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Bürgermeisterwahl in Eutin : Zwischen Zaudern und Zocken

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die beiden Bürgermeisterkandidaten Carsten Behnk und Regina Poersch traten in der in der OHA-Redaktion zum spielerischen Duell an.

Sie überlegt, wägt ab, geht lieber auf Nummer sicher. Er ist der risikobereite Spieler, der sich die Hände reibt, wenn ihm ein Spielzug schnell glückt ist.

Kurz vor der Wahl wollte die OHA-Redaktion die beiden Bürgermeisterkandidaten noch mal von einer anderen Seite kennen lernen. Die Idee: Beide spielen Jenga, das Spiel mit den Holzklötzen, die herausgezogen werden sollen, ohne den Turm zu Fall zu bringen. Für Regina Poersch (46, SPD) war es Premiere, Carsten Behnk (48) kannte es noch aus Spielrunden mit der Familie.

Wie lief der Wahlkampf bisher? Die ersten Steine lassen sich noch leicht entfernen – bis Carsten Behnk den Großteil des Turmes auf einen wackeligen Fuß stellt. „Bisher hatten wir eigentlich einen ganz fairen Wahlkampf, Herr Behnk“. Beide lachen. „Ich habe festgestellt, dass die Menschen sehr vergrätzt sind über die Art der Stadtsanierung und wie darüber kommuniziert wird“, antwortet Behnk auf die Frage. „Man muss aber auch sagen: Es hat noch nie eine Stadtvertretung gegeben, die in so kurzer Zeit so viele Millionen und so viel Erde bewegt hat. Da muss man manche Knoten durchschlagen und da ist vermutlich auch die ein oder andere Erklärung auf der Strecke geblieben“, entgegnet Poersch. Doch es habe aber schon merkliche Verbesserungen gegeben. Die Menschen wollten viel mehr teilhaben als vorher.

„Ich habe diejenigen, die sich ganz engagiert gezeigt haben, immer versucht, zum Mitmachen zu animieren“, berichtet Behnk von seinen Gesprächen auf dem Wochenmarkt. Schließlich suchten alle Fraktionen Nachwuchs. Waren Sie je in einer Partei, Herr Behnk? „Nein, das wollte ich nie. Mit der Entscheidung für die Arbeit bei der Verwaltung habe ich entschlossen, dass dies in der überparteilichen Wahrnehmung einfacher ist.“ Behnk betont, dass er der CDU nicht zugelaufen sei, sondern „sie riefen mich an“.

Die SPD-Kandidatin kontert: „Wer überparteilich ist, kann auch als Einzelbewerber antreten. Wenn Sie sich von der CDU unterstützen lassen, stehen da auch Inhalte hinter.“ Doch diese Wirkung nach außen bestreitet Behnk: „Die Menschen verstehen, dass man eine Fraktion benötigt, um sich für das Amt zu bewerben. Und die CDU hat keine Bedingungen gestellt.“

Weshalb soll es denn eigentlich das Bürgermeisteramt in Eutin sein? Schließlich haben beide keine schlechten Jobs – sie als Landtagsabgeordnete, er als Geschäftsführer der Kulturstiftungen Ostholstein. „Ich hänge an dieser Stadt wie an keiner anderen. Ich kann mir nicht vorstellen, einfach nur irgendwo einen Job zu machen als Bürgermeisterin“, betont Poersch. Sie sei mehrfach aus der Region gefragt worden, ob sie als Bürgermeisterin kandidieren wolle, doch für sie sei nur Eutin in Frage gekommen. Für Behnk passt es nach eigener Aussage „jetzt gut in die Lebensplanung“. Behnk: „Eutin ist unser Lebensmittelpunkt, wir wollen auch gern hier bleiben. Damals habe ich überlegt, dass es, wenn Schulz bis 65 macht, ganz gut passen könnte. Meine jüngste Tochter wurde letztes Jahr 18. Unsere Kinder brauchen mich jetzt nicht mehr rund um die Uhr“, sagt der Groß Meinsdorfer. Er sei hier gut vernetzt, noch besser in Süsel, was zur Verwaltungsgemeinschaft gehört, und sehe dem Wahlsonntag positiv entgegen.

