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10 Jahre Torensch Alle Beiträge aus der Geburtstagsserie

Von shz.de | 02.09.2015, 13:40 Uhr

An dieser Stelle finden Sie noch einmal alle Beiträge, die im Zuge unserer Geburtstagsserie zu zehn Jahren Stadtrecht Tornesch erschienen sind.

 

Zehn Jahre Stadt

Tornesch feiert Geburtstag

Meinung – Monika Zinke
Zehn Jahre Stadtrecht und 20 Jahre Stadtwerke – gleich zwei Gründe, um zu feiern. Und das taten die Tornescher gestern dann auch ausgiebig auf dem Gelände rund ums Rathaus. Bis zu 5000 Besucher kamen in die Wittstocker Straße. Nach der Eröffnung durch Bürgermeister Roland Krügel (CDU) um 11 Uhr konnte gespielt, geguckt und geschlemmt werden. Institutionen, Vereine und Verbände waren mit Ständen vertreten. Durch das Programm führte Büchereileiter Michael Harbeck.

Auf der großen Bühne gab es Musik ganz unterschiedlicher Art. Da wurde schon mal im Takt mitgewippt, wie beim Auftritt des kenianischen Trommlers Izo, der seit eineinhalb Jahren in Deutschland lebt. Am Abend sollten dann noch Ex-DSDS-Teilnehmerin Vanessa und „Schmitz Katze“ auf der Bühne auftreten.

Viel Applaus gab es für die Jugendlichen aus der polnischen Partnerstadt Strzelce Krajenskie. Das Ensemble „Lemko Tower“ erfreute mit Volksweisen. Auch Gäste aus der dänischen Partnerkommune Jammerbugt und von der Partnerfeuerwehr waren angereist. Besonders viel war für Kinder im Angebot. Großen Andrang gab es etwa an den sogenannten Luftspielgeräten. Viel Spaß hatten die jungen Besucher bei Wahrnehmungsspielen am Stand des Wabe-Kindergartens. 20 Behälter waren mit ganz unterschiedlichen Dingen gefüllt. Ganz unterschiedlich fielen die Reaktionen der Kinder auf die einzelnen Materialien aus: Julian ließ sich unerschrocken durch den Parcours führen. Kronkorken, Federn, Sand, Mehl, Linsen, Tannenzapfen, Korken und Strohhalme – alles kein Problem. Nur die Sägespäne wollte der knapp Zweijährige schnell wieder abstreifen, und die Watte war ihm unheimlich.

Dem dreijährigen Johannes hatte es die Warnkelle der Feuerwehr angetan. Damit fühlte er sich offenbar als richtiger Feuerwehrmann. Für ganz Unerschrockene bot die Wehr einen Ausflug in luftige Höhen an. Ausreichend gesichert ging es 32 Meter mit dem Teleskopmast hinaus. Denise Lüdemann aus Tornesch wagte es und war begeistert: „Das war das Highlight heute. Ich hätte nicht gedacht, dass Tornesch so grün ist.“

Seit fast 30 Jahren verfolgt der Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann (SPD) die Entwicklung der Stadt: „Sie hat sich zu einem attraktiven Wohn- und Arbeitsort entwickelt und ist eine der schnell wachsenden Städte des Kreises.“
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Neue Serie: Zehn Jahre Stadtrechte Tornesch

Vom „Urdorf“ zur Gemeinde

Meinung – Bastian Fröhlig
Während der offiziellen Feierstunde am Sonnabend und mit einem großen Stadtfest am Sonntag feierte die Stadt Tornesch die Verleihung der Stadtrechte vor zehn Jahren. Die Geschichte reicht aber bis ins fünfte Jahrhundert zurück. Das Dorf Esingen gilt als das „Urdorf“, aus dem 1930 die Gemeinde Tornesch hervorging, die 2005 zur Stadt wurde. Der Ortschronist Christian Wegener (1879 bis 1970) schätzte, dass Esingen bereits im fünften Jahrhundert gegründet wurde. Die Endung „-ingen“ spreche für eine Gründung in der vorsächsischen Zeit. Von diesen seien nur diejenigen erhalten geblieben, die schwer zugänglich waren: Hetlingen, Hemdingen, Stellingen und Esingen.

