Ein Artikel der Redaktion

Schenefelder Tageblatt Schleswig-Holsteins größtes Munitionsdepot stand in der heutigen Siedlung

Von Günther Meier | 19.07.2012, 01:14 Uhr

40 Jahre Stadt Schenefeld: In der SPD-Schreibwerkstatt haben zehn Autoren über ihre Stadt, über ihre Heimat geschrieben.

Unsere Zeitung veröffentlicht die Geschichten im Rahmen einer kleinen Serie. Heute schreibt Günther Meier über die Entstehung der Siedlung. Schenefeld Vor 95 Jahren wurde der Grundstein für die Siedlung Schenefeld gelegt. Doch die "Geburt" war alles andere als ein freudiges Ereignis, denn die Planer und Erbauer der ersten Gebäude hatten nicht die Aufgabe, friedliche Gebäude zu errichten, sondern das Gegenteil: Magazine für Munition.

Zur Durchführung des so genannten Hindenburgplanes wurde nach Verschärfung der Kriegslage 1917 ein Gelände von 75 Hektar, dem Gutsbesitzer Brummer von Friedrichshulde gehörig, aufgrund des Kriegsleistungsgesetzes requiriert. Auf dem Areal wurde nach der Rodung des Tannen- und Mischwaldbestandes in aller Eile vom Militärfiskus mit rund 100 massiven Gebäuden und 30 Holzbaracken das größte Munitionsdepot Schleswig-Holsteins gebaut.

Schnurgerade Straßen durchzogen die Munitionsanstalt, Kleinbahngleise verbanden Fabrik (heute Eberts) und Heizwerk (heute Rewe) mit den Lagergebäuden, Normalspurgleise die Gebäude mit dem Rangierbahnhof Hamburg-Eidelstedt. Die großen Munitionsgebäude sind noch heute an den Rampen zu erkennen. Sie gestatteten eine direkte Beladung der Güterwagen. Straßennamen wie "Pulverberg" und "Wasserberg" erinnern noch heute an das hermetisch abgeriegelte und bewachte Arsenal.

Anfang 1918 lief die Munitionsproduktion an. Trotz der umfangreichen Sicherungsmaßnahmen kam es einmal zu einer gewaltigen Explosion, bei der drei Gebäude explodiert sind. Nach Kriegsende im November 1918 erwarb die Reichsschatzverwaltung das Gelände mit den Gebäuden. Die Gesamtanlage stellte einen Wert von 4,7 Millionen Reichsmark dar.

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Diktats erfolgte die Entschärfung der Munition. Mit der Zerlegung war das Ottensener Eisenwerk bis April 1921 beschäftigt. Zunächst interessierte sich die Deutsche Reichsbahn für das Gelände, um eine Weichenschmiede einzurichten. Die Pläne zerschlugen sich. Die Bahn kaufte lediglich zwei Grundstücke für ihre Bediensteten im September 1923.

Die verbliebenen Grundstücke wurden von der Schleswig-Holsteinischen Höfebank, Kiel, erworben und im Zusammenhang mit der Heimstätte Schleswig-Holstein zu Wohnungen umgebaut. Dann kamen die ersten Siedler: Deutsche aus den abgetrennten Ostgebieten, die nicht für Polen optiert hatten und ihre Heimat verlassen mussten. Sie führten in der damals recht trostlosen Gegend ein karges Leben. Beschäftigungsmöglichkeiten gab es außer in der Landwirtschaft und in den Baumschulen nicht. Die Verkehrsverhältnisse waren denkbar schlecht, ebenso der Kontakt zu den Bewohnern der Altgemeinde.

Der Bau weiterer 34 Ein- und Zweifamilienhäuser erfolgte 1933/34 in der heutigen Jahnstraße. Es entstand die Erwerbslosensiedlung, der 1936 die Seefahrersiedlung mit 55 Häusern folgte. Abgerundet wurde die Bautätigkeit mit der Gerlachschen Siedlung (Kapitänssiedlung), bestehend aus 19 Backsteinhäusern. Und als dann 1939 erneut Krieg ausbrach und die Bautätigkeit lähmte, standen bereits 250 Gebäude in der Siedlung Schenefeld. Nach der Währungsreform 1948 wurde die weitere Bebauung zunächst zögernd, dann aber in vollem Umfang fortgesetzt. Einzelhäuser, Wohnblocks, Schulen, Ladenzeilen und Fabriken entstanden.

Aber auch die großen Munitionslagerhäuser mit den hohen Rampen wurden hervorragend renoviert. Aus der einstigen Munitionsfabrik ist eine großflächig angelegte, mustergültige Siedlung geworden, die allmählich mit der Altgemeinde zusammenwächst.