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Aus dem Plöner Amtsgericht : „Zuprosten“ führte zu blutender Wunde

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Amtsgericht Plön ahndet heftigen Kneipenstreit mit Haftstrafe auf Bewährung.

von
erstellt am 12.Aug.2015 | 15:39 Uhr

Es sollte im Juni 2014 ein gemütlicher Abend in einer Plöner Bierkneipe werden, doch er endete für einen Besucher mit einer blutenden Stirnwunde. Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sich gestern ein gebürtiger Eutiner vor dem Amtsgericht verantworten.

Groß, stämmig und mehr als selbstbewusst gibt sich der 50-jährige Angeklagte bei der Verhandlung. Auf einen Verteidiger hat der Mann, der in einem Dorf bei Plön lebt, verzichtet.

Er soll, so die Anklage, in der Kneipe mit einem Gast in Streit geraten sein. Als sich die Situation wieder beruhigt hatte und der Angeklagte mit seiner Begleitung schon vor dem Lokal auf das Taxi wartete, soll er zurückgekommen und seinem Kontrahenten unvermittelt mit einer Bierflasche über den Tresen an die Stirn gestoßen haben.

Das bestreitet der Angeklagte vehement: „Ich habe das Opfer nicht mit der Flasche geschlagen.“. Er wolle aber nicht ausschließen, dass er ihn vielleicht „unbewusst berührt“ habe beim „Zuprosten“ zum Abschied.

Eine Zeugin allerdings gibt zu Protokoll, ein „Plong“ gehört zu haben, als der Angeklagte die Flasche auf den Tresen zurückstellte. Die Lebensgefährtin des Angeklagten will just im entscheidenden Moment weggesehen haben. Der dritte Zeuge kam erst aus dem WC, als das Opfer schon blutete. Der Streit, ja den habe er so am Rande mitbekommen. Die nächste Zeugin ist da schon deutlicher: „Ja ich habe gesehen wie der Angeklagte dem Opfer eine Flasche an die Stirn schlug.“ Diese Version bestätigt auch das damalige Opfer: „Er haute mir die Flasche unvermittelt an die Stirn.“

„Nein, nein!“ Auch in seinem letzten Wort beteuert der Angeklagte seine Unschuld. Er fordert die Einstellung des Verfahrens und Freispruch, höchstens sei alles eine „Ordnungswidrigkeit“.

Für die Staatsanwältin ist es nach Bewertung der insgesamt sieben gehörten Aussagen „wenig glaubhaft, dass der Angeklagte da nichts gemerkt haben will.“ Sie fordert acht Monate Haft auf Bewährung und wegen der Mittellosigkeit des Angeklagten 30 Arbeitsstunden.

Auch für den Richter hat sich der Vorwurf letztlich „weitgehend bestätigt“. Sein Urteil: sieben Monate Haft auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung und 25 Arbeitsstunden. Die Aussagen von drei den Angeklagten belastenden Zeugen seien für ihn glaubhaft. Und ein Komplott gegen den Angeklagten, wie dieser es schilderte, um ihn aus Plön zu vertreiben, nannte der Richter ganz klar „abwegig“.

Der Angeklagte will das Urteil nicht hinnehmen, deutete Berufung an. Um eine Geldstrafe kam der gebürtige Eutiner herum, weil er derzeit von 160 Euro im Monat als Aushilfskellner lebt und nach eigenen Angaben 400  000 Euro Schulden aus einer früheren Tätigkeit hat.

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