Zu wenig los für spätes Abendbrot

Eine Frage der Mentalität? Nach 20.30 Uhr gibt es rund um den Markt keine warmen Mahlzeiten mehr. China-Restaurant und Grieche kochen bis 22 Uhr.
Eine Frage der Mentalität? Nach 20.30 Uhr gibt es rund um den Markt keine warmen Mahlzeiten mehr. China-Restaurant und Grieche kochen bis 22 Uhr.

Eutin ist nicht der Süden: Warme Küche gibt es rund um den Marktplatz in der Regel nur bis 20 Uhr / Ausnahmen zur Festspiel-Zeit

shz.de von
13. Juli 2018, 00:09 Uhr

Scheint die Sonne, sind die Tische der Gastronomen auf dem Eutiner Marktplatz voll; ob Kuchen, Eis, Mittagstisch oder nur Kaffee – bis in die frühen Abendstunden ist das Angebot der gemütlichen Residenzstadt groß. Anders sieht das in den Abendstunden aus. Mit sinkender Sonne weichen die Gäste – und die Köche gehen in den Feierabend. Was die Einheimischen nicht zu stören scheint, verwundert einige Touristen.

„Die Saison läuft bis jetzt super dank des warmen Wetters“, lobt nicht nur Marcus Gutzeit vom Brauhaus. Auch alle umliegenden Gastronomen sind zufrieden. „Früher hatten wir bis 23 Uhr warme Küche, doch heute lohnt sich das nicht mehr. Es gibt Tage, da ist ab 20.30 Uhr nichts mehr los“, so Gutzeit. Die meisten würden zwischen 18 und 19 Uhr zum Abendessen kommen, sagt auch Achim Lembke vom Markt 17. Vereinzelt vielleicht bis 20 Uhr aber danach lohne sich der Personalaufwand nicht. Opernbesucher trinken anschließend eher, als sie essen, so seine Erfahrung.

Felix Schneider vom „Tohuus“ versteht die Kollegen: „Es ist einfach wenig los auf dem Markt.“ Für Vereinzelte, die vielleicht nochmal zu späterer Stunde kommen und nur etwas trinken wollen, lohne sich der Personal- und Energie-Aufwand nicht, den es für eine warme Küche brauche, bestätigt auch Holger Pulvermann vom Stadtcafé. An Tagen, an denen die Festspiele Vorstellungen haben, sei es spürbar, dass auch auf dem Markt mehr los ist, dann gebe es im Stadtcafé beispielsweise auch länger Flammkuchen als sonst. Im Brauhaus werden – extra während der Festspiel-
Saison – noch auf einer kleinen Karte Suppen, Flammkuchen und Brote auch bis halb zwölf angeboten, damit Festspiel-Besucher nicht hungrig nach Hause müssen.

An Tagen, an denen das „Tohuus“ Live-Bands organisiert, die zum Konzert zu ihnen kommen, sei das Geschäft für sie auch in den Abendstunden gut. „Wir öffnen freitags und samstags bis 23 Uhr und das war bis auf einmal an einem WM-Spieltag auch richtig gut“, sagt Felix Schneider.

Generell müsse aus Sicht der Gastronomen mehr los sein, damit die Menschen auch nach Eutin gelockt werden. „Wenn die Festspiele jetzt ausgepeppt werden, könnte die Bühne ja ähnlich wie in Segeberg auch für
andere Veranstaltungen genutzt werden“, ist eine Idee von Monika Pulvermann. „In den Strandgemeinden organisiert die Tourist-Info mit Sponsoren beispielsweise eine große Leinwand, um Fußball zu schauen und Open-Air-Kino zu veranstalten. Das ginge doch hier auch“, findet Gutzeit. Es müsse einfach mehr zusammen gemacht werden, lautete nicht nur sein Fazit, doch häufig bleibe es beim Reden.

Pulvermanns erklären sich die „hochgeklappten Bürgersteige“ mit der Mentalität der Menschen: „Wir sind hier nicht im Süden, wo die Menschen bis in die Nacht auf den Straßen unterwegs sind und sitzen.“ Abgesehen von den Touristen, seien die Einheimischen doch eher für eine Kleinigkeit in der Stadt unterwegs; Familien speisten die großen Mahlzeiten ebenso wie die Älteren oft Zuhause.

Die „Tohuus“-Jungs drücken es noch anders aus: „Das Eutiner Publikum ist auch einfach ein bisschen faul und schwer hochzukriegen. Die meisten Besucher der Konzerte kommen auch zu uns an den Wochenenden von außerhalb. In Lübeck ist schon deutlich mehr los auf den Straßen – auch abends.“

Beim China-Restaurant „Chau“ in der Stolbergstraße sowie bei den beiden Griechen am Voßplatz und in der Plöner Straße ist die warme Küche bis mindestens 22 Uhr geöffnet.

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