ZVO-Angestellte als Verbrecher beschimpft

In einer persönlichen Erklärung äußert Personalratsvorsitzende Martina Kloth-Korten die Hoffnungen, dass Mitarbeiter nicht pauschal verdächtigt werden.
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In einer persönlichen Erklärung äußert Personalratsvorsitzende Martina Kloth-Korten die Hoffnungen, dass Mitarbeiter nicht pauschal verdächtigt werden.

Unterschlagung von Geld und Material zehrt an dem Vertrauen der Kunden – aber Verbandsdirektor und Personalrat wehren sich gegen einen Generalverdacht

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26. Juni 2014, 12:18 Uhr

Fast 450 Angestellte arbeiten beim Zweckverband Ostholstein (ZVO), und alle leiden mehr oder weniger unter dem, was ihnen „schwarze Schafe“ eingebrockt haben. Eines war ein mittlerweile rechtskräftig verurteilter Mitarbeiter, der privat mit Edelstahlprodukten gehandelt hat, deren Material auf Rechnung des ZVO beschafft worden war. Und es gab einen Angestellten, der etwa 100 000 Euro auf sein eigenes Konto abgezweigt hat.

„Diese Fälle sind hochgradig ärgerlich“, sagte Verbandsdirektor Heiko Suhren am Mittwoch in der Verbandsversammlung, die im Ahrensböker Bürgerhaus tagte. Aber es dürfe nicht sein, dass alle Mitarbeiter des Zweckverbandes, von denen viele rund um die Uhr für die Kunden zur Verfügung stünden, unter Generalverdacht gestellt würden.

„Wenn Misstrauen in Kriminalisierung umschlägt, ist jede Vertrauensgrundlage beschädigt,“ sagte die Vorsitzende des Betriebsrates, Martina Kloth-Korten, in einer persönlichen Erklärung. In den vergangenen Wochen hätten ihr Kollegen geschildert, dass sie sich unberechtigtem Verdacht ausgesetzt fühlten. „Ein Beispiel: Ein Kollege steht mit einem Dienstwagen des ZVO an einer Ampel und wird von einem Fußgänger beschimpft: ,Ihr seid ja alle Verbrecher‘“.

Der Personalrat unterstütze Maßnahmen zur Abwehr von kriminellen Vorgängen und habe den fristlosen Kündigungen gegen die mutmaßlichen Täter zugestimmt. „Aber wir brauchen ein Arbeitsklima, das von Vertrauen getragen wird.“

Verbandsvorsteher Suhren betonte, es sei „ein Unding“, dass alle Mitarbeiter unter Verdacht stünden. Auslöser dafür waren jüngst öffentlich geäußerte Vermutungen, dass in den „Edelstahlskandal“ doch mehr Kollegen verwickelt gewesen seien. Suhren stellte klar: Bei den Ermittlungen in dem Fall habe der ZVO einen Schaden von 7500 Euro errechnet, in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft sei man auf 11800 Euro gekommen. Diesen Betrag habe der entlassene und verurteilte Mitarbeiter teilweise schon erstattet, den Rest zahle er in Raten ab. Gegen drei weitere Angestellte habe die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt. In diesen Fällen habe es arbeitsrechtliche Sanktionen gegeben.

Wegen neuer Gerüchte habe der ZVO Anzeige gegen Unbekannt erstattet, damit die Staatsanwaltschaft erneut prüft, ob es weitere Komplizen gegeben habe. Er sei ziemlich sicher, so Suhren, dass diese Ermittlungen nichts Neues zutage fördern würden.

Die Unterschlagung von rund 100 000 Euro sei trickreich und mit hoher krimineller Energie erfolgt, sagte Suhren weiter. Alle betroffenen Kunden würden entschädigt, zum Glück sei der ZVO versichert. Nach bisherigen Erkenntnissen habe der ehemalige Mitarbeiter gezielt Kundenkonten mit einem Guthaben gesucht, die auch nach mehrmaligen Kontaktversuchen durch den ZVO nicht von den Kunden abgerufen wurden. Bei solchen Kunden habe der Beschuldigte seine persönliche Bankverbindung in die Kunden-Stammdaten eingepflegt und sich die Guthaben überwiesen, danach die Bankdaten wieder verändert.

Der ZVO unternehme alles, um die Schwachstellen aus den beiden Untreuefällen zu identifizieren und Maßnahmen zu entwickeln, die solche kriminellen Machenschaften verhindern, sagte Suhren weiter. So seien bei Bankdaten die Prüfmechanismen verschärft worden, auch wenn das hoch komplizierte Vorgänge in der Software bedeute.

Zur Vermeidung von Materialdiebstahl sei beispielsweise eine neue Unterschriftenbefugnis geschaffen worden. Bei allen Sicherungsmaßnahmen müsse aber auch die Arbeitsfähigkeit erhalten werden: So seien zum Beispiel Angestellte mit Meisterbrief berechtigt, bei Notfällen Material im Wert von bis zu 500 Euro im örtlichen Handel zu kaufen. Darüber müsse natürlich später Rechenschaft abgelegt werden. Auf jeden Fall sei der ZVO bemüht, das verloren gegangene Vertrauen der Kunden wieder zu gewinnen.

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