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Kreis Pinneberg Maisanbau verdrängt Eule

Von caw | 17.01.2013, 01:14 Uhr

Dem Steinkauz geht es richtig gut, während die Bruten der Schleiereulen an einer Hand abzuzählen sind.

Auf diesen Nenner lässt sich der aktuelle Eulenbestand im Kreis Pinneberg bringen. Die vom Landesverband Eulenschutz nachgewiesenen Steinkauz-Bruten verdoppelten sich fast - allerdings auf niedrigem Niveau. Während 2011 kreisweit gerade einmal sechs Bruten gezählt wurden, stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf immerhin elf an. Die Zahl der ausgeflogenen Jungvögel kletterte von 18 Tieren im Jahr 2011 auf 32 Jungkäuze im Jahr 2012.

Der kleine Vogel mit dem bräunlichen, weiß gefleckten Gefieder, den strahlend gelben Augen und dem sich ständig wiederholenden "Guuuhk-Ruf" ist kaum größer als eine Amsel und damit deutlich kleiner als seine großen Verwandten Waldkauz und Schleiereule. Der Steinkauz liebt den Dorfrandbereich, benötigt geräumige Bruthöhlen, extensiv bewirtschaftete Flächen mit ganzjährig kurzer Vegetation, eingestreuten großen Bäumen und Viehbeweidung. Er ernährt sich hauptsächlich von Kleinsäugern, Insekten und Regenwürmern. Früher gehörte der Kauz in den Dörfern der weitläufigen Krückau- und Pinnauniederungen wie selbstverständlich zum Alltag der Landwirte, heute ist er in einigen Regionen völlig verschwunden. Als "Steinkauzdörfer" dürfen sich hingegen Bokel und Brande-Hörnerkirchen bezeichnen. In beiden Gemeinden zählten die Eulenschützer jeweils vier Bruten.

Noch mehr als der Steinkauz sei die Schleiereule von einer neuen Gefahr bedroht, betont Dirk-Peter Meckel, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands Eulenschutz in Schleswig-Holstein. "Große Sorgen bereitet uns der zunehmende Grünlandumbruch mit der einhergehenden Vergrößerung der Maisanbauflächen zur Biogaserzeugung." Dadurch verringere sich der Anteil der für die Nahrungssuche der Eulen so wichtigen Dauergrünlandfläche, auf denen sich Feldmäuse zu Hause fühlen. Wenn dann noch ein eisiger und schneereicher Winter hinzu komme, werde es eng für diese Eulenart und sie wandere aus.

Die taubengroße Eule mit ihrer charakteristischen herzförmigen Gesichtsmaske ist ein Kulturfolger, der sich eng an menschliche Siedlungen angeschlossen hat. Scheunen und Kirchtürme dienen ihr als Schlaf- und Nistplatz. Offenes Kulturland mit ganzjährig kurzer Vegetation ist ihr bevorzugtes Jagdgebiet.

Gerade einmal fünf Bruten konnten die Eulenschützer für 2012 im Kreis Pinneberg nachweisen. Eine mehr als 2011. Zehn Jungeulen wurden statistisch erfasst. Landesweit gingen die Schleiereulenbruten von 143 auf 122 zurück. Die Zahl der Jungvögel sank von 433 auf 399. Im Kreis Pinneberg finden sich einzelne Schleiereulen-Vorkommen in Raa-Besenbek, Groß Offenseth, Seestermühe, Hemdingen und Holm.