„Zusammen waren wir immer“

Das Neudorfer Paar 1953 ...
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Das Neudorfer Paar 1953 ...

Dorothea und Horst Stock sind morgen seit 65 Jahren ein Paar / Feier zur Eisernen Hochzeit wird eine Überraschung

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04. Juni 2018, 12:36 Uhr

Kennengelernt haben sie sich dort, wo sie heute noch wohnen: in Eutin-Neudorf. Am Teich oder vor der Feuerwehr traf sich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die Dorfjugend. So auch Horst und Dorothea Stock. Beide fanden Gefallen aneinander. Mehr noch: Sie verliebten sich und heirateten – morgen vor genau 65 Jahren.

Und genau morgen wird ihr Ehrentag groß gefeiert – kein Wunder angesichts einer Familie, die mittlerweile 13 Enkel, 17 Urenkel und einen Ur-Urenkel umfasst. Was die Eheleute erwartet, wissen sie jedoch nicht. „Das wird wieder eine Überraschung unserer Kinder und Enkel“, sagt Dorothea Stock sichtlich voller Vorfreude. Denn die Familie hatte das Jubelpaar bereits zur Goldenen Hochzeit im Unklaren darüber gelassen, was passiert. Letztlich durften sich die Stocks zum 50. Bestehen der Ehe nochmals in der Michaelis-Kirche das „Ja“-Wort geben – Ringetausch mit neuen goldenen inklusive. Auch die Diamantene Hochzeit war eine Überraschung der Familie. „Wir wurden mit einer Kutsche von Zuhause abgeholt und durch den Ort gefahren“, berichtet der 84-Jährige.

Wesentlich bescheidener von der Ausstattung her war ihre eigentliche Hochzeit vor 65 Jahren. „Mein Vater hatte ein Schwein geschlachtet und aus dem Schinken Frikadellen gemacht“, erinnert sich die 85-Jährige. Ihr Brautkleid samt Schleier war geliehen, sein Anzug mühevoll zusammengespart. Trotz aller finanziellen Not: gefeiert wurde kräftig. Das ganze Dorf wurde in den heimischen vier Wänden bis in die frühen Morgenstunden hinein verköstigt.

„Mit Pferd und Wagen“ war Dorothea Stock Ende der 40er Jahre nach Eutin gekommen – nach einer jahrelangen Odyssee aus Bessarabien am Schwarzen Meer über die Tschechoslowakei und Westpreußen. „Das war ein langer Weg“, sagt Stock rückblickend bescheiden über die Flucht ihrer Familie. Ihr späterer Ehemann störte sich nicht an den Flüchtlingen. Im Gegenteil: „Wir hatten schulfrei“, sagt Stock, denn die Neubürger wurden in der Schule einquartiert.

„Zusammen waren wir eigentlich immer“, blickt Horst Stock zurück. Und nachdem sie Anfang der 50er Jahre als Hauswirtschafterin im Rheinland und er als gelernter Maler zur gleichen Zeit sogar in einem Bergwerk im Ruhrgebiet hatten arbeiten müssen, gab es kurz nach dem Wiedersehen in Neudorf dann die Verlobung.

Die Stocks blieben für immer in Neudorf, bauten hier ein Haus, zogen fünf Kinder groß. Familie, Garten und Reisen wurden zu ihren Leidenschaften. „Wir haben uns immer gut verstanden, es gab nie Streit“, sagt Stock und zwinkert ihrem Ehemann zu. Höhen und Tiefen habe es – wie in jeder Ehe – auch gegeben. Aber: „Wir sind für offene Worte, es wird alles besprochen“, fügt er hinzu. Harmonie und gegenseitiges Verständnis scheint ihr Geheimrezept. „Und ich bin nicht streitsüchtig“, ergänzt die 85-Jährige, die ihren Ehemann als „sehr hilfsbereit“, ja als „perfekten Ehemann“ lobt. Und Horst Stock möchte dem in nichts nachstehen: „Sie ist eine perfekte Frau, kann sehr gut kochen. Wir verstehen uns bombig.“ Und das nun bereits seit 65 Jahren.

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