Prozess vor dem Schöffengericht Eutin : Zwei Jahre Haft für versuchte Vergewaltigung

Zwei Jahre Haft auf Bewährung wegen sexueller Nötigung verhängte das Eutiner Schöffengerichts gegen einen 32-jährigen Eutiner. Der fünffache Familienvater hatte nach Überzeugung des Gerichts versucht, eine 19-Jährige Frau zu vergewaltigen.

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12. Juni 2014, 16:00 Uhr

Es stand Aussage gegen Aussage, doch für das Gericht gab es keine Zweifel: Zwei Jahre Haft auf Bewährung wegen sexueller Nötigung lautete gestern das Urteil des Eutiner Schöffengerichts gegen einen 32-jährigen Eutiner. Der fünffache Familienvater hatte nach Überzeugung des Gerichts am 9. September 2012 am frühen Morgen versucht, eine damals 19-jährige Frau zu vergewaltigen.

Kennengelernt hatten sich der bis dahin unbescholtene Angeklagte und sein Opfer in einer Kneipe in der Lübecker Straße, kaum einen Steinwurf von der Polizei entfernt. Zunächst habe sie sich mit einer Bekannten darüber unterhalten, wie dringend sie einen Job suche, erinnerte sich die heute 21-jährige Geschädigte, die mittlerweile eine Ausbildung zur Altenpflegerin macht. „Er kam dazu und hat gesagt, er braucht noch Mitarbeiter“, erinnerte sie sich. Dabei habe sich der Angeklagte als Imbiss-Geschäftsführer ausgegeben. Tatsächlich arbeitet er lediglich als Beikoch.

Wegen des Jobangebots ließ sich die Zeugin zunächst die Handynummer des Angeklagten geben. Im Verlauf des Abends sei dieser dann zudringlich geworden. „Er hat Andeutungen gemacht und seinen Arm auf meine Schulter gelegt.“ Einige Stunden später, es war kurz vor 4.30 Uhr, sei sie wenige Meter von der Kneipe entfernt auf der Suche nach einem Bekannten gewesen. Plötzlich habe der Angeklagte sie gepackt und in eine Hofeinfahrt gezogen. „Ich dachte, er wollte mich schlagen, weil ich ihm ziemlich offen gesagt habe, dass er mich nervt.“ Sie habe das zunächst nicht ernst genommen, erklärte die zierliche Frau trotz des eher kräftigen Angeklagten. „Ich fand das noch ganz lustig, weil ich dachte, ich kann mich sowieso verteidigen.“

Was dann folgte, konnte die Zeugin teils nur mit tränenerstickter Stimme schildern. Der Angeklagte schleppte sie weiter in den Hinterhof, brachte sie zu Boden, hielt ihr den Mund zu, zog ihr die Hose aus und versuchte, sie zu vergewaltigen. Erst als es ihr gelang, um Hilfe zu schreien, wurde ein Nachbar aufmerksam, worauf der Angeklagte floh. „Sie war kaum ansprechbar, hat geheult“, berichtete ein weiterer Zeuge, der etwas später hinzukam. Auch drei Polizeibeamte schilderten, wie aufgelöst die Frau nach der Tat gewesen sei.

Ganz anders lautete die Version des Angeklagten, der sich mit Hilfe eines Dolmetschers verständigte. Die junge Frau habe sich zunächst zu ihm gesetzt und sich ein Bier von ihm ausgeben lassen. Bei einem Gang zum Geldautomaten habe sie ihn unbedingt begleiten wollen und dabei immer wieder geweint, weil sie Stress mit ihrem Freund gehabt habe. Dann habe sie erklärt, sie wolle ein Kind von ihm, dem Angeklagten. Als er zum Wasserlassen in einen Hinterhof gegangen sei, habe sie sich die Hose ausgezogen, sich hingelegt und 100 Euro von ihm verlangt. „Wenn du mir die 100 Euro nicht gibst, mache ich dir Probleme“, habe die Frau daraufhin gesagt und gedroht, sich an seine Familie zu wenden.

Bei Staatsanwalt Dirk Hartmann konnte der Angeklagte mit dieser Version nicht landen: „Die Geschichte, die wir vom Angeklagten gehört haben, ist herabwürdigend und armselig“, erklärte er. Da der Mann weder Einsicht noch Reue gezeigt habe, forderte er eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten, die nicht mehr zur Bewährung hätte ausgesetzt werden können. Pflichtverteidiger Jochen Veen erklärte dagegen, der Zeugin kein Wort zu glauben. Sie sei bewusst in die Kneipe gegangen, „um Männer abzuzocken“. Er forderte einen Freispruch und nannte die Geschichte seines Mandanten „in sich schlüssig“.

Für das Schöffengericht war die Sache klar: „Ich will die Qualität der Einlassungen des Angeklagten nicht beurteilen, aber sie sind objektiv falsch“, urteilte der Vorsitzende Richter Otto Witt und nannte dessen Schilderungen „völlig lebensfremd“. Möglicherweise habe er sich in seiner Ehre verletzt gefühlt, weil ihm die Zeugin nicht das gegeben habe, was er erwartet habe und die Tat spontan verübt. Sein Verhalten sei dennoch „absolut inakzeptabel“. Als Bewährungsauflage muss der Angeklagte 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten. Gegen das Urteil sind Rechtsmittel möglich.

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