Während heute die Nähe zu Hamburg, die Autobahn 23 und die Nahverkehrsanbindung an die Hansestadt wichtige Wirtschaftsfaktoren sind, war die Pinnau als Verkehrsweg ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und sorgte zudem mit ihrem Fischbestand für die Versorgung der Bevölkerung. Der Wald und die angrenzenden Moorgebiete sollen die Rohstoffe für den Hausbau, Feuer und Viehstreu geliefert haben. Zudem erwies sich das höher gelegene Geestland mit seinen sandigen Böden als ideales Ackerland, das mit dem Holzpflug bearbeitet wurde.

Erstmals schriftlich erwähnt wurde Esingen erst Ende des 13. Jahrhunderts. Annette Schlappkohl vermutet in der Gemeindechronik (siehe Infobox), dass im achten Jahrhundert vier bis sechs Höfe existiert haben sollen. Die sogenannten Urhöfe sollen sich im Bereich Halloh/Riedweg befunden haben. Außer Viehzucht stand der Ackerbau im Fokus.



Mit der Verbreitung des christlichen Glaubens – die für Esingen zuständige Kirche in Rellingen wurde erstmals 1266 erwähnt – wurde auch Esingen erstmals urkundlich erwähnt. In einer Schenkung an das Uetersener Nonnenkloster wurde das damalige Dorf am 10.      Februar 1285 erstmals genannt. „Die Schenkungen an die Klöster dieses Zeitalters sind vor dem Hintergrund der Seelenrettung zu sehen. Es herrschte der Glaube vor, dass man sich vor der Hölle durch mildtätige Stiftungen bewahren könne. Das Kloster Uetersen Uetersen konnte in diesen Jahren seinen Grundbesitz erheblich erweitern“, analysierte Annette Schlappkohl.

Die Bauern des Dorfes wurden in der lateinisch verfassten Schenkungsurkunde „colonos“ genannt. Sie waren freie Zinsleute, die zu Abgaben und Diensten an ihren Grundherren verpflichtet waren. Zu diesem ernannte Heinrich von Barmstede die Grafen von Holstein, Adolf V. und Johann II., die etwa 1273 bei der ersten Landesteilung der Grafschaft Holstein fast ganz Storman erhalten hatten – darunter Barmstedt und das Kirchspiel Rellingen, zu dem Esingen zählte. 1588 erstellte der Maler Daniel Frese eine Landtafel, auf der Esingen – unter dem Namen „Esens“ – erstmals kartografisch erfasst wurde. Die fünf Meter breite und viereinhalb Meter Hohe Landtafel wird noch heute im Schloss Bückeburg aufbewahrt. Die Bevölkerungszahl Esingens stieg stetig an. 1774 sollen es 430, 1841 839 und 1867 bereits 971 Einwohner gegeben haben.

Der Wandel von der Landwirtschaft zu Handwerk und Gewerbe vollzog sich langsam. Königliche Konstitutionen schützten die Rechte der Handwerker in den Städten. Um die Städte in der Geest wurden im Radius von drei Meilen nur eine bestimmte Anzahl von Landhandwerkern zugelassen: ein Rademacher, ein Grobschmied, ein Schneider und ein Schuster. Diese durften ihre Erzeugnisse allerdings nicht in den Städten verkaufen.

Zwei Wirte und eine Hebamme

Laut der Volkszählung 1803 wurden ein Schmiedebetrieb und eine Zimmerei in Esingen betrieben. Bei der Volkszählung 1835 war ein Dachdecker, ein Leineweber, ein Grützmacher und ein Hausschlachter hinzugekommen. Ahrenlohe, das im 17. Jahrhundert gegründet wurde, verfügte 1841 über zwei Wirte, eine Hebamme, einen Schmied, einen Schuster, einen Tischler und drei Weber.

Bis 1860 verdreifachte sich die Zahl der Handwerksbetriebe. In diesem Jahr erhielt der Grützmachergeselle Claus Groth vom königlichen Ministerium in Kopenhagen die Konzession für eine Grützmacherei für den Mehl- und Schrothandel. Dafür musste Groth jährlich zwölf Reichstaler zahlen. Das Unternehmen wurde 1862 an der heutigen Pinneberger Straße aufgebaut.

Ab 1865 durften die Mühlenprodukte landesweit verkauft werden. Mehl und Schrot durften weiterhin nur in der Bauernvogtei Esingen geliefert werden. Mit 10,50 Mark war Groth 1881 der wichtigste Gewerbesteuerzahler der Gemeinde. Doch das war erst der Beginn der wirtschaftlichen Entwicklung der Urgemeinde Esingen. In der kommenden Woche lesen Sie: „Die Eisenbahn kommt: Was ändert sich dadurch?“
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Serie: Zehn Jahre Stadt Tornesch

Tempo 30 auf der Schiene

Meinung – Bastian Fröhlig
Gerade einmal sieben Stationen umfasste die 1844 geplante einspurige Bahnlinie Altona-Kiel, die unter Ausschluss Hamburgs die Nordsee über die Elbe mit der Ostsee verbinden sollte: Pinneberg, Elmshorn, Horst, Wirst, Neumünster, Bordesholm und auch Tornesch. Bau und Unterhalt der Strecke wurden von der „Altona-Kieler Eisenbahngesellschaft“, die privat geführt wurde, finanziert. Um das notwendige Geld einzunehmen, wurden für die „König Christian VIII. Nordostseebahn“ Aktien ausgegeben, die vor allem von vermögenden Privatpersonen gekauft wurden.

Zunächst sollte auch Esingen an die Strecke angebunden werden. Der Bahnhof sollte auf der Flur „Borsel“ in Höhe der heutigen Kaffeetwiete entstehen – in unmittelbarer Nähe zum Dorfkern. Die Pläne „wurden wegen des Widerstands der Einwohner verworfen“, schreibt Annette Schlappkohl in der Chronik „Die Geschichte der Ortsteile Ahrenlohe, Esingen und Tornesch von den Anfängen bis heute“. Sie vermutet, dass die Bürger fürchteten, dass die Ruhe im Dorf gestört werde.

Jürgen Siemsen (1811 bis 1870) stellte Land für den Bau des Bahnhofsgebäudes zur Verfügung. Als Gegenleistung erhielt er die „Kruggerechtigkeit“ – heute würde es Schankerlaubnis heißen – in der zukünftigen Bahnhofsgaststätte. Sein Bruder führte später eine Wirtschaft in der so genannten Eisenbahnhall – Standort des späteren Bahnhofhotels.

Gastarbeiter aus Ostpreußen, Schlesien und dem Königreich Hannover wurden – bei geringem Lohn – für den Bau beschäftigt, aber auch die lokalen Landwirte und Gewerke kamen zum Einsatz. So sollen bauern aus der Vogtei Esingen bei Fuhrdiensten geholfen haben. In den Wischbeken am Esinger Wohld enstand eine große Handsägerei, um die Bahnschwellen zu bearbeiten. Zudem wurden die Laschen und Nägel zur Befestigung der Schwellen lokal gefertigt.

Beförderung ohne festen Fahrplan

Offiziell wurde die Bahnstrecke am Geburtstag des dänischen Königs am 18. September 1844 eingeweiht. Die Auslastung war noch sehr überschaubar mit zwei Personenzügen und einem „Güterzug mit Personenbeförderung ohne festen Fahrplan“ pro Richtung. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 45 Kilometer pro Stunde. Bei Dunkelheit durften die Züge sogar nur 30 Kilometer pro Stunde fahren. Die S-Bahnen, die auf den Linien S1 und S3 zum Einsatz kommen, erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde. Die ab 2016 geplanten neuen S-Bahnen des Herstellers „Bombardier Transportation“ sollen sogar 140 Kilometer pro Stunde erreichen. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit moderner Regionalzüge beträgt 70 bis 90 Kilometer pro Stunde.