Was machen Sie, wenn es nicht mit dem Bürgermeisteramt klappt? Behnk: „Ich gehe fest davon aus, dass ich Bürgermeister werde. So oder so gehe ich Dienstag wieder ins Büro. Montag habe ich noch frei, und ab Dienstag mache ich entweder wieder meine Arbeit oder suche einen Nachfolger. Aber ich habe richtig Lust, den Bürgermeister in Eutin zu machen.“

Regina Poersch ist bis Mai 2017 Landtagsabgeordnete. „Ich werde dann mit den Ortsvereinen besprechen, wie es weitergeht, ob sie mich noch mal aufstellen.“ Ist Europa eine Option? „Nein. Meine Arbeit im Ausschuss der Regionen mache ich gern, die Verbindung zum Landtag an der Stelle ist auch optimal. Aber bestenfalls möchte ich als Bürgermeisterin in Eutin Impulse setzen, Initiative ergreifen und hoffentlich das Leben der Menschen ein Stück besser machen“, sagt Poersch.

Der Turm steht nun auf sehr wackligen „Füßen“ – jeder Zug kann der letzte sein. Behnk ist an der Reihe, er zieht das Jackett aus. Das Rausziehen des Steines gelingt, das Drauflegen bringt den Turm zum Einstürzen. Krach. Steine poltern. Das Jackett wird wieder angezogen. Regina Poersch ist sichtlich erleichtert, dass es nicht ihr Zug war. Zeit für die beiden letzten Themen: Parkraumbewirtschaftung in der Innenstadt und Schulwegsicherung. Behnk: „Es wird ein anstrengendes Jahr. Mitarbeiter und Anwohner müssen mit ausreichend Parkraum versorgt werden. Es kann nicht sein, dass Menschen, die hier arbeiten, nicht mehr in die Stadt kommen.“ Doch die Entscheidung über die Parkraumbewirtschaftung zur LGS ist im jüngsten Hauptausschuss gefallen (wir berichteten). Spannender findet Poersch die Sicht der Eutiner auf den einstigen Parkplatz am Schloss als Veranstaltungsfläche. „Kein Parkplatz an der Stelle nach der LGS, das ist undenkbar, aber ich glaube, wir müssen die Fläche auch multifunktional sehen. Wie sie sich als Veranstaltungsort eignet, werden wir sehen.“

Zum geplanten Verkehrsversuch nach der LGS gehen die Meinungen deutlicher auseinander. Behnk hält den Zeitraum rund um das Weihnachtsgeschäft für nicht glücklich gewählt und zu lang. „Erst müssen die Rahmenbedingungen stimmen, bevor man so etwas testet.“ Aus seiner Perspektive sei das untersuchte Raster zu klein gefasst. „Der Hochkamp oder die Plumpstraße hätten mit untersucht werden müssen. Dort wird sich der Verkehr für die Berufsschule verdichten“, so Behnk. Poersch sieht im Versuch eine Chance: „Dafür haben sich SPD und CDU ja gemeinsam ausgesprochen. Langfristig muss das Ziel aber sein, ein vernünftiges Parkleitsystem zu bekommen, das bestenfalls eine Beschilderung zu Sehenswürdigkeiten und Einkaufsmöglichkeiten beinhaltet, damit Besucher Eutins gezielter gelenkt werden.“

Bei der Schulwegsicherung vertreten beide die Position ihrer Parteien. Während Regina Poersch die Elisabethstraße besonders an der Kreuzung Albert-Mahlstedt-Straße trotz anders lautender Gutachten von Kreis und Polizei für „eine gefährliche Straße“ hält („Ich habe da so meine Schwierigkeiten mit der Drei-Feld-Sporthalle an dem Ort“), sieht Behnk das Problem des Schulweges nicht: „Die Schüler kommen hin und wieder nach Hause, nur dazwischen, wenn der Weg zum Sport führt, soll er gefährlich sein?“

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erstellt am 25.Feb.2016 | 19:03 Uhr

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