Sehlendorfer Strand bei Blekendorf : Zwei Tote bei Badeunfall in der Ostsee

Der Strand wird laut eines Hinweises auf einem DLRG-Schild bis zum 12. Juli nicht von Rettungsschwimmern bewacht.
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Der Strand wird laut eines Hinweises auf einem DLRG-Schild bis zum 12. Juli nicht von Rettungsschwimmern bewacht.

Zwei Tote bei Badeunfall in der Hohwachter Bucht: Ein Schwimmer ist zu weit rausgeschwommen, ein zweiter versucht, ihn zu retten - beide sterben. Ein Kölner Urlauber schilderte seinen verzweifelten Kampf gegen die Wellen bei dem Rettungsversuch. Kritik an der Strandsicherheit wird laut.

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09. Juli 2014, 20:09 Uhr

Blekendorf | Tragischer Badeunfall in der Hohwachter Bucht: Mindestens zwei Menschen sind Mittwoch bei einem Badeunfall in der rauen Ostsee ums Leben gekommen. Die zwei Schwimmer konnten bei Blekendorf (Kreis Plön) nur noch tot geborgen werden, wie ein Polizeisprecher am Mittwoch sagte. Die Suche nach einem weiteren Schwimmer wurde am Abend eingestellt, es wurde niemand mehr vermisst.

Unklar war, ob eine rote Fahne die Badegäste vor der rauen See gewarnt hatte. Der Strand wird laut eines Hinweises auf einem DLRG-Schild bis zum 12. Juli nicht von Rettungsschwimmern bewacht. Zwei Männer und eine Frau haben sich bei Rettungsversuchen Unterkühlungen zugezogen. Einer von ihnen wurde deshalb in ein Krankenhaus gebracht. Die drei Verletzten sind nach Feuerwehrangaben alle Mitte 20. Sie hatten vergeblich versucht, mit Rettungsringen zu helfen.

Nach Angaben der Rettungsleitstelle war ein Schwimmer am Sehlendorfer Strand gegen 15.30 Uhr zu weit rausgeschwommen. „Ein weiterer Badegast bekam das mit und versuchte, dem Schwimmer zu helfen“, sagte Schichtführer Peter Reinhardt. Beide kamen dabei ums Leben. Zum Unglückszeitpunkt herrschten auf der Ostsee kurze Windböen und starker Wellengang. „Es herrschte Windstärke sieben. Das ist für unsere Verhältnisse eigentlich nichts Besonderes“, sagte Reinhardt. Sollte der Wind ablandig gewesen sein, könne dies aber schon zu Problemen führen.

Rettungskräfte hatten am Nachmittag mit einem Hubschrauber und mit mehreren Booten der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger nach möglichen weiteren Vermissten gesucht. Zur Identität der Schwimmer konnte die Rettungsleitstelle noch keine Angaben machen. Nach Angaben des Kieler Polizeisprechers Matthias Arends handelt sich bei den Toten um Personen um die 50 Jahre und älter.

Am Strand waren zum Zeitpunkt des Unglücks viele Gäste aus Nordrhein-Westfalen, die schon seit Tagen Urlaub haben. Der Badegast Jörg Vennemann aus Köln versuchte, den Schwimmern zu helfen. Er schilderte der dpa, er habe gesehen, dass drei Männer rausschwammen um einer Person zu helfen, die sich an eine Boje klammerte und laut um Hilfe rief. Das sei etwa 100 bis 150 Meter vom Strand entfernt gewesen. Bei starkem Wellengang und heftigen Windböen sei einer zurückgekommen und habe nach einem Rettungsring gerufen.

Vennemann schwamm nach eigenen Angaben mit ihm wieder raus. Sie seien aber nur bis zu einer nahe gelegenen Boje gekommen, dann habe er gemerkt, dass ihm die Kräfte schwanden und er wollte umkehren, schilderte der Kölner. Er geriet in Panik, wurde ebenfalls rausgetrieben und klammerte sich mit letzter Kraft an die Boje. Er habe in Lebensgefahr um Hilfe gerufen. Dann sei eine Freundin mit Rettungsweste rausgeschwommen und habe ihn gerettet.

Einige Urlauber kritisierten, es hätte zum Zeitpunkt des Unglücks keine rote Flagge gegeben, die die Badegäste gewarnt habe. Erst später sei sie aufgezogen worden. Davon unbeeindruckt schwammen einzelne Urlauber nach Augenzeugenberichten wieder im Meer.

Schon unmittelbar nach dem Vorfall wurde Kritik an der Ausstattung der Rettungskräfte und fehlenden Warnhinweise am Strand laut. Thomas Jansen, ein 50-jähriger Berufsfeuerwehrmann vom Niederrhein, half selber mit, einen der leblos in der Ostsee treibenden Männer an Land zu ziehen und zu reanimieren. Erfolglos. Umso wütender äußerte er sich über die Sicherheitsmaßnahmen: „Der Strand war pickepackevoll, es herrschte hoher Wellengang, starker Wind. Es ist ein Unding, dass an solchen Tagen der DLRG-Wachtturm nicht besetzt ist, auch nirgendwo ein Warnzeichen wegen Gefahr beim Baden aufgezogen wird.“ Und geradezu niederschmetternd sei für ihn, dass die Freiwillige Feuerwehr ohne jegliche Rettungsmittel für Einsätze auf See angerückt sei. Sie hatten vergeblich versucht, mit Rettungsringen zu helfen.

Der zentral aus Bad Nenndorf gesteuerte Wasserrettungsdienst der DLRG hat erst ab dem  kommenden Wochenende eine feste Besetzung der Wachstation am Sehlendorfer Strand eingeplant. Dann sollen Rettungsschwimmer aus Nordrhein-Westfalen dort Aufsicht führen, verstärkt um Kräfte der DLRG Lütjenburg. Aus deren Reihen war an den vergangenen Wochenenden bereits  freiwillig Wachdienst geleistet worden – da hatte die DLRG nach Angaben von Blekendorfs Bürgermeister Andreas Köpke (CDU) keine Leute zur Verfügung.

Schleswig-Holsteins Innenminister Andreas Breitner (SPD) sagte der dpa, „das ist ein tragischer Unglücksfall“. „Mein Mitgefühl gilt den Familien.“ Besonders bitter sei, dass ein Mensch ums Leben gekommen sei, der anderen helfen wollte.

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