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Rellingen Kühlraum zum Honigschleudern

Von vogeld | 20.02.2019, 16:00 Uhr

Friedhofschef stellt Pinneberger Imkerverein von 1920 ehemalige Leichenhalle zur Verfügung / Ab Sommer eigenes Logo für Honiggläser

Der Rellinger Friedhof als Wohlfühloase für die Bienen: Seit 2017 sind im hinteren Teil nahe der Blumenwiese – mit einem bunten Gemisch aus Klee, Buchweizen, Malven und Sonnenblumen – sieben Bienenstöcke installiert. Infotafeln und ein Bienenschaukasten am Glockenturm mitten auf dem Friedhof weisen darauf hin, dass der historische Friedhof an der Hamburger Straße im wahrsten Sinne des Wortes zum Raum fürs Schwärmen wird. Neuester Coup: Friedhofschef Arne Meyer-Ebeling öffnet die verwaisten Pforten des ehemaligen Kühlhauses der Leichenhalle für den Pinneberger Imkerverein von 1920 – als künftiger Ort zum sogenannten Schleudern, Sieben und Rühren der Honigmasse.

Rolf Schreur, Vereinsmitglied seit 2004 und Vorsitzender seit drei Jahren, ist ganz aus dem Häuschen. Besser hätten er und seine Kollegen es mit dem Honig-Schleuderraum nicht treffen können. Schreur schwärmt: „Der gekachelte Raum erfüllt alle Hygieneansprüche. Dort können wir einen Tisch, einen Werkstattschrank sowie Erntegeräte wie Ständer zur Öffnung der Waben problemlos aufstellen.“ Und, ganz wichtig, die zahlreichen Jung-Imker im Verein unter professionellen Bedingungen betreuen.

Seit 2017 hat sich die Bienenpopulation entwickelt. Elf Bienenvölker werden zurzeit betreut. Meyer-Ebeling spricht gar von einer „Invasion auf die Pflanzen“. Mit dem Ergebnis: Allein 2018 wurden laut Schreur insgesamt etwa 40 Kilogramm Honig geerntet. Logische Konsequenz: „Ab 2019 gibt es nach der ersten Ernte am ersten Juni-Wochenende die Bienenhoniggläser mit einem eigenen Friedhofs-Logo.“

Das Thema Bienen-Sterben ist in aller Munde. Deshalb wundert es nicht, dass beispielsweise die Sparkasse Südholstein mit ihrem Programm „Wir bewegen Schleswig-Holstein“ Fördergelder zur Anschaffung von Honigschleudern auslobt. Der Imkerverein, das versichert Schreur, werde sich darauf bewerben.


57 Mitglieder und zahlreiche Schul-AGs57 Mitglieder sind mittlerweile im Imkerverein aktiv. Hinzu kommen zahlreiche Schul-AGs, die das Thema „Betreuung von Bienenvölkern“ in den Unterricht integrieren. „Wir möchten Menschen für das Thema sensibilisieren“, betonte Meyer-Ebeling bereits im vorigen Jahr. Es sei auch eine Ablenkung vom Thema Tod. „Das Erleben und Wahrnehmen tritt kurzzeitig in den Vordergrund“, sagt der Friedhofsverwalter. Weitere Projekte seien in Planung. Er denkt dabei bereits laut über Angebote für Kinder nach.

Alle sind sich einig: Ohne Bestäubung der Pflanzen durch Insekten beim Pollensammeln sinken die Erträge der Landwirtschaft dramatisch ab. Die fleißigen Bienen, Wildbienen und Hummeln auf dem Rellinger Friedhof sorgen dafür, dass bei einem Sammelradius von knapp drei Kilometern die Pflanzen angeflogen werden.