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Ostholsteiner Anzeiger

23. August 2017 | 03:24 Uhr

Lütjenburg : Zwei bewegende Schicksale

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Plöner CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Philipp Murmann trifft sich in Lütjenburg mit zwei afrikanischen Flüchtlingen

Der aktuelle Zustrom von Flüchtlingen nach Europa steht in der Politik derzeit weit oben auf der Agenda. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Murmann informierte sich direkt bei zwei Flüchtlingen aus Eritrea über deren Beweggründe zum Verlassen der Heimat, ihre Flucht und deren neues Leben.

Fisihaye M. und Mnasie H. (beide 23) haben Eritrea verlassen, um dem Militärdienst zu entgehen. Jeder junge Eritreer könne zum Militärdienst verpflichtet werden. Die Dauer sei ungewiss, ein regelmäßiges Einkommen ebenso. Die Soldaten lebten in Eritrea in prekären Unterkünften und würden nur unzureichend mit Essen versorgt. Zudem würden Christen in dem von einem Diktator regierten Land stark unterdrückt.

Zu Fuß flohen sie über die Grenze nach Äthiopien. Bis zu 16 Stunden am Tag. Dann mit dem Auto durch den Sudan und schließlich durch die Sahara nach Libyen. „Tagelang gab es weder etwas zu essen noch zu trinken“, berichteten Fisihaye M. und Mnasie H.. Viele Flüchtlinge, darunter auch Frauen mit kleinen Kindern, seien verdurstet. Die praktizierenden Christen hätten zusammen mit anderen Flüchtlingen die Leichname notdürftig beerdigt.

In Libyen wurden die zwei Eritreer zunächst inhaftiert. Nur durch Geldleistungen seien sie wieder auf freien Fuß gekommen. Über das Mittelmeer gelangten sie nach einer fast einwöchigen Fahrt nach Italien. Gut die Hälfte habe die EU nicht erreicht. Sie ertranken unterwegs oder seien über Bord geschmissen worden.

Fisihaye M. und Mnasie H. leben in Lütjenburg in einer Zweizimmerwohnung. Die Sprache Deutsch lernen sie zwei Mal wöchentlich durch ehrenamtliche Sprachpaten. Aber auch aus der Nachbarschaft gibt es Hilfe und Sprachunterricht.

Im Gespräch mit Philipp Murmann – im Beisein von Lütjenburgs Bürgermeister Dirk Sohn und dem CDU-Ortsvorsitzenden Thomas Hansen – mahnten beide das lange Asylverfahren an. Seit Mai 2014 sind sie in Deutschland und genauso lange warteten die jungen Männer auf das Interview beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Unverständnis herrscht bei Fisihaye und Mnasie auch über den Umstand Geld vom Staat zu bekommen ohne dafür eine Gegenleistung geben zu müssen. So etwas gebe es in Eritrea nicht. „Arbeit gut. Immer schlafen nicht gut,“ gaben die beiden dem Politiker Murmann mit nach Berlin.

„Ich habe viel gelernt. Es war beeindruckend so ein Schicksal einmal aus erster Hand und nicht nur aus den Medien zu erfahren,“ sagte Murmann und kündigte an, sich zu informieren, warum die Asylverfahren in Schleswig-Holstein so viel Zeit in Anspruch nehmen.  

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erstellt am 19.Feb.2015 | 12:00 Uhr

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