Eutin : Zwischen Gottvertrauen und Leichtsinn

Gefahr erkannt? Mit bangem Blick blickt diese Frau nach oben, um das beschädigte Kirchendach in Augenschein zu nehmen, nachdem sie sich an der Absperrung vorbeigedrückt hat.
Gefahr erkannt? Mit bangem Blick blickt diese Frau nach oben, um das beschädigte Kirchendach in Augenschein zu nehmen, nachdem sie sich an der Absperrung vorbeigedrückt hat.

Passanten brachten sich am Wochenende an der St.-Michaelis-Kirche in Gefahr, nachdem der Sturm dort Dachziegel heruntergeweht hatte.

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17. März 2014, 17:19 Uhr

Eutin | Am Sonnabendmorgen klingelte bei Küster Detlef Kähler frühmorgens um 6.40 Uhr das Telefon. Es war die Polizei. Der Sturm, der am Sonnabend über Schleswig-Holstein hinwegbrauste, hatte dem Kirchendach schwer zugesetzt. An die 40 Dachziegel hatten die Böen auf der Marktseite der St.-Michaelis-Kirche aus ihrer Verankerung gerissen und auf den Vorplatz geschleudert.

Kähler wurde sofort aktiv, räumte die zerschlagenen Ziegel beiseite und sperrte den Vorplatz der Kirche mit Flatterband ab, damit niemand durch weitere herabfallende Ziegel zu Schaden käme. Denn die Ziegel seien bis über den Sandweg hinaus geflogen. Doch die Maßnahme hatte so gut wie keinen Erfolg. Etliche Passanten liefen tauchten unter dem Flatterband hindurch oder zwängten sich durch den Rinnstein laufend an der Absperrung vorbei, um zum Markt zu gelangen. Kähler reagierte erneut und verteilte die zuvor eingesammelten Scherben der Ziegel erneut auf dem Vorplatz, um die drohende Gefahr deutlich zu machen. doch auch das half nur begrenzt.

Nun machte zwar der eine oder andere einen großen Bogen um die Gefahrenzone, andere aber zeigten sich unbeeindruckt. „Ich dachte, die Absperrung ist nur für Autos“, sagte der eine, und der andere zeigte sich schicksalsergeben: „Hier bei der Kirche wird der liebe Gott schon aufpassen“, bekam Kähler zu hören, als er die Passanten ansprach. „So viel Gottvertrauen freut uns natürlich“, sagt Kähler, mahnt aber: „Großer Leichtsinn darf nicht über Gottvertrauen stehen.“ Von Gottvertrauen seien vor allem Ältere gesegnet gewesen, hat Kähler beobachtet. Eine Bogen hätten eher die jüngeren Leute gemacht.

Inzwischen ist der Schaden schon wieder behoben. Noch am Sonnabendnachmittag waren die Dachdecker zur Stelle, um die schadhaften Stellen auszubessern. Das geht übrigens ohne Gerüst oder Hebebühne vom Dachstuhl aus. Die Ziegel werden von Innen eingesetzt.

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