Mit der Bahn hielten auch neue Berufe Einzug in der Stadt. An vier Punkten, an denen Straßen und Wege die Strecke kreuzten, wurden Schrankenwärter eingesetzt, die zunächst eine Kette und später Schranken bedienten. Die „Buden“ waren der Dienstsitz der Schrankenwärter. Von Prisdorf aus kommende, waren diese am alten Hasweg (heute Pinneberger Straße), am Kreyhorn, am Großen Moorweg und am heutigen Gärtnerweg. An den beiden letztgenannten wurden 1845 zwei Wohnhäuser für die vier Bahnwächter errichtet. Die Ankunft eines Zuges wurde zunächst mit dem Hochziehen eines Korbes angekündigt. Mit der Erfindung des Telegraphen wurde das Vorgehen elektrisch gelöst.
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Serie: Zehn Jahre Stadt Tornesch

Steigende Pendlerströme und Wirtschaftswachstum nach dem Zweiten Weltkrieg

Meinung – Bastian Fröhlig
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Tornesch aufgrund der guten Verkehrsanbindung durch die Bahnlinie sowie die Autobahn ein rasantes Wachstum. In den ersten Nachkriegsjahren war es für kleine Selbstständige noch sehr schwer, sich in Tornesch anzusiedeln. So berichtet Annette Schlapkohl in ihrer Chronik: „Der Antragsweg war über die gemeindliche Gewerbekommission zu nehmen.

So wurde im Juli 1948 noch ein Antragssteller, der sich als Schneidermeister niederlassen wollte, abgelehnt mit der Begründung: Bei seinem Alter von 35 Jahren könne er Arbeit als Schneidermeister in einem Hamburger Geschäft finden. Auch ein Antrag auf Herstellung von Hummerfanggeräten wurde abgelehnt.“ Zwei Monate später wurden beide Anträge bewilligt, da durch die inzwischen durchgeführte Währungsreform jede Art von Gewerbeeinnahmen für die knappe Gemeindekasse benötigt wurden.

1955 wurde die Tonrnia Papierfabrik, 1961 die Altonaer Wellpappenfabrik in Bahnhofsnähe gegründet. Das schon seit 1934 am Bahnhof ansässige Kohlen- und Baustoffgeschäft Wörmcke wurde deutlich erweitert. Zwischen 1970 und 1987 stieg die Anzahl der Arbeitsstätten in Tornesch von 199 auf 294 – die Anzahl der Beschäftigten von 1553 stieg auf 2075. Um den Bedarf an Arbeitskräften in den 1960er- und 1970er-Jahren zu decken, wurden vor allem von der Meldorfer Papier- und Altonaer Wellpappenfabrik ausländische Arbeitskräfte angeworben. Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Brennerei auf dem Gelände des späteren Einkaufszentrums Tornescher Hof diente als Wohnheim für die Gastarbeiter.

„Rasende Emma“ fuhr mehr als 60 Mal pro Tag

Parallel zum wirtschaftlichen und Einwohnerwachstum wurde auch die Verkehrsanbindung stetig erweitert. Die „rasende Emma“ fuhr bis zur Einstellung des Schienenverkehrs und der Verlagerung auf Busse im Jahr 1965 mehr als 60 Mal am Tag die Strecke Tornesch-Uetersen. Auch auf den Straßen war immer mehr los. Am Ortseingang Ahrenloher Straße wurden 1987 pro Tag 12.000 Fahrzeuge gezählt. 1997 waren es bereits 18.000 und fünf Jahre später 20.940. „Der Bahnhof Tornesch ermöglichte in steigendem Maße Pendlerströme Richtung Elmshorn, Pinneberg und Hamburg. Tornesch wurde zunehmend zu einer Wohnstätte von auswärtig Tätigen“, schreibt die Chronistin Schlapkohl.

Die Anforderung an eine Stadt wie ein entsprechendes Verkehrssystem, Ver- und Entsorgungsnetze für Wasser, Abwasser, Strom, Gas, Telekommunikation, Müllentsorgung und wirtschaftliche Voraussetzungen erfüllte Tornesch bereits in den 1990er-Jahren, jedoch wurde der Antrag erst nach der Änderung der Kommunalgesetze gestellt. Das Stadtrecht wurde Tornesch zum 1. Januar 2005 verliehen.
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Serie: Zehn Jahre Stadtrechte Tornesch

Die Braut, die sich nicht traut

Meinung – Lars Zimmermann
Über den Zusammenschluss wurde laut Torneschs Bürgermeister Roland Krügel schon seit Jahrzehnten diskutiert. So nah wie am 22. September 2013 war die Fusion von Tornesch und Uetersen aber noch nie. Die Bürger durften abstimmen, ob sie die „Hochzeit“ der beiden Nachbarstädte wollen. Nach jahrelangen Debatten zwischen Befürwortern und Gegnern folgte der ultimative Showdown – der letztendlich eine klare Sache war.

Damit es tatsächlich zum Zusammenschluss kommt, hätten die Befürworter in beiden Städten eine Mehrheit haben müssen. 86 Prozent der Tornescher stimmten jedoch gegen die Fusion. Dass sich auf Uetersener Seite 56 Prozent für ein „Ja“ entschieden hatte, blieb daher bedeutungslos. Die Wahlbeteiligung war in beiden Städten hoch: In Tornesch gingen 76,9 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne, in Uetersen 64,8 Prozent.

Dabei hatten die Bürger sogar schriftlich, dass sich eine Fusion lohnt. Das Gutachten zur Fusionsprüfung der Städte Uetersen und Tornesch der Rambøll Management Consulting kam zu dem Ergebnis, dass der Zusammenschluss empfehlenswert sei. Eine größere Stadt mit einer größeren Verwaltung könne professioneller arbeiten und noch mehr Serviceleistungen für den Bürger anbieten, erklärte das Unternehmen. Dazu könnten 333.000 bis 354.000 Euro eingespart werden, allerdings nicht sofort, sondern nach und nach beim Ausscheiden von Mitarbeitern. Dazu arbeiteten Mitarbeiter beider Verwaltungen während eines zweijährigen Prozesses Vor- und Nachteile heraus.

Die Tornescher Ablehnung kam allerdings trotz des Gutachtens für niemanden unerwartet. Lediglich das deutliche Ergebnis war überraschend. Denn eins war von vornherein klar: Die Hochzeit der beiden Nachbarkommunen wäre mehr Zweckehe als Liebesheirat gewesen. So wurde beispielsweise eine Informationsveranstaltung von Uetersen im Alleingang organisiert. Nicht unbedingt förderlich für den Fusions-Prozess war sicherlich auch, dass die Tornescher SPD sich kurz zuvor im Kommunal-Wahlkampf eindeutig gegen den Zusammenschluss aussprach und die absolute Mehrheit erzielte. Auch die Sitzungen des gemeinsamen Arbeitskreises mit Vertretern aus beiden Stadträten verliefen längst nicht immer harmonisch.

So standen die Vorzeichen für die Städtehochzeit von vornherein schlecht. Sehr zum Bedauern von Krügel. Der hat sich zwar mit der Entscheidung längst abgefunden, hätte sich jedoch ein anderes Ergebnis gewünscht. Kein Wunder. Er war schließlich von Anfang an einer der treibenden Kräfte und hat Jahrzehnte an der Intensivierung der Beziehungen gearbeitet. In den 1990er-Jahren gab es Gespräche über eine Verwaltungsgemeinschaft. Später wurde der komplette Zusammenschluss vorangetrieben.

„Beiden Städten hätte die Fusion genutzt“, so Krügel. Die Tornescher seien mit der Situation in ihrer Stadt zufrieden gewesen und wären davon ausgegangen, dass sich daran nichts ändert. Uetersen sei aufgrund seiner finanziellen Probleme nur als Klotz am Bein betrachtet worden, glaubt der Bürgermeister. Aus seiner Sicht zu kurz gedacht. Gerade ein Zusammengehen der beiden Rathäuser macht aus seiner Sicht Sinn. „Tornesch hat nicht die optimale Verwaltungsgröße“, so Krügel. Dazu habe eine größere Stadt mehr Einfluss auf Kreis- und Landesebene. Vielleicht hätte er aktiver für die Hochzeit werben sollen, sagt der Bürgermeister heute. Es sei wohlmöglich ein Fehler gewesen, die Debatte weitestgehend der Politik zu überlassen.

Das Thema „Fusion“ ist für ihn ohnehin noch nicht vom Tisch. Er geht zwar nicht davon aus, dass die jetzt handelnden Personen die Diskussion aufgreifen. Doch ganz vom Tisch ist die Hochzeit aus seiner Sicht nicht. Wenn die beiden Kommunen nicht mitspielen, könnte er sich vorstellen, dass irgendwann das Land Tatsachen schafft und der Zusammenschluss von oben vorgeschrieben.

Von Kiel hätte sich der Bürgermeister vor der Abstimmung 2013 mehr Unterstützung gewünscht. Das Land spreche sich zwar für Fusionen aus, habe aber nichts getan, um den Prozess zu fördern. Nach Krügels Auffassung hätte eine Aufstufung zum Mittelzentrum den Befürwortern des Zusammenschlusses helfen können. Dass die Kooperation mit dem Nachbarn funktioniert, zeigen aus Sicht des Rathauschefs Beispiele wie die gemeinsame Volkshochschule oder das Standesamt.

Auch die Parteien gehen davon aus, dass das Thema wieder auf der Tagesordnung landet. „Die Fusion wird kommen“, glaubt der Tornescher CDU-Fraktionsvorsitzende Christopher Radon. Wenn sie nicht von den Städten selbst vollzogen werde, dürfte sie irgendwann von Kiel verordnet werden. Für Radon steht fest: „Wir haben 2013 eine Chance vertan.“ Auch der Tornescher Gunnar Werner (FDP) ist sich sicher: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“ Er bedauere, dass die Fusion 2013 gescheitert sei. Das letzte Wort sei aber nicht gesprochen. Schließlich setze das Land auf größere Verwaltungseinheiten. Torneschs SPD-Chef Manfred Mörker sieht schon allein aufgrund der finanziellen Probleme in Uetersen weiterhin keinen Bedarf für einen Zusammenschluss. „So wie es jetzt ist, kommen wir hervorragend klar“, stellt er die Position der Tornescher Sozialdemokraten heraus. Die befürchten durch eine Fusion mehr Nach- als Vorteile.
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Serie: Zehn Jahre Tornesch

Treffpunkte für alle Generationen

Meinung –
Die Senioren im Pomm 91, die Jugendlichen im JottZett – in Tornesch gibt es für alle Generationen einen Treffpunkt. Das JottZett an der Klaus-Groth-Straße ist inzwischen seit 25 Jahren der Anlaufpunkt für alle Heranwachsenden.

Die große Jubiläumsfeier mit einem „Tag der offenen Tür“ und einem anschließenden Empfang ist für den 14.    November geplant. Dann wird vermutlich auch über die Höhepunkte der vergangenen Jahrzehnte gesprochen. Ein Open-Air-Konzert mit 600 Besuchern 1996, der Bau einer Skateranlage im folgenden Jahr sowie 2000 eine vom Jugendzentrum organisierte Projektwoche für alle Schulen im Ort – das JottZett hat einiges bewegt. Eine der erfolgreichsten JottZett-Veranstaltungen ist die Organisation des Fests zum Weltkindertag, das vor 20 Jahren zum ersten Mal ausgerichtet wurde und regelmäßig mindestens 1500 Besucher anlockt.

Doch es sind nicht nur die besonderen Aktionen, die das Jugendzentrum unverzichtbar machen. Viel wichtiger ist die tägliche Arbeit, die garantiert, dass die Jugendlichen immer einen Platz haben, an dem sie sich aufhalten können. Langeweile kommt dort garantiert nicht auf. Workshops, Discos, Ferienprogramm – im JottZett steht einiges auf dem Programm. Kreativangebote fehlen ebenso wenig wie Ausflüge und Konzerte. Aufgrund der Nachbarschaft zur Klaus-Groth-Schule ist das Jugendzentrum vor allem für alle Schüler der ideale Treffpunkt. Doch JottZett-Leiter Dieter Krüger und sein Team sind nicht nur an der Klaus-Groth-Straße aktiv. „Unsere Arbeit beschränkt sich nicht auf vier Wände, sondern auf die Ortsgrenzen“, sagt er.

In der Einrichtung kümmert sich ein Vierer-Team um die Heranwachsenden zwischen zehn und 21 Jahren. Zwei davon sind neu dabei. Boris Kaufmann und Alexandra Ehlers unterstützen Krüger und Jugendpfleger Marcus Libberts. Insgesamt gehören dem Fachdienst Soziale Dienste derzeit zwölf Mitarbeiter an. Ein deutlicher Hinweis, wie wichtig die Jugendarbeit für Tornesch ist. So erinnert sich Krüger noch an seine Anfänge vor 20    Jahren, als gerade einmal drei Leute den gesamten Bereich abdecken mussten. Nun sind die Voraussetzungen gegeben, um wirklich etwas zu bewegen. „Wir mischen uns in alles ein, was unsere Zielgruppe angeht“, sagt Krüger.



Das Pomm91 ist eine Begegnungsstätte für Alt und Jung. Bis 2012 wurde das Gebäude noch als Altentagesstätte bezeichnet. „Das wurde geändert, weil hier nicht nur für Senioren etwas angeboten wird“, berichtet Ute Leszinski. Die Einrichtung reinigen, Raumbelegung organisieren, bei Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen– Leszinski ist als Hauswartin seit 17 Jahren sozusagen das „Mädchen für alles“. Selbst an Wochenenden ist sie häufig im Einsatz, zum Beispiel, wenn der Verein Tornescher Allerlei (TOALL) kulturelle Veranstaltungen anbietet. Der Verein hatte das Gebäude an der Pommernstraße 91 schon Pomm91 genannt, als es noch Altentagesstätte hieß. Dieser Name wurde dann auch offiziell übernommen.

Die Einrichtung wird aber seit mehr als 30 Jahren vor allem von den älteren Mitbürgern genutzt. Für sie organisieren die Wohlfahrtsverbände AWO, Bund vertriebener Deutscher, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, DRK, Kirche und Sozialverband zahlreiche Freizeitaktivitäten. Gymnastik, Stuhl-Yoga, Spielenachmittage, Treffen von Selbsthilfegruppen – die Auswahl ist groß. Das Angebot wird begeistert genutzt. „Wenn das Pomm91 in den Ferien geschlossen ist, fragen die Senioren immer, wann wir endlich wieder aufmachen“, sagt Leszinski.
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Serie: Zehn Jahre Tornesch

„Mittlerweile suchen Künstler uns“

Meinung – Janina Jankowski
Fragt man Torneschs Bürgermeister Roland Krügel nach dem Kulturangebot in seiner Stadt, fällt zuerst der Name des multikulturellen Vereins Tornescher Allerlei (To All), der regelmäßig Kultur ins Pomm 91 bringt. „Mit ganz viel Liebe“ sei der Verein im Einsatz, so Krügel. Doch auch die Gemeinschaft zur Erhaltung von Kulturgut in Tornesch, die Esinger Liedertafel, der Neon-Kunstdialog, der Tag der Heimat zum Volkstrauertag, die Keramiktage, Konzerte in der Kirche und die Ausstellungen regionaler Künstler im Rathaus bleiben nicht unerwähnt.

„Für mich gehört Kultur zur Daseinsvorsorge. Es ist zwar keine Pflichtaufgabe einer Stadt wie das Vorhalten der Freiwilligen Feuerwehr, aber wenn man möchte, dass Lebensqualität in einer Stadt vorhanden ist, muss man sich Gedanken um die Förderung der Kultur machen.“ Über mangelnde Unterstützung hätte sich noch keiner der Vereine beschwert, so Krügel.

So bunt ist das kulturelle Leben in Tornesch jedoch nicht immer gewesen. To All sei beispielsweise 1991 gegründet worden, da viele Tornesch als „kulturelle Wüste“ empfunden hätten. Doch als es die Stadtrechte vor zehn Jahren gab, feierte To All schon Erfolge.

„Als sich der Verein 1991 gründete, habe ich gedacht: Das ist Schwachsinn“, erinnert sich der heutige Vereinsvorsitzende Hanfried Kimstädt (66), der vom Bürgermeister als Kulturbeauftragter der Stadt bezeichnet wird. Die Gründungsmitglieder hätten das kulturelle Angebot der Großgemeinde Tornesch bereichern wollen. „Es gab eigentlich nichts, nur ein paar plattdeutsche Veranstaltungen. Man fuhr für die Kultur nach Hamburg“, so Kimstädt, der 1997 in den Verein eintrat und mittlerweile seit 1999 die Vereinsgeschicke leitet.

Bei To All lief nicht von Anfang an alles rund. Über die Gründungsmitglieder sagt Kimstädt: „Die haben eine ziemliche Durststrecke mitgemacht. Die Veranstaltungen waren nicht so gut besucht.“ Am Anfang habe Hausgemachtes auf dem Programm gestanden. „Sie haben jemanden gesucht, der Märchen vorlesen oder auf seiner Geige rumkratzen konnte“, sagt er. Flops gab es auch in der späteren Vereinsgeschichte immer mal wieder, wie Kimstädt zugibt. Ganze acht Gäste seien beispielsweise zu einem hebräischen Liederabend gekommen. Die Künstler hätten nur einen Tag später in Meldorf den kompletten Dom gefüllt. Das ist zwölf Jahre her. Richtig bekannt geworden sei To All 1997 mit dem ersten Tornesch Open Air, so Festival-Initiator Kimstädt.

„Mittlerweile suchen nicht mehr wir die Künstler. Die Künstler suchen uns – aus Deutschland und vor allem den baltischen Staaten. Wir könnten hier jede Woche eine Veranstaltung bieten. Doch dafür haben wir nicht genug Aktive“, sagt Kimstädt.

Die Kabarettisten Alma Hoppe oder Hans Scheibner standen bereits auf der Vereins-Bühne im Pomm 91. Die Pianistin Michi Komoto wird im kommenden Jahr bereits zum zwölften Mal auftreten. „Almost Pop“ war schon zweimal hier. Alles Anlässe, bei denen „die Bude auch gerammelt voll ist“, berichtet Kimstädt. Ebenso beim jährlichen Fest mit Live-Musik zum St. Patricks Day. Bis zu 200 Zuschauer finden dann im Saal Platz. Ansonsten seien im Schnitt 60 bis 70 Zuschauer pro Veranstaltung dabei. Auch hinter dem Tornescher Kulturtag, der jährlich veranstaltet werde, steckt der Verein.

Einmal im Monat eine Bühne bieten

16 aktive der 66 Mitglieder helfen mit, wenn es etwa einmal im Monat darum geht, die Bühne für die Künstler fit zu machen, den Saal zu bestuhlen, zu kassieren, Getränke auszuschenken oder an Länderabenden für ein paar dutzend Menschen zu kochen.

Der selbstständige Mediendesigner Kimstädt steckt Leidenschaft in die Vereinsarbeit. Zukünftig möchte er den kulturellen Austausch innerhalb Torneschs Städtepartnerschaften stärker fördern. Gleichzeitig setzt er sich für die räumliche Optimierung des 1982 gebauten Pomm 91 ein. So stamme die Beleuchtung „aus der Steinzeit“, wie er sagt. Scheinwerfer habe die Stadt auf Bitten hin angeschafft. Lichtorgien könne man damit jedoch nicht feiern. Vor zwei Jahren habe eine Lichtarchitektin ein Konzept erstellt, dass aufgrund von Geldmangel seitens der Stadt seither auf Eis liege. Das als Altentagesstätte konzipierte Gebäude habe zudem keine Garderobenräume für die Künstler. Und auch die Stühle vor und nach jeder Veranstaltung mangels Lagerfläche von und auf die Bühne zu räumen, sei nicht optimal. Auch wenn es Unterstützung der Stadt gebe, bemängelt Kimstädt: „Die Relation der Ausgaben der Stadt stimmt nicht. Kultur kommt dabei zu kurz.“

Der Verein finanziert sich über Mitgliedsbeiträge, Sponsoren, Eintrittsgelder und Zuschüsse des Kreises Die Stadt füllt die Lücken. „Die Stadt übernimmt Ausfallbürgschaften von zirka 1000 Euro jährlich“, so Kimstädt. „Das Konzept funktioniert. Wir kommen gut über die Runden.“
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