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Quickborner Tageblatt Investor muss nachbessern

Von cel | 23.09.2018, 16:00 Uhr

Große Vorbehalte gegen Neubaugebiet Birkenallee bei betroffenen Anwohnern / Erste Forderung nach Reduzierung der Wohneinheiten

Die Anwohner der Danziger Straße laufen Sturm gegen die Pläne eines Quickborner Bauunternehmens, auf einem 1,7 Hektar großen Grundstück zwischen Birkenallee und Harksheider Weg ein neues Quartier mit Eigentums- und Mietwohnungen, Reihen- und Doppelhäusern zu errichten. Während einer Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses monierten sie eine Wertminderung ihrer Grundstücke, an deren hinterer Grenze das Neubaugebiet beginnt, kritisierten Verschattung, Verlust der Privatsphäre durch die starke Nachverdichtung und mehr Verkehr in den Wohnstraßen des Gebiets. Weil es auch in der Politik Vorbehalte gegen Teile der Planung gibt, wird der Investor jetzt erneut nachbessern.

101 Wohneinheiten, davon 16 mit sozialverträglichen Mieten, acht Reihen- und ein Doppelhaus, elf Stadtvillen mit bis zu drei Geschossen und einer Firsthöhe von 14 Metern, eine Kindertagesstätte, 72 Stellplätze in einer Tiefgarage und 72 oberirdisch – das ehemals landwirtschaftlich genutzte Gelände wird ähnlich gestaltet wie bereits der Gertrudenhof. Dagegen regte sich schon nach Bekanntwerden der Pläne im Frühling Widerstand. Das Bauunternehmen Schaffarzyk besserte nach, reduzierte die Zahl der Wohneinheiten auf 97, die Firsthöhe einiger Mehrfamilienhäuser auf elf Meter und die Zahl ihrer Vollgeschosse auf zwei. Zudem wurde ein Mehrfamilienhaus gedreht und das Blockheizkraftwerk verschoben.

Den Skeptikern reichen diese Zugeständnisse noch nicht. Er habe vor allem Probleme mit dem Haus Nummer elf, sagte Grünen-Ratsherr Dirk Salewsky. Die wuchtige Stadtvilla mit Staffelgeschoss ist das erste Mehrfamilienhaus nach einigen Reihenhäusern, das direkt an die Reihenhausgrundstücke der Anlieger Danziger Straße stößt. Auch Salewsky sieht die Gefahr einer Verschattung durch das Gebäude und bekam Rückendeckung von den Liberalen. FDP-Vorsitzende Friederike Rübhausen (Foto) möchte die Zahl der Geschosse im gesamten Gebiet auf zwei begrenzen. „Wir wollen außerdem einige der Wohnblocks durch Reihenhäuser ersetzen“, sagte sie und forderte, die bestehende Infrastruktur stärker zu berücksichtigen. „Was auf dem Grundstück neu gebaut wird, muss damit in Einklang stehen.“

Der Sozialdemokrat Wolfgang Tröger (Foto) forderte darüber hinaus Nachbesserungen bei der Zahl der Wohnungen mit einer günstigeren Miete. „Wir möchten, dass 30 Prozent der Wohnungen in dem Gebiet sozialverträglich vermietet werden. Bislang sind es 17 Prozent“, sagte er.

Immer wieder tauchte im Laufe der Diskussion im Ausschuss die Frage auf, warum die Stadt die Planungen für eine Mehrfamilienhaussiedlung am Ortsrand und in einem Gebiet zulässt, das von Einzel- und Reihenhäusern geprägt wird. Dabei erinnerten die Bürger die Verwaltung an die ursprüngliche Idee, das Neubaugebiet entsprechend zu gestalten. In eindringlichen Appellen forderten sie Stadt und Politik auf, die Interessen der alteingesessenen Quickborner und vor allem die der unmittelbar Betroffenen stärker in die Planungen einzubeziehen. Aufgabe des Investors ist es nun, die Einwände und Bedenken mit seinen eigenen wirtschaftlichen Interessen in Einklang zu bringen und eine neue Planung vorzulegen.

In jedem Fall braucht er das Einverständnis der Politik, die der Aufstellung eines Bebauungsplanes zustimmen muss. Und das wird nicht zuletzt davon abhängen, ob die Fraktionen das Modell einer Miet-Kindertagesstätte mittragen. Schaffarzyk plant in dem Gebiet eine Betreuungseinrichtung, die er zunächst auf bis zu 15 Jahre an die Stadt vermieten will. Während die Verwaltung das Modell grundsätzlich begrüßt, gibt es aus der Politik Bedenken. Die SPD etwa verweigert bislang ihre Zustimmung, weil die Mietkosten noch nicht beziffert wurden. Die FDP lehnt eine Kita in dem Gebiet wegen nach Ansicht der Partei fehlenden Bedarfs komplett ab.