idee sei gewesen, dass die VTE Wagen andernorts in Europa auf die Schiene kämen. Später habe man weltweit versucht, einen neuen Einsatzort für die AKN-Züge zu finden. Doch diese Bemühungen seien gescheitert. „Wir haben gemerkt, dass es nicht mehr möglich ist, die Wagen offiziell im Personenverkehr einzusetzen“, berichtete Bagowsky.

Da die Vermittlung an andere Verkehrsbetriebe nicht möglich gewesen sei, habe die AKN jetzt beschlossen, die Doppeltriebwagen anderweitig zu verkaufen. „Funktionstüchtig sind sie ja noch“, sagte Bagowsky, und Ersatzteile gebe es auch reichlich, denn schließlich seien die Wagen derzeit noch im Einsatz. Bagowsky könne sich gut vorstellen, dass die AKN-Züge ihre neue Bestimmung als Museumseisenbahn oder Ähnliches fänden.

Leergewicht beträgt 30.830 Kilogramm

Die etwa 40 Jahre alten Züge haben für die AKN insgesamt Strecken zwischen 3,4 und 3,8 Millionen Kilometer zurückgelegt. Ein Doppeltriebwagen hat eine Länge von 29,67 Metern, ist 2,94 Meter breit und 3,50 Meter hoch. Das Leergewicht der Wagen beträgt insgesamt 30  830 Kilogramm. Allerdings verkauft die AKN die Wagen inklusive der Sitze, die sich derzeit darin befinden, sagte Bagowsky. Das Dienstgewicht eines VTE Doppeltriebwagens beträgt 52.000 Kilogramm.

Auf die Frage, wieviel ein Doppeltriebwagen der AKN kosten soll, sagte Bagowsky: „Einige Tausend Euro.“ Allerdings käme es bei dem Preis auch darauf an, wieviele Fahrzeuge gleichzeitig übernommen würden. Die größte Herausforderung für einen potentiellen Käufer sehe Bagowsky allerdings darin, den Transport des Fahrzeugs zu bewerkstelligen. „Die Züge müssen abgeholt und weggebracht werden“, sagte er. Allerdings sei die AKN bereit, mit dem Käufer gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.

Die Stadt Elmshorn hat mit dem Transport eines Schienefahrzeugs über die Straßen bereits Erfahrungen gesammelt. Denn seit mehr als zehn Jahren steht auf dem Buttermarkt ein ausgedienter Waggon. Bunt verziert und mit einer Rampe für einen barrierefreien Zugang, bietet er dem Kinder- und Jugendbeirat der Stadt Elmshorn ein Zuhause.

Elmshorns Stadtjugendpfleger Thies Koopmann könne sich noch daran erinnern, dass es ein ziemlicher Aufwand gewesen war, den alten Waggon auf den Buttermarkt zu transportieren. Die Lösung sei damals ein Straßenroller, ein sogenannter Culemeyer, gewesen. Dabei handelt es sich um einen Fahrzeuganhänger, der in den 1930er Jahren entwickelt wurde, um Eisenbahnwagen und Schwerlasten auf der Straße zu transportieren.

Transport mit einem Spezialfahrzeug aus Bilsen

Ein solcher Straßenroller befand sich damals laut Koopmann in Besitz eines Mannes aus Bilsen. „Dieser hat uns seinen Culemeyer für den Transport zur Verfügung gestellt“, sagte Koopmann. Bis nach Uetersen sei der Elmshorner Waggon dann auf den Schienen transportiert worden. Dort habe man ihn auf den Culemeyer geladen und auf den Buttermarkt gefahren. „Auf dem Buttermarkt haben ihn dann zwei Kräne vom Culemeyer runtergeholt“, sagte Koopmann.

Auf dem Marktplatz steht das Zugstück ebenfalls auf Gleisen. Das sei nötig, sagte Koopmann, und gab zu Bedenken, dass man für einen AKN Doppeltriebwagen wohl auch eine entsprechende Länge an Schienen benötigte, auf denen diese stehen könnten.

Koopmann könne sich übrigens sehr gut vorstellen, einen der VTE Doppeltriebwagen der AKN nach Elmshorn zu bringen, sagte er gegenüber dieser Zeitung. Eine Idee, was er mit den ausgedienten AKN-Zügen machen wollen würde, habe er auch schon: „Die Wagen mit ihrer großer Fensterfläche wären ideal für ein Jugendcafé.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen