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Ostholsteiner Anzeiger

25. November 2017 | 01:01 Uhr

Zwischen Zuversicht und Skepsis

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Aufstiegstour: Besuch beim FC Eintracht Northeim, der in diesem Jahr den 25. Vereinsgeburtstag feiert und am Sonntag das Auftaktspiel bei Eutin 08 bestreitet

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2017 | 19:35 Uhr

Ein Auto mit OH-Kennzeichen fällt kurz vor Göttingen auf, zumal wenn es mit Hinweisen auf den Ostholsteiner Anzeiger beklebt ist. „Willkommen in Northeim, ich freue mich über Besuch aus dem schönsten Bundesland der Welt“, sagt der erste Northeimer, dem ich auf dem Parkplatz am Gustav-Wegner-Sportplatz begegne. Torsten Ernst ist Torwarttrainer beim Vizemeister der Fußball-Oberliga Niedersachsen, der am Sonntag um 15 Uhr im Fritz-Latendorf-Stadion bei Eutin 08 das Auftaktspiel zur Aufstiegsrunde in die Regionalliga Nord bestreitet. Ich bin auf Aufstiegstour gegangen und habe die drei Gegner FC Eintracht Northeim, Bremer SV und Altona 93 bei Heimspielen besucht.

„Ostholstein, genauer die Insel Fehmarn, ist meine zweite Heimat“, stellt Ernst fest. Der FC Eintracht Northeim hat schon vor dem Spiel gegen den Turnerbund Uphusen, der am Saisonende als Tabellen-Dreizehnter absteigt, die Vizemeisterschaft in der Tasche. Aus Niedersachsen steigt Meister SSV Jeddeloh direkt auf, der Tabellenzweite geht in die Aufstiegsrunde.

„Das ist etwas Positives, das ist eine Sache, die hat es hier noch nicht gegeben, es hat hier noch keine Herrenmannschaft in der Relegation für die Regionalliga gestanden“, stellt Eintracht-Trainer Malte Fröhlich beim Gespräch fest, das Stadionsprecher Moritz Braukmüller mit ihm und Gästetrainer Benedetto Muzzicato nach dem Schlusspfiff vor der Haupt-Tribüne führt: „Du kriegst drei Spiele geschenkt, darfst dich dreimal mit Mannschaften messen, die in ihren Ligen Meister geworden sind.“

Northeim liegt in Süd-Niedersachsen, in der Nähe von Einbeck, Osterode und Göttingen, ist Sitz des Landkreises Northeim und hat knapp 30  000 Einwohner. Das Gustav-Wegner-Stadion bietet Platz  für rund 4000 Zuschauer, es wurde 1932 erbaut und nach dem Leichtathleten Gustav Wegner benannt, der 1934 Europameister im Stabhochsprung war. Die Sportanlage umfasst zwei Rasenspielfelder und als jüngste Errungenschaft einen Kunstrasenplatz. „Wir haben den Kunstrasenplatz vor einem Jahr gebaut und wir haben gesagt, dass ich von dem Geld, das in dem Budget übrig bleibt, eine neue Anzeigetafel bekomme“, sagt Moritz Braukmüller – und hebt eine zeitungsseitengroße Kunststofftafel hoch.

Braukmüller hat am Spielfeldrand ein kleines Moderatorenstudio aufgebaut, mit zwei Mini-Flutlichtmasten, einem Tipp-Kick-Spieler und einem Assistenten, der vor dem Anpfiff und nach dem Spiel dafür sorgt, dass die Fans, die zu Hause geblieben sind, live auf Facebook mit Kurzinterviews und aktuellen Informationen versorgt werden. In der Halbzeitpause gibt es ein Lattenschießen, bei dem Braukmüller gegen einen Zuschauer antritt, er schießt von der Strafraumgrenze, der Zuschauer vom Elfmeterpunkt. Einen Treffer verbucht, wer die Querlatte trifft.

Thorsten Haselhorst ist eingefleischter Eintrachtfan und beurteilt die Aufstiegschancen skeptisch, denn zuletzt hat die Eintracht ein wenig geschwächelt. Und auch gegen den TB Uphusen läuft es nicht rund. Das Spiel schleppt sich dahin, Northeim gewinnt schließlich 1:0 durch einen Treffer in der Nachspielzeit, den Melvin Zimmermann erzielt, der Ball klatscht gegen den Innenpfosten und findet von dort den Weg ins Netz. Das beste  Saisonspiel hat die Eintracht gegen den SSV Jeddeloh am 13. November beim 4:1(1:0)-Sieg hingelegt. „Das Spiel haben  wir hier zu Hause haushoch gewonnen, Jeddeloh hatte überhaupt keine Chance das Spiel zu gewinnen“, schwärmt Haselhorst. Sein Lieblingsspieler steht im Tor: „Jannik Strüber hat immer die richtige Einstellung, er will immer gewinnen und äußert auch mal seinen Unmut, wenn es in der Mannschaft nicht läuft.“ Die letzten Spiele haben den Fan aber nachdenklich gestimmt: „Vor acht Wochen hätte ich gesagt, dass Eintracht Northeim auf jeden Fall aufsteigt, heute würde ich sagen: Es wäre möglich.“ Zu unbeständig seien die Leistungen, die die Mannschaft in den vergangenen Wochen gezeigt habe.

Der Sprung in die Regionalliga  Nord  würde dem FC Eintracht gut ins Jubiläumsjahr passen, denn der Verein ist 1992 aus dem Zusammenschluss von Spiel und Sport „SuS“ Northeim, dem Verein für Bewegungsspiele „VfB“ Northeim und dem Sultmershagener Fussballclub entstanden.  Der Vereins-Geburtstag datiert zwar vom 1. April, aber auch nachträglich lässt es sich ja bekanntlich gut feiern. In absehbarer Zeit soll das Sportheim von Grund auf saniert werden. Ein Neubau sei nicht möglich, sagt Tim Schwabe, der sich als organisatorischer Leiter um den Fußballnachwuchs kümmert, denn die Anlage stehe in einem Landschaftsschutzgebiet.

Während im Stadion um Punkte gespielt wird, sitzen zwei Mütter ein wenig abseits, sie beschäftigen sich mit ihren kleinen Kindern. Natürlich ist der Ball dabei, und natürlich tragen die Steppkes das gelb-rot-gestreifte Eintracht-Northeim-Trikot. Die Beiden gehen auf Entdeckungstour und erobern den Kunstrasen, immer in Sichtweite der Mamis.

Auf der Northeimer Trainerbank geht es deutlich weniger entspannt zu. Den Verantwortlichen gefällt die Vorstellung des FC Eintracht und die Leistung des Schiedsrichters überhaupt nicht, wie deutlich zu hören ist. Nach dem Abpfiff ist Malte Fröhlich wieder gelassen und gibt geduldig Antworten auf Moritz Braukmüllers Fragen: „Heute hat hundertprozentig das glücklichere Team gewonnen.“ Er hatte sich mit dem 0:0 schon abgefunden, das Thema sei durch gewesen. „Wir haben im Umschaltspiel nicht das umsetzen können, was wir uns vorgenommen haben.“

Sein Ziel: Er will mit seinen Spielern stabil in die Relegationsspiele gehen. Am morgigen Sonntag ab 15 Uhr haben die Northeimer die Gelegenheit, zu zeigen, welche Rolle sie im Kampf um den Aufstieg in die Regionalliga spielen können.

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