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Ostholsteiner Anzeiger

18. Dezember 2017 | 19:56 Uhr

Züge bald im richtigen Rhythmus?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„Deutschland-Takt“ für optimierte Abstimmung bei Bus und Bahn / Bettina Hagedorn (SPD): Land und Kreis können Vorreiter sein

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2014 | 13:31 Uhr

Bernhard Wewers ist enttäuscht: „Die Bahn scheint der Lieblings-Prügelknabe der Deutschen zu sein. Oder hören Sie so viele Beschwerden über Staus auf Autobahnen oder Verspätungen an Flughäfen wie bei unpünktlichen Zügen?“ Um das Image des Schienenverkehrs im Land wieder zu verbessern, gründete der Geschäftsführer der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft (LVS) 2008 mit Gleichgesinnten die Arbeitsgruppe „Deutschland-Takt“. Ziel dieser Initiative ist es, dass auf Sicht alle öffentlichen Verkehrsmittel in einem regelmäßigen und aufeinander abgestimmten Rhythmus fahren. Durch direkt wartende Anschlusszüge oder Buslinien sollen so etwa Wartezeiten von Reisenden verkürzt werden. Die Bundesregierung teilt diese Pläne: Union und SPD bekennen sich im gemeinsamen Koalitionsvertrag zu dem Konzept des „Deutschland-Taktes“ und wollen ihre zukünftigen Verkehrsprojekte daran ausrichten.

„Es muss versucht werden, mittelfristig einfach mehr Züge über vorhandene und neue Bahnstrecken zu bekommen. Das gilt für den Nah-, Fern- und Güterverkehr“, erklärt Bernhard Wewers. Am Freitag diskutierte er die Idee mit der Eutiner Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn (SPD) im Café de Büx. Die Sozialdemokratin sitzt in Berlin im Haushaltsausschuss, ihr Arbeitsschwerpunkt liegt vor allem auf den Bereichen Verkehr und digitale Infrastruktur. Aus Sicht des Bundes sei hier in besonderem Maße die effiziente Nutzung der vorhandenen Ressourcen wichtig. „Wir müssen das Geld da einsetzen, wo es wirklich gebraucht wird. Das ist in den letzten Jahren leider immer wieder versäumt worden“, bedauert Bettina Hagedorn. Der Koalitionsvertrag soll nun Abhilfe schaffen, der nationale Taktfahrplan darin ein Kernprojekt werden. „Das ist eine Weichenstellung für die nächsten 15 bis 20 Jahre.“

Einig waren sich die Bundestagsabgeordnete Hagedorn und der selbsternannte „alte Eisenbahner“ Bernhard Wewers indes über eine mögliche Vorreiterrolle Schleswig-Holsteins bei der Umsetzung des Konzeptes. „Man kann sich immer verbessern, aber der Bahnverkehr ist hier schon sehr gut“, sagte Wewers. Zudem sei das nördlichste Bundesland ohnehin ein Pionier in Sachen Taktfahrplan. Erste Umsetzungen von entsprechenden Ideen habe es dafür im Land bereits 1991 gegeben. „Und nirgendwo sonst in Deutschland funktioniert die Abstimmung beim öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) heute so gut wie in Schleswig-Holstein.“

Um diese weiter zu verbessern, soll als nächstes die Bahnstrecke Kiel-Lübeck in größerem Umfang zweispurig ausgebaut werden. Mit dem schon lange geplanten Projekt wird eine Fahrzeiteinsparung für das gesamte Teilstück von bis zu zwölf Minuten auf dann knapp unter eine Stunde angestrebt, die Fertigstellung soll 2016 erfolgen.

Der Kreis Ostholstein steht bei den Verkehrsplanungen darüber hinaus natürlich auch weiterhin in Sachen fester Fehmarnbelt-Querung im Fokus. Für die Umsetzung des Taktfahrplans ist dabei vor allem der Interessenkonflikt zwischen Güter- und Personenverkehr von Bedeutung. Damit hier bei der geplanten Inbetriebnahme einer neuen Trasse entlang der Autobahn die Fahrgäste nicht zu kurz kommen und längere Wege in Kauf nehmen müssen, wird auch die Weiternutzung bestehender Strecken nach wie vor diskutiert. „Wichtig ist es, in diesem Fall eine gute Kompromisslösung zu finden“, meint Bernhard Wewers. Allerdings müsse man auch akzeptieren, dass für die mitfinanzierende EU Güter beim Ausbau von Bahnnetzen immer vor Personen kämen. „Nur so kann man eben effektiv mehr Warenverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern.“

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