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Kollision an Bahnübergang in Garding Nach Tod des kleinen Matteos: Mutter appelliert an Deutsche Bahn

Von vogeld | 28.06.2015, 17:50 Uhr

Ihr fünfjähriger Sohn starb im Mai, als ihr Auto in Garding mit einem Zug kollidierte. Jetzt fordert Maria Plichta aus Halstenbek Schranken für jeden Bahnübergang.

Ihre Mutter ist seit einer Woche bei ihr. Hilft, wo sie kann. „Große Unterstützung bekommen wir aus meiner Hamburger Gemeinde, der evangelischen Freikirche Torstraße. Mitglieder kochen, helfen uns bei der Betreuung und bei der Gartenarbeit.“ Die zweijährige Elena schläft gerade. Mittagsruhe in ihrem Kinderzimmer im Obergeschoss.

„Am Steuer des Unglückswagens saß mein Vater“, sagt Plichta mit fester Stimme. „Matteo saß im Kindersitz. Vorn auf dem Beifahrersitz. Meine Mutter, Elena und ich auf der Rückbank. Anders hätten wir zu Fünft einfach nicht ins Auto gepasst.“ Der Ehemann ist zu Hause geblieben, konnte nicht mit. Die Arbeit. „Sonst wären wir mit zwei Autos gefahren.“


Hallo Mäuschen, oh sorry, du wolltest ja nie „Mäuschen“ genannt werden, sondern lieber „Schatz“ oder „Steppke“! Also dann: Hallo, mein Schatz! Nun fehlst du uns schon zwei unendlich lange Wochen, und du würdest kaum glauben, was hier alles in der Zwischenzeit passiert ist!? Mal abgesehen davon, dass ich endlich aus dem Krankenhaus nach Hause durfte (meine Beine würdest du momentan lieben, sie haben deine Lieblingsfarben: Lila und Blau!), ist eine ganze Menge geschehen, was unser aller Leben ganz schön verändert hat. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll?! Na gut, beginnen wir mal mit dem Positiven: Ja, Elena geht's super, du musst dir keine Sorgen um sie machen! Ich kenne dich ja als großen Bruder, und die Sorge um deine kleine Schwester – auch wenn ihr euch gerne öfter mal gezankt habt, und sie natürlich IMMER schuld war ... Sie hat bei dem Unfall wirklich nur einen kleinen Kratzer auf der Stirn abbekommen, bei dem sogar schon der Schorf abgeht. Ich habe ihr gesagt, dass du jetzt ganz weit oben, hinter den Flugzeugen bist, hinter den Wolken, und zu uns runter winkst. Daraufhin winkte sie nach oben und sagte: „Hallo Matteo! Matteo Fuudzeud?!“ Ich fürchte ein bisschen, dass sie jetzt das nächste Mal, wenn sie nen Flieger besteigt, zuerst nach dir Ausschau hält ...     

Mama (auf Kuschelentzug)_____________________________________________________

„Der Zugführer gab zweimal ein Warnsignal. Wir haben es nicht gehört.“ Beim Zusammenprall, auf der Seite von Matteo, wurde der Wagen meterweit mitgeschleift, landete schließlich auf dem Dach in einem Graben. „Als ich aufwachte, spürte ich, ich komme nicht raus“, erinnert sich Plichta genau. Der Gurt saß fest. Ihr 66-jähriger Vater war am Kopf schwer verletzt und blutete. „Ich hätte nicht gedacht, ihn jemals lebendig wieder vor mir zu sehen.“

Um 18.45 Uhr, im Krankenhaus, spricht sie mit einer Seelsorgerin. Und ruft ihren Mann an. Der ahnte sofort: Es ist etwas Schlimmes passiert. Maria Plichta erinnert sich: „Ich konnte es ihm nicht am Telefon sagen und bat ihn, in die Westküstenklinik nach Heide zu fahren.“ Sie sagte ihm: „Pack’ für alle.“

Das Defizit hat das Leben ihres Sohnes Matteo gekostet. Maria Plichta hat einen „Brief an ihren toten Sohn“ geschrieben. Mit ihrem Mann überlegt sie, ob der Grabstein wie ein Legostein aussehen könnte. „Damit hat Matteo immer so gern gespielt.“