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Ostholsteiner Anzeiger

17. November 2017 | 22:16 Uhr

Zwischen Broterwerb und Kunst

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der aus Eutin stammende Fotograf Frank Stöckel führt durch seine Ausstellung „The Making of“ im Ostholstein-Museum – und gibt Einblicke ins Fotografenleben

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 10:37 Uhr

Eine einfache Brotscheibe mit Butter und Salz. Wie für Zwischendurch. In der Ausstellung „The Making of“ von Frank Stöckel im Ostholstein-Museum ist dieses Foto als erstes zu sehen. Titel: Butter und Brot. Das scheinbar einfache Motiv führt geradewegs in ein Spannungsfeld, mit dem Fotografen leben müssen. „Es beschäftigt sich mit dem Thema Wertschätzung fotografischer Arbeit und der Arbeit eines Berufsfotografen“, erläutert der 58-Jährige bei einer Führung durch seine Ausstellung. Einerseits sei ein Fotograf täglich künstlerisch und kreativ tätig, andererseits bedeute die Fotografie für ihn aber stets auch „Broterwerb“. Das Brot-Motiv entstand für die Zeitschrift des Fotografenverbandes, dessen Vorstandsmitglied der aus Eutin stammende Fotograf ist.

„Um ein guter Fotograf zu werden, muss man die Fotografie lieben. Und das tue ich“, sagt der preisgekrönte Fotograf, der seit 1990 selbstständig arbeitet, seit 1996 im eigenen Studio in Hamburg. Angefangen hat alles mit der Kamera seines älteren Bruders in den heimischen Wäldern rund um Fissau und Eutin. Heute spezialisiert er sich hauptsächlich auf Still-Life-, Food- und Interieur-Fotografie, zählt renommierte Unternehmen zu seinen Kunden.

Doch der gebürtige Eutiner hat nicht vergessen, was es bedeutet, wenn man von seiner Leidenschaft nicht leben kann. „Es gibt Zeiten, da klingelt wochenlang das Telefon nicht“, berichtet Stöckel von den Tiefen einer Fotografen-Karriere. Eigentlich wollte er Sozialpädagoge werden. Nach dem abgeschlossenen Studium widmete sich Stöckel, der nie den Abschluss eines Fotografen erwarb, bald der Auto- und Modefotografie. Schnell sehnte er sich nach ruhigerer Arbeit und beschäftigt sich fortwährend mit den Feinheiten und der Körperlichkeit seiner Motive.

Heute kann sich der Berufsfotograf vor Aufträgen kaum retten. „Ich bin wirklich sehr froh, dass ich die Ausstellung hier in meiner Heimat noch irgendwie zwischen meine ganze Arbeit quetschen konnte.“ Zu den größten Geschäftspartnern des Fotografen zählt der Schokoladenriese „Ritter Sport“. Seit zehn Jahren fotografiert Stöckel die quadratischen Schokoladentafeln für Werbezwecke.

Die Ausstellung widmet sich nicht nur den Werken Stöckels, sondern konzentriert sich ebenso auf die Arbeitsabläufe in seinem Studio in Hamburg und die aufwendige Vorbereitung. „Um das perfekte Schokoladenstück zu finden, bedarf es vier bis fünf Stunden, 40 Tafeln Schokolade und jeder Menge Geduld. Das ist Fummelkram, der mir aber sehr Spaß macht“, berichtet Stöckel von seiner Arbeit im Studio. Professionelle Fotografie ist mehr als ein kurzes „Klick“. Das wird den gut 30 Besuchern der Führung an diesem Abend klar.

Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehört die Fotoserie „Eekolt“. Ursrünglich sollten es Pferde für ein kleines Modemagazin werden. Doch aus Zufall entdeckte der Fotograf die seltenen und äußerst scheuen, weißen Hirsche im heimischen Wildpark Eekolt. Nun gehören sie zu seinen bekanntesten Motiven.

Privat fährt der Fotograf gern Mountainbike. „Am besten drei mal die Woche und am liebsten in der heimischen Natur“, die es ihm auch in seiner Jugend schon sehr angetan habe. Entdeckt der Fotograf unterwegs ein spannendes Motiv, das ästhetisch ansprechend ist und sich eventuell sogar als Idee für eine spätere Fotoproduktion eignet, hält er es mit der Kamera oder auf die Schnelle mit seinem Handy fest.

Die Fotoserie „Forest’s Eyes“ entstand in den Wäldern rund um Eutin. Die Bilder zeigen kleine Teiche aus der Vogelperspektive, eingebettet in den braunen, von Blättern bedeckten Waldboden und den Himmel spiegelnd. „Diese Teiche verhalten sich genauso wie die Augen im Gesicht unseres Gegenübers: eingebettet in die umgebende Haut, das Licht reflektierend“, erklärt Stöckel den Namen der Fotoreihe, zu deutsch „Augen des Waldes“.

Sein nächstes Projekt hat Stöckel schon vor Augen. Ein Fotowettbewerb des Nürnberger Menschenrechtszentrums. „Nicht weil es mir darum geht, den Wettbewerb zu gewinnen, sondern weil Menschenrechte ein sehr spannendes und vor allem wichtiges Thema sind.“ Der Mensch lebt eben nicht vom Brot allein.

> Die Ausstellung „The Making of“ ist noch bis Sonntag, 26. November, im Ostholstein-Museum zu sehen.

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