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Gewehre und Pistolen : 14.674 Waffen lagern im Kreis Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Zahl der Schusswaffen geht zurück. Seit sechs Jahren kontrolliert die Ordnungsbehörde schärfer.

Statistisch gesehen besitzen von 1000 Einwohnern im Kreis Pinneberg 51 mindestens eine Waffe. Von den Flächenkreisen im Land hat der Kreis damit den geringsten Wert. Zum Vergleich: Im Kreis Rendsburg-Eckernförde sind es mehr als doppelt so viele. Die Zahlen haben Recherchen der „Zeit“ ergeben. Leben im Kreis Pinneberg also besonders wenige Waffenfreunde? Nein, sagen die Verantwortlichen aus Schützenverband und Kreisjägerschaft. Der Grund dafür liege in der strukturellen Beschaffenheit des Kreises sowie den Organisationen und Vereinen, die mit Waffen zu tun haben.

Derzeit gibt es nach Auskunft der Kreisverwaltung 14.674 erlaubnispflichtige Waffen – Tendenz abnehmend. 2009 waren es noch circa 17.000. Die größte Gruppe machen 4293 Waffeninhaber aus, die einen sogenannten Kleinen Waffenschein besitzen. Diese dürfen Waffen, wie Signal- und Schreckschusspistolen besitzen und auch in der Öffentlichkeit bei sich tragen. Zudem gibt es 3276 Waffeninhaber, die keinen Kleinen Waffenschein haben. Diese dürfen also die Waffen zwar besitzen, aber nicht bei sich tragen.

Die beiden größten Gruppen von Waffenbesitzern im Kreis Pinneberg, die sich organsiert haben, sind Jäger (1361) und Sportschützen (1247). Für den Vorsitzendern der Kreisjägerschaft Pinneberg, Hans Hewicker, sind die landesweit vergleichsweise geringen Waffenzahlen im Kreis Pinneberg einfach zu erklären: Der Kreis habe eine kleine Fläche, viele Städte und eine hohe Bevölkerungszahl. Der Anteil an Jägern sei aber gering. Daher falle die pro Kopf-Verteilung geringer aus als in ländlich geprägten Flächenkreisen wie etwa im Kreis Rendsburg-Eckernförde (110 Waffen auf 1000 Einwohner). Im Kreis Pinneberg leben seiner Meinung nach nicht weniger Waffenliebhaber als in anderen Kreisen des Landes.

Ähnlich sieht das auch der Vorsitzende des Kreisschützenverbands Pinneberg, Bernd Röding: „Ich vermute diese Zahlen gehen auch auf die geringe Anzahl an Vereinen zurück, die hier mit Großkaliberwaffen schießen.“ Das sind Waffen, die Partronen mit einem Mindestdurchmesser von 5,6 Milimeter abfeuern. „Wir schießen eher mit Luftdruckwaffen und haben einen Schwerpunkt auf den Bogensport gelegt“, sagt der 65-Jährige. Bogensportwaffen sind nicht genehmigungspflichtig, tauchen also nicht in der Statistik auf.

 

Für die Waffenbehörde des Kreises Pinneberg steht sichere Aufbewahrung an erster Stelle. „Wir waren einer der ersten Kreise, die im Jahr 2008 systematische Waffenkontrollen eingeführt haben“, sagt der Sprecher der Kreisverwaltung, Marc Trampe. Dabei werden alle registrierten Waffenbesitzer systematisch angeschrieben und müssen die ordnungsgemäße Aufbewahrung nachweisen. „Die Waffenbehörde kann auch vor Ort Kontrollen durchführen“, sagt Trampe. Die unsachgemäße Aufbewahrung von Waffen ist kein Kavaliersdelikt und wird als Ordnungswidrigkeit verfolgt. Verfehlungen könnten mit einer Geldbuße bis zu 10.000 Euro bestraft werden.

„Aufgrund der Kontrollen seitens der Waffenbehörde wurden bis Ende 2013 knapp 1100 Waffen abgegeben und vernichtet“, sagt Trampe. Die Zahl der Waffenbesitzer im Kreis Pinneberg hat sich seit 2009 (6000) fast halbiert: Ende des vergangenen Jahres zählte die Waffenbehörde noch 3300 Besitzer. Ein Rückgang von 45 Prozent. Dazu haben nationale und internationale Ereignisse Einfluss auf die Entwicklung. Kreissprecher Trampe dazu: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass vor allem nach Amokläufen verstärkt Waffen-Rückgaben erfolgen.“ Auch die Aufklärungsarbeit des Kreises trage zu dieser Entwicklung bei.

Waffenbesitzkarte

Diese waffenrechtliche Erlaubnis ist notwendig zum Besitz, aber nicht zum Führen einer Waffe. In die Karte trägt die Waffenbehörde die Schusswaffen ein, die der Karteninhaber besitzen darf. Dabei handelt es sich meist um Sportschützen, Jäger, Sammler oder Erben von Waffen.

Waffenschein

Der Waffenschein berechtigt zum Führen bestimmter Schusswaffen. Voraussetzung für die Erteilung sind Volljährigkeit, persönliche Zuverlässigkeit, eine Sachkundeprüfung, eine Haftpflichtversicherung und vor allem ein Bedürfnis, wie etwa ein besonderer Selbstschutz.

Kleiner Waffenschein

Dieser berechtigt den Inhaber zum Führen von Signal-, Reizstoff- und Schreckschusswaffen.

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erstellt am 04.Feb.2014 | 12:00 Uhr

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