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Pinneberg Neues Konzept für Kindergarten

Von Julian Willuhn | 17.01.2013, 01:14 Uhr

Seit 1982 heißt das Schlüsselwort bei der Lebenshilfe Kreis Pinnberg "Integration" für Menschen mit Behinderung.

Der heilpädagogische Sonderkindergarten in Appen-Etz bot in diesem Jahr erstmals gemeinsame Spielgruppen für Kinder mit und ohne Behinderung an. 1987 gründete die Organisation dann den Nachbarschaftskindergarten Wittekstraße in Pinneberg. "Wir wollten mitten in die Kreisstadt", erzählt Leiter Hartmut Brodersen. Kinder mit Behinderung sollten ganz normal in ihrem Stadtteil betreut werden. Ganz egal wie schwer die Beeinträchtigung ist - in der Wittekstraße war und ist jeder willkommen. Wer direkt vor Ort in den Kindergarten geht, der kann sich auch leichter in der Freizeit mit neuen Freunden verabreden. Seit 25 Jahren werden nun alle Kinder gemeinsam in den Räumen der Lebenshilfe betreut. Spielen miteinander. Lernen voneinander.

Brodersen ist stolz auf das, was in den letzten Jahrzehnten erreicht wurde. Doch er sagt auch: "Das was gut ist, kann immer noch verbessert werden." Nach der "Integration" heißt das Stichwort jetzt "Inklusion". Was ist Inklusion? Eine Gruppe von Menschen darf nicht einfach nur bei der Mehrheit "mitmachen", sondern ist ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft. Es gibt keine Unterscheidung zwischen Behinderung und Nichtbehinderung, sondern nur noch Kinder, die alle ihre persönlichen Bedürfnisse haben. "Die Herausforderung für die Gesellschaft ist es, keine Gruppen mehr zu bilden", so Brodersen. Deutschland hat sich mit der Unterzeichnung einer entsprechenden UN-Konvention 2006 diesem Ziel verpflichtet. Im Kindergarten in der Wittekstraße bedeutet das für den Kindergarten-Leiter: "Jeder kann kommen, egal ob mit Behinderung oder ohne."

Ein langfristiges und schwierig zu erreichendes Projekt, für dessen Umsetzung Brodersen konkrete Pläne hat. Im Moment werden 22 Kinder in der Wittekstraße betreut. Elf davon leben mit einer Behinderung. Brodersen will nun die Gesamtzahl der Plätz auf 30 erweitern und gleichzeitig den Anteil von Kindern ohne Behinderung erhöhen - am Ende soll es zwei Integrationsgruppen mit jeweils elf Kindern ohne und vier Kindern mit Behinderung geben. "Das ist ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Inklusion", erklärt Brodersen . "Wenn sie über den Pinneberger Marktplatz laufen, haben dort auch nicht die Hälfte der Menschen eine Behinderung." Mit der neuen Aufteilung wolle man eine realistischere Abbildung der Gesamtgesellschaft erreichen und gleichzeitig mehr Kindern die Erfahrung des gegenseitigen Umgangs ermöglichen. Bis 2004 arbeitete der Kindergarten schon einmal mit zwei Integrationsgruppen. Weil mehr heilpädagogische Plätze benötigt wurden, wandelte man eine der gemischten Gruppen um. Jetzt hat sich die Situation geändert. "Durch ambulante Betreuung konnten wir viele Kinder mit Behinderung aus dem Kreis in Regelkindergärten integrieren,", sagt Brodersen. Die Rückkehr zu zwei Integrationsgruppen sei daher nun ein gutes Modell auf dem Weg zum "Kindergarten für alle."