Sozialer Tag : Zwischen Kinderarbeit und guter Tat

34050538
1 von 3

Kieler Hinweise zum Sozialen Tag verunsichern ostholsteiner Unternehmen. Am Donnerstag startet die Neuauflage der Hilfsaktion.

shz.de von
30. Juni 2014, 10:57 Uhr

„Wir hätten den Sozialen Tag gerne unterstützt. Aber wenn wir keine Unterstützung von Ministerin Wende bekommen, ziehe ich daraus die
Konsequenzen“, sagt Andreas Booke. Der Geschäftsleiter der LMK-Einkaufswelt in Eutin hat jetzt im Vorfeld des Sozialen Tags am 3. Juli Absagen geschrieben. Nur drei Bewerber sind älter als 14 Jahre und können in diesem Jahr noch für den guten Zweck mitarbeiten – alle anderen dürfen wegen des fehlenden Versicherungsschutzes nicht mehr mitmachen. Etwa zwölf Schüler hatten bisher jedes Jahr bei LMK geholfen, Kartons auszupacken, Ware einzuräumen oder Etiketten mit Preisen auszuzeichnen, so Booke.

LMK ist kein Einzelfall. Auch andere Betriebe in Ostholstein hat ein Schreiben aus dem Kieler Bildungsministerium verunsichert. Denn das Ministerium verweist im Rahmen des Sozialen Tags auf das Jugendarbeitsschutzgesetz. Und das besagt, dass Kindern unter 14 Jahren eine Arbeit „außerhalb des Haushalts der Erziehungsberichtigten“ verboten ist.

Wird da der Soziale Tag mit Kinderarbeit gleichgesetzt? Ein klares Nein kommt vom federführenden Verein „Schüler Helfen Leben“. Im Vordergrund stehe nicht das Jobben, sondern der pädagogisch-soziale Zweck der Aktion, sagt Pressesprecher Jan-Nicholas Vogt. Die Macher hinter der wohltätigen Schüler-Aktion teilen damit die Auffassung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und fordern deshalb auch ein klärendes Signal aus Kiel zu ihrer Aktion. Denn in anderen Bundesländern sei das Jugendarbeitsschutzgesetz kein Problem, so Vogt. „Am Sozialen Tag werden nur leichte Arbeiten von den Schülern verrichtet“, sagt Vogt und betont, dass das Ganze freiwillig und mit Einwillligung der Eltern geschehe. Diese müssen nämlich eine Arbeitsvereinbarung unterschreiben.

Begründet wird der Kieler Hinweis mit „versicherungsrechtlichen Erwägungen“. „Was dahinter steckt, wissen wir nicht“, sagt Vogt. In den vergangenen Jahren habe es keine Problemfälle gegeben, die an den Verein herangetragen wurden. Bisher haben sich 662 Schulen angemeldet, aus Schleswig-Holstein machen 282 mit. Am Sozialen Tag teilnehmen können Schüler jeder Altersstufe und Schulform. Vom Unterricht freigestellt sind auch die acht Schüler, die am Donnerstag im DRK-Pflegezentrum den Bewohnern vorlesen oder mit ihnen Spiele spielen. „Wir machen das wie immer“, sagt Petra Krabbemeyer, Leiterin der Sozialbetreuung, die betont, dass die Aktivitäten der Elf- bis 15-Jährigen unter Aufsicht und auf zwei Stunden beschränkt stattfinden. „Die Bewohner begrüßen den Besuch der Schüler sehr“, sagt Krabbemeyer. Von der Aufregung rund um die verdeckte „Kinderarbeit“ habe sie gehört, aber die Teilnahme am Sozialen Tag sei obligatorisch, da das DRK immer mitgemacht habe, so Krabbemeyer.

Bei LMK herrscht weiter Unverständnis über den Kieler Hinweis. Denn: „Wenn die Schüler Zuhause Rasenmähen sollen, müssen die mehr machen als am Sozialen Tag“, sagt Andreas Booke.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen