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Polizei stellte Täter nach kurzer Zeit : Zwei Amokläufer in Wisser-Schule

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Groß-Übung am Sonnabend in Eutin galt der Verbesserung der Kommunikation zwischen den Einsatz- und Rettungskräften

von
erstellt am 16.Mai.2014 | 18:07 Uhr

Es war nur eine Übung, aber die hatte es in sich: Zwei ehemalige Schüler waren nach der großen Pause mit Sturmhauben und Waffen in die Eutiner Wilhelm-Wisser-Schule eingedrungen, in der gerade 400 Schülerinnen und Schüler unterrichtet wurden – so die Annahme. Zuerst erschossen sie einen Schüler, drangen ins Sekretariat ein und erschossen die Sekretärin. Schulleiter Sven Ulmer rettete sich mit einem beherzten Sprung aus dem Fenster seines Büros und alarmierte über 110 die Polizei und 112 den Rettungsdienst, die hier bereits kommunizieren und koordinieren mussten. Schreckliche Erinnerungen an die Amokläufe von Winnenden und Erfurt wurden wach.

Damit begann eine von Polizeioberkommissar Wolfram Reuter (Polizeizentralstation Eutin) inszenierte und seit 2012 vorbereitete Groß-Übung mit rund 300 Beteiligten, in der es fiktive Verletzte, Geschockte, Angeschossene und Getötete gab. Im Mittelpunkt stand die Kommunikation zwischen Polizei, Notärzten, dem Rettungsdienst, der Feuerwehren und dem THW. Dafür wurde eine gemeinsame Leitstelle eingerichtet. Nach der Analyse wird es in einigen Bereichen sicher Optimierungen geben, sagte Wolfram Reuter.

So waren die Rettungskräfte bereits bei ihrer Arbeit, während in den oberen Klassenräumen die Schüler (Komparsen) um Hilfe riefen. Zu diesem Zeitpunkt war eigentlich noch gar nicht klar, ob es nur zwei oder vielleicht sogar mehr Täter waren, die in die Schule eingedrungen waren. „Aber alle Einsatzkräfte stehen ordentlich unter Dampf“, fühlte ihnen Reuter erhöhte Adrenalinspiegel nach. „Alle nehmen die Übung sehr ernst.“

Der Leitende Notarzt Peer Knacke aus Eutin sprach von einer medizinisch-organisatorisch großen Herausforderung. Es seien auch Schnelle Einsatzgruppen alarmiert worden. Bei der angenommenen Masse an Verletzten müsse ein Chaos im Krankenhaus vermieden werden. Deshalb sei auch hier die Kommunikation und am Ende auch die Dokumentation sehr wichtig. Auch hier werde es Optimierungen geben. Während des Einsatzes war der Bereich um die Wisser-Schule für den Fahrzeugverkehr weiträumig abgesperrt worden.

„Zum Glück ist keiner wirklich verletzt worden“, sagte Wolfram Reuter am Ende der zweistündigen Übung. Die gemeinsamen Leitstellen vor Ort hätten gut zusammen gearbeitet, allerdings müsse man auch hier in der Kommunikation nachbessern. Alle Beteiligten seien sehr professionell vorgegangen. So sei einer Täter auch schon beim Erstangriff von den Polizeibeamten fiktiv getötet worden.

Eutins Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz zeigte sich dankbar, dass die Idee der Übung in Eutin auch umgesetzt wurde. Er habe bei dem Szenario eine Gänsehaut bekommen. Eutins Polizeiführer Michael Martins sprach von einer außergewöhnlichen Situation der Zusammenarbeit auf Leitungsebene. Schwer sei es für ihn gewesen, seinen Platz entfernt vom Geschehen einzunehmen und nicht direkt eingreifen zu können.

Vom Einsatzgeschehen machten sich auch die Leiter der Eutiner Schulen ein Bild und am Ende auch so ihre Gedanken. KBS-Schulleiter Carsten Ingwertsen-Martensen schlug auch seine Schule als Übungsobjekt vor: „Bei uns ist es ja noch unübersichtlicher.“ Am Nachmittag waren dann die Feuerwehr, das THW und Rettungskräfte im zweiten Teil der Groß-Übung an der Reihe. Sie nahmen auch einen Ernstfall an der Schule an und musste alles Können unter Beweis stellen.

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