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Ostholsteiner Anzeiger

22. November 2017 | 00:28 Uhr

EUTIN : Zwischen Lehrstunde und Kirmes

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Mittelalter-Markt „Vielerley Feierey“ spannte am Wochenende den Bogen von Schwertkampf bis Krimi-Literatur.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 06:00 Uhr

Der Name war Programm: Viel gefeiert wurde bei „Vielerley Feierey“ am vergangenen Wochenende. Nach einem komplett verregneten Sonnabend machte der Sonntag seinem Namen alle Ehre. Und die Besucher kamen in Scharen, um Schwertkämpfe, bunt kostümierte Darsteller oder auch historisches Handwerk bei dem Mittelaltermarkt zwischen Stadtbucht, Kreisbibliothek und Schlossgarten zu sehen.

Eine „Zeitreise durch die 1000-jährige Geschichte Eutins“ versprach Veranstalter und Tourismus-Chef Per Köster von der Bühne herab. Fahrendes Volk, Schwert- und Degenkämpfer, aber auch die gute, alte Postkutsche gab es zu bestaunen. „Ich bin überglücklich, dass so viele Besucher gekommen sind“, sagte Köster gestern Nachmittag. Während am Sonnabend aufgrund des Dauerregens nur rund 1700 Menschen zur Feierey pilgerten, rechnete Köster gestern mit rund 10  000 Besuchern. Seit seiner Premiere 2007 hatte das Fest mit 20  000 Gästen 2013 seinen Höhepunkt in Sachen Resonanz erfahren.

Bürgermeister Carsten Behnk, der gestern durch die Reihen der Zelte und Buden schlenderte, zeigte sich „erfreut, dass das Fest so gut besucht ist. Es scheint ein Erfolg zu sein“.

Als weniger erfolgreich schätze Köster indes die „Bücherey“-Premiere ein. In den Schlossterrassen stellten Autoren und Verlage ihre Bücher aus. Die stündlichen Lesungen hätten nicht so richtig funktioniert, so Köster, der das Konzept dahingehend für die nächste Auflage der Feierey 2019 anpassen möchte. Dennoch zeigten sich die dortigen Aussteller zufrieden. „Ich würde vorschlagen, dass sich beim nächsten Mal wieder Verlage hier präsentieren können“, sagte Claudia Gromann vom Hamburger Acabus-Verlag. Die Mischung von Drinnen- und Draußenangeboten sei gut.

Während die Händler meist im Trockenen gesessen hatten, waren die Böden ob des starken Regens kräftig durchgeweicht – nicht unbedingt zum Vorteil für Rasen und Co. Im Schlossgarten stapften die Besucher durch weichen Untergrund zum Mittelalterlager. Dort hatte auch Kolja Köster zusammen mit rund einem Dutzend anderer Enthusiasten seine Zelte aufgeschlagen. „Viele Menschen haben kein Verständnis mehr für diese Zeit“, sagt der Software-Enmtwickler aus Verden (Niedersachsen). In Kleidung nach historischem Vorbild zeigen Köster und seine Mitstreiter nicht nur Leben wie Annodazumal, sondern auch Waffen nach Originalvorlagen. Abstriche werden indes schon gemacht. „Wir graben keine Latrinen, benutzen Zahnbürsten und verwenden Zeltbahnen mit Kunstfasern, damit uns die Dinger nicht vergammeln“, sagt Köster. Die Darstellung von Mittelalter sei eben eine Gratwanderung.

Wirklichkeitsnah sei die Feierey nicht, sagte Peter Dechow aus Neustadt. Der Familienvater lobte zwar das bunte Treiben rund um Schloss und Co., vermisste jedoch Authentizität, sprich andere Facetten des Mittelalters. Aber wie sollte ein „realistischer“ Mittelaltermarkt aussehen? Dechow zuckte mit den Schultern. Die negativen Seiten wie Krankheiten, Kriege und Co. müssten dargestellt werden, sagte Dechow. Aber wäre das noch Unterhaltung? Genau dafür scheint es diese Märkte zu geben. Das war eben keine Geschichtsstunde, sondern „Vielerley Feierey“.

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