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Italiens schönste Seite: Cinque Terre : Paradies mit Aussicht für Wanderer

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kulturlandschaft Cinque Terre an der ligurischen Mittelmeerküste ist längst kein Geheimtipp mehr – und das ist manchmal ein Problem

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2017 | 12:15 Uhr

Neulich in Flensburg: Ein Kind malt in einem Gartenprojekt einen Baum mit roten Früchtchen. Es wird gefragt, was das sei. Ein Baum mit Erdbeeren, sagt es, und die Erwachsenen lachen. Doch den Erdbeerbaum gibt es! Der Arbutus unedo – unedo heißt übersetzt aus Plinius’ Zeiten: „eine esse ich“, weil die Frucht doch nicht so doll schmeckt – ist ein Erikagewächs, und es kommt unter anderem in den Cinque Terre vor. Der Erdbeerbaum ist dort in guter Gesellschaft von Stein- und Korkeichen, Aleppokiefern und Pinien. Eingewandert sind Agave und Feigenkaktus. Charakteristisch in den Cinque Terre sind die Weinterrassen und Olivenhaine.

Diese „fünf Länder“ oder „Orte“ sind von West nach Ost Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore. Sie schmiegen sich ein in die Felsen der Mittelmeerküste. Zusammen mit Portovenere im Osten Liguriens und den drei Inseln Palmaria, Tino und Tinetto wurden sie vor 20 Jahren zum Weltkulturerbe der Unesco erklärt. Damit würdigte die Organisation eine wertvolle Kulturlandschaft, die der Mensch im Laufe eines Jahrtausends geschaffen habe in Harmonie mit der Natur.

Die Besonderheit der Region erfährt der Besucher schon buchstäblich bei der empfohlenen Anreise mit der Bahn. Riomaggiore etwa, der östlichste und wahrscheinlich älteste Ort der fünf (wohl um 800 von Griechen gegründet), beginnt mit einem Tunnel. Wer am Bahnhof aus dem Zug steigt, muss zunächst ein paar Minuten durch die mit Mosaiken gestaltete Röhre hindurchgehen und gelangt sogleich ins Herz der Ortschaft.

Am Ende geht’s nach links in die zentrale ansteigende Via Colombo, die gesäumt ist von Lebensmittelläden, Restaurants, Bars und Cafés. Oder aber der Ankömmling nimmt geradeaus Treppen und Kurven und landet am Hafen. Hier pulsiert immer das Leben, ob in den Lokalen, auf der Mole oder steinigen Plattformen. Folgt man Wegen und Stufen noch weiter nach Osten, erreicht man sogar eine kleine geschützte Bucht mit einem Badestrand voller vom Meer und von der Witterung geschliffener Steine. Weit oben in der riesigen Rückwand der Badebucht befinden sich ausgesparte Bögen des Eisenbahntunnels.

Ins benachbarte Manarola kann man auch wandern – am schönsten natürlich auf der Via dell’ Amore. Doch es gibt ein Problem: Seit im September vor fünf Jahren Steine ins Rutschen und dabei Touristen zu Schaden kamen, ist der malerische Küstenweg reparaturbedürftig und gesperrt. Für unbestimmte Zeit.

Weit dramatischer war ein anderes Naturereignis. Vor sechs Jahren Ende Oktober wälzte sich eine Flutwelle über die Cinque Terre. Vor allem die Häuser und Häfen von Vernazza und Monterosso wurden schwer beschädigt. Dass solche Überschwemmungen wiederkehren können, weiß auch Catherina Unger. „Die Regenfälle werden immer extremer, das Territorium ist nun einmal sehr steil“, sagt sie und hofft, dass der neue Katastrophenschutz, der seit 2011 optimiert werde, Schlimmeres verhindere.

Catherina Unger ist Fotografin und engagiert sich mit ihrem Reiseunternehmen für nachhaltigen Tourismus. Die gebürtige Deutsche ist zudem Gründungsmitglied der Fondazione Manarola. Der Erdrutsch sei ein Auslöser für die Gründung der Stiftung drei Jahre später gewesen, sagt sie. „Gut erhaltenes und bewirtschaftetes Land mit intakten Trockenmauern führt auch bei Starkregen zu weniger Erdrutschen als verbuschtes Land mit eingebrochenen Trockenmauern“, erklärt Unger. Manarola liege in einem „Amphitheater“ und sei umgeben von steilen Hängen. Die wichtigste Aufgabe sei somit, die Trockenmauern – nach der traditionellen Methode – wiederherzustellen und die Felder zu säubern. Die Form als Stiftung erlaube, Spenden zu bekommen und Freiwillige einzusetzen. Seit Beginn des Projekts haben sogar zwölf Flüchtlinge mitgearbeitet, im Moment sind zwei junge Männer aus Gambia halbtags auf den Terrassen beschäftigt.

Wiederhergestellte Weinberge sind auch für den Tourismus attraktiver. Während in den 1920er Jahren die Reblaus die Weinernte vernichtete und die Winzer vertrieb, war in der Nachkriegszeit die Aussicht auf ein moderneres Leben in den Städten verantwortlich für den Bevölkerungsschwund und die Aufgabe der Weinberge. Die Trockenmauern zerfielen, die Terrassen verwilderten.

Mit Hilfe des Nationalparks, der 1999 ausgeschrieben wurde und von Montenero bis Punta Mesco reicht, sollen das Territorium erhalten und die Touristen gelenkt werden. Durch die Cinque-Terre-Card wird Geld durch den Tourismus erwirtschaftet, ein Teil wird wiederum in Agrarprojekte investiert. Landwirtschaft und Tourismus seien eigentlich „zwei verschiedene Welten“, sagt Luca Natale vom Nationalpark, doch sie gehörten zugleich zusammen. Bis zu drei Millionen Menschen besuchen die Region jedes Jahr, vier von fünf Touristen kommen aus dem Ausland. Das Thema Ökologie, Naturschutz und sanfter Tourismus in der Cinque Terre hat es sogar auf die Agenda deutscher Veranstalter von Bildungsurlauben geschafft. Luca Natale und Catherina Unger sind sich darin einig, dass sie sich Besucher wünschen, die Zeit mitbringen und nicht nur für einen Tag kommen. „Die wahre Seele dieser Landschaft lernt man in dieser Kürze nicht kennen“, sagt Unger und wünscht sich, dass die Touristen die Region auf den Wanderwegen erkunden und die Weine lokaler Winzer probieren.

Die Krönung aller Wanderwege ist die Tour von Riomaggiore nach Portovenere, die wirklich alles bietet – auch manche Herausforderung, wenn es steile Treppen abwärts geht oder schroffes Gestein hinauf. Nicht jeder Abschnitt über die zwölf Kilometer und 550 Höhenmeter ist befestigt.

Doch die Aussichten über die Felsen und Weinberge hinaus aufs Meer und die Einkehr zum Beispiel bei Colle del Telegrafo belohnen den tapferen Wanderer. Von März bis bis Ende September reicht die Saison, wegen der Regenfälle schließen einige Wanderwege ab Mitte Oktober. Dann wieder im Dezember und Januar lässt sich in Manarola die größte Weihnachtskrippe der Welt bewundern, die auf einem Hügel aufgebaut ist.

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