Wildtierstation : 100.000 Euro für Tiere in Not

Geschäftsführer Rüdiger Jürgensen (h. l.) übergab den symbolischen Scheck an Christian Erdmann, Leiter der Wildtierstation. Mit den beiden freuen sich Martina Hasselberg (vorn, v. l.), Manuela Stau und Thomas Pietsch von Vier Pfoten.
Geschäftsführer Rüdiger Jürgensen (h. l.) übergab den symbolischen Scheck an Christian Erdmann, Leiter der Wildtierstation. Mit den beiden freuen sich Martina Hasselberg (vorn, v. l.), Manuela Stau und Thomas Pietsch von Vier Pfoten.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten übergab gestern zum siebten Mal einen Scheck für die Arbeit in Sparrieshoop.

shz.de von
28. März 2017, 10:00 Uhr

Pinneberg | Der Storch war schlimm zugerichtet: Beide Beine waren gebrochen. Das Tier war ins Windrad einer Windenergie-Anlage geraten. Dem Storch war nicht mehr zu helfen. Er musste eingeschläfert werden. Besser erging es einem Ferkel: Es war – unglaublich, auf welche dämlichen Ideen manche Menschen kommen – das Geschenk anlässlich eines Junggesellenabschieds. Am nächsten Tag wurde das Ferkel in der Wildtierstation in Sparrieshoop abgegeben. Der neue Besitzer hatte keine Verwendung dafür. Nur zwei Fälle von vielen, die zeigen, womit es die Mitarbeiter der Station täglich zu tun bekommen. Aktuell bevölkern viele Hühner, Enten und Tauben die Gehege der Station. Tiere, die von ihren Besitzer einfach ausgesetzt worden sind, weil sie wegen der Vogelgrippe vorübergehend nur noch in Ställen gehalten werden dürfen. Auch diese Tiere bekommen Unterschlupf in der Wildtierstation.

Seit 1988 setzt sich Vier Pfoten dafür ein, dass Tieren mit Respekt und Mitgefühl begegnet wird. Dafür betreibt die international tätige Stiftung mit Büros in zwölf Ländern Aufklärungs- und Bildungsarbeit.

Doch die Pflege der Tiere kostet Geld. Und die Station muss immer noch ausschließlich mit Spenden finanziert werden. Wichtigster Geldgeber ist die Stiftung „Vier Pfoten“. Mit 100.000 Euro jährlich unterstützt sie die Wildtierstation. Und das bereits seit sieben Jahren. Gestern wurde wieder einmal der so dringend benötigte Scheck übergeben.

Der schwer verletzte Storch war in Horst heimisch, bevor ein Windrad seine Beine zertrümmerte. „Windenergie ist nicht nur schön“, sagte Christian Erdmann, der mit seiner Frau Katharina die Wildtierstation leitet. Mittlerweile ist der Storch präpariert, um so die Gefahren der Windräder zu verdeutlichen. „Jedes Jahr sterben viele Störche an diesen Anlagen“, weiß Erdmann.

Mehr als 1500 in Not geratene heimische Wildtiere werden in der Station jährlich abgegeben, aufgezogen, medizinisch versorgt und wieder ausgewildert. Derzeit befinden sich dort Singvögel, Feldhasen, Eulen, Schafe und viele Tiere mehr. In den nächsten Tagen werden einige Frischlinge gebracht. Die vier Waschbärwelpen, die im vergangenen Jahr neben ihrer überfahrenen Mutter gefunden und in Sparrieshoop aufgepäppelt worden waren, haben mittlerweile in einem Tierpark ein neues Zuhause gefunden. Erdmann rechnet aber damit, auch in diesem Jahr wieder kleine Waschbären aufnehmen zu müssen.

Bartkauz Edda lebt ebenfalls in der Wildtierstation.
Bernd Amsberg

Bartkauz Edda lebt ebenfalls in der Wildtierstation.

 

Auch ein Bussard, den Polizisten verletzt an der Autobahn gefunden hatten, erholt sich dort. Die Beamten hatten die Wildtierstation alarmiert.

Eine wichtige Aufgaben der Station ist es, zu informieren, wie man sich gegenüber Waldtieren richtig verhält. Vor allem Kinder werden dort aufgeklärt. Die Nachfrage ist groß. Er könne jede Woche drei Kindergruppen über das Gelände führen, wenn er mehr Personal hätte, sagt Erdmann. Darüber hinaus werden Menschen beraten, die ein in Not geratenes Tier finden sowie naturpädagogische Workshops organisiert.

Die Unterstützung von Vier Pfoten ist für die Station überlebenswichtig, weder Hamburg noch Schleswig-Holstein beteiligen sich finanziell an der Wildtierstation. Im vergangenen Jahr wurde unter anderem die große Flugvoliere fertiggestellt und ein 700 Quadratmeter großes Waschbären-Gehege gebaut. In diesem Jahr sollen weitere Versorgungsräume geschaffen werden.

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