Zu viel Wild schadet dem Wald

Diese Jungbuche steht für zigtausende junge Laubbäume, erklärten Jens-Birger Bosse, Tim Scherer, Steffen Ahnert und Bernd Friedrichsdorf (von links) aus den Landesforsten. Bis zu 57 Prozent der jungen Laubbäume sind durch Wildverbiss geschädigt. Foto: Seiler
Diese Jungbuche steht für zigtausende junge Laubbäume, erklärten Jens-Birger Bosse, Tim Scherer, Steffen Ahnert und Bernd Friedrichsdorf (von links) aus den Landesforsten. Bis zu 57 Prozent der jungen Laubbäume sind durch Wildverbiss geschädigt. Foto: Seiler

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04. März 2011, 12:39 Uhr

Neumünster | Die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten stecken in einer Zwickmühle. Eine natürliche Waldverjüngung ohne Zäune ist bis heute nicht machbar. Schuld daran sind Rehe, Dam- und Rotwild. Diese so genannten Schalenwildarten tun sich besonders im Winter an Knospen und Trieben von Jungbäumen gütlich und sorgen für erhebliche Schäden. Anpflanzungen hinter Zäunen kosten nicht nur viel Geld, sondern sind auch Störfaktoren im Wald. "Wesentlich kostengünstiger und ökologisch wertvoller wäre eine Waldverjüngung ohne Zäune", sagte Landesforstdirektor Tim Scherer bei der Vorstellung des aktuellen Verbissgutachtens in Neumünster.

Der durch neutrale Gutachter erstellte Überblick über die Verbissschäden durch Rehe, Dam- und Rotwild zeigt deutlich, dass mit den derzeitigen Wildbeständen das Ziel einer naturnahen Waldverjüngung nicht erreichbar ist. