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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 05:57 Uhr

Zukunft liegt in „Burn-Out“-Patienten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Neue Pläne in Hohwacht: Hotelanlage soll teilweise als „Zentrum für Seelische Gesundheit“ genutzt werden

Der beschauliche Badeort Hohwacht will neue Schwerpunkte im Gesundheits-Tourismus setzten. Aus dem 4-Sterne Hotel „Hohe Wacht“ soll in Teilen ein Zentrum für „Seelische Gesundheit“ werden. Gleichzeitig plant die Gemeinde ein „Präventionszentrum“.

Wenn letzte rechtliche Hürden mit dem Finanzamt geklärt sind, könnte es schon 2016 losgehen. Entsprechende Pläne bestätigten die Eigentümer des Hotels, die Richard Anders Gruppe, und auch der Bürgermeister der Gemeinde, Matthias Potrafky, dem OHA.

Die Lage des Hotels, die Qualität der Zimmer und der Ruf der Einrichtung bei der Gästebewertung sprechen für sich. Hinzu kommt die einladende, intakte Natur der Hohwachter Bucht. Das alles möchte Richard Anders einbringen. Entsprechende Partner stehen mit dem Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) des UKSH in Kiel und Lübeck und deren Direktor, Prof. Dr. Fritz Hohagen, bereit. Ziel ist, aus Teilen der Hotelanlage ein „Zentrum für Seelische Gesundheit“ (Psychosomatik und Psychotherapie) zu entwickeln.

Nach den Plänen soll zunächst der links vom Hoteleingang liegende Trakt bis zu den Konferenzsälen entsprechend für eine medizinische Nutzung umgebaut werden. „Wir sprechen zu Beginn von etwa 30 Betten, Behandlungs- und Therapieräumen sowie einem Arzt- und Schwesternbereich“, sagt ZIP-Geschäftsführer Manfred Baxmann. Endziel sind dann 60 ein- und zwei-Bett-Zimmer. „Das Hotel reduziert sich damit auf die Ferien-Appartements, die im rechten Bereich liegen. Der Empfang des Hotels kann damit beiden Anforderungen gerecht werden“, so Richard Anders. Zudem sollen von dort zentral die Buchungen für das zur Anders-Gruppe gehörende „Haus am Meer“ und auch die Ferien-Appartements in Schönberg erfolgen. Geplant sei auch der Erhalt des großen Saales des Hotels auch für private Veranstaltungen.

Zielgruppe des „Gesundheitszentrums Hohe Wacht“ sind auf der einen Seite privat und gesetzlich versicherte Patienten, aber auch Beihilfeempfänger, Selbstzahler und Zusatzversicherte. Schwerpunkte der Behandlung sollen Depression, Burn Out, Angsterkrankungen, prost-traumatische Belastungsstörungen, Schlafstörungen und Schmerzzustände sein.

„Wir sind überzeugt, dass wir für die wachsende Zahl von Patienten aus diesen Bereichen nicht nur die entsprechende fachliche medizinische Betreuung in einer für sie angenehmen Urlaubsumgebung bieten können, was den Heilungsprozess beschleunigen kann“, sagt Baxmann. „Diagnostik und Therapie werden auf Universitäts-Niveau sein. Wir bieten damit ein Behandlungsangebot im Norden für anspruchsvollere Patienten, die bisher nach Süddeutschland oder ins Ausland zur Behandlung gehen.“

Die privaten Krankenkassen haben bereits nach entsprechender Prüfung ihre Zustimmung erteilt. Offen ist noch die anstehende Entscheidung des Bundesfinanzhofes (BFH) sowie des Finanzamtes Plön zur Umsatzsteuerbefreiung des Gesundheitszentrums.

Eine Entscheidung, dass Krankheitskosten für die Behandlung eines „Burn Out“ umsatzsteuerfrei sind, liegt seitens des BFH bereits vor. Ein weiteres Urteil wird kurzfristig erwartet. Nach vorliegenden Informationen ist davon auszugehen, dass Behandlungsleistungen von Privatkrankenhäusern unabhängig von sozialversicherungsrechtlichen Zulassungen umsatzsteuerfrei sein können. Voraussetzung ist dabei nicht, dass die Anlage in den Krankenhausplan eines Landes aufgenommen ist.

„Die Verhandlungen mit dem UKSH über den Abschluss eines Kooperationsvertrages befinden sich in Vorbereitung und sollen demnächst beginnen“, so Baxmann. Vorausgesetzt die letzten rechtlichen und steuerlichen Fragen seien geklärt, könnte der Betrieb bereits im April 2016 aufgenommen werden, sind die Initiatoren zuversichtlich.

Ergänzt werden könnte das Konzept durch eine vor Ort sichergestellte ärztliche Betreuung auch zu den Nachtstunden zum Beispiel durch die im Ort und im nahen Lütjenburg ansässige Gemeinschaftspraxis Dr. Tesch, Bromisch und Kollegen. „Wir können zudem auch auf die Spezialkliniken des UKSH in Kiel und Lübeck zurückgreifen“, sagt Baxmann.

Parallel plant die Gemeinde Hohwacht den Bau eines sogenannten ambulanten „Präventionszentrums“ mit modernster Diagnostik auf dem Gelände des derzeit abgerissenen Schwimmbades. Dort sollen sich Urlauber von Ärzten „durchchecken“ und im Hinblick auf mögliche ganzheitliche Behandlungswege vor Ort und in Kliniken beraten lassen. „Beim Präventionszentrum stehen wir auf Anforderung der Gemeinde mit zur Verfügung“, so Carsten Anders. Im Augenblick stelle die Gemeinde in Kooperation mit der Stadt Lütjenburg die Anträge. „Wir werden dann dazu kommen, wenn es um die Klärung/ Gründung einer Betreibergesellschaft geht.“

Alle Beteiligten sind überzeugt: Das Konzept wird zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Hohwachter Bucht beitragen. Der „Gesundheits-Tourismus“ ist nicht an Ferien gebunden, zusätzliche Arbeitsplätze können geschaffen und weitere Betriebe aus dem Bereich Gesundheitswirtschaft angesiedelt werden.

 

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erstellt am 24.Mär.2015 | 19:02 Uhr

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