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Ratzeburg : „Paradebeispiel für Fehlplanung“: Neue Bushaltestellen – ohne Bus

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Über 10.000 Euro haben die modernen Bushaltestellen in Ratzeburg gekostet. Ein Bus hat hier noch nie gehalten.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2015 | 13:50 Uhr

Ratzeburg | Die drei Bushaltestellen an der Ratzeburger Gemeinschaftsschule in der Riemannstraße sind wahre Vorzeigeobjekte: Die Wartehäuschen sind ganz im modernen Stil aus Glas und Stahl gebaut. Für die Barrierefreiheit wurde extra ein Bürgersteig auf einer Fläche von 300 Quadratmetern angehoben und neu gepflastert. Abgeschlossen wurde das Projekt durch eine 50 Meter lange Stützmauer, die hinter den Bushaltestellen verläuft.

Aber auch eineinhalb Jahre nach der Fertigstellung hat an den Bushaltestellen noch kein einziger Bus gehalten, berichten die Lübecker Nachrichten. Das Hindernis: Die Straße vor den Bushaltestellen ist zu schmal für den Begegnungsverkehr von Bussen. Insgesamt 10.000 Euro hat das Projekt gekostet.

Die Meinungen über den Fall in Ratzeburg gehen auseinander: Der Bürgermeister, Rainer Voß, sagte gegenüber den Lübecker Nachrichten, dass er es alles halb so schlimm finde. Der Steuerzahlerbund hingegen wird deutlich und spricht von einem „Paradebeispiel für Fehlplanung“.

Wie konnte das passieren? Ein Blick zurück: Als die Schülerzahlen an der ehemaligen Grundschule durch eine Erweiterung zur Gemeinschaftsschule steigen, entsteht die Idee, auch die Bussituation vor der Schule zu verbessern. Die Ratzeburger Verwaltung will schnell handeln und ignoriert dabei die Bedenken aus Gründen der Verkehrssicherheit von Seiten der Polizei und Verkehrsaufsicht.

Bereits bei mehreren Ortsterminen hatten diese die schlechte Verkehrssituation angemerkt und keine Genehmigung für die Buswartehäuschen erteilt. Doch statt sich zunächst dem Verkehrsproblem zu widmen, werden die Bushaltestellen 2014 von der Ratzeburger Verwaltung errichtet – ohne Genehmigung.

„Der Straßenbaulastträger braucht keine Genehmigung vom Kreis, um Buswartehäuschen aufzustellen“, sagt Kreissprecherin Anne Schetelich gegenüber den Lübecker Nachrichten. Um jedoch auch Busse auf der Straße vor den Haltestellen fahren lassen zu dürfen, bedarf es einer verkehrlichen Anordnung des Kreises. Doch genau diese könne nach dem jetzigen Stand keineswegs erteilt werden.

Bürgermeister Voß will weiter für seine Buswartehäuschen kämpfen. Er spricht von „temporären Einfahrverboten“. Seine Idee: Man könne große Verkehrslenktafeln aufstellen, die je nach Situation anzeigen würden, ob die Straße frei sei oder nicht. Zusätzlich prüfe man derzeit, die Riemannstraße zur Einbahnstraße zu machen. Das Warten auf den Bus geht also erstmal weiter.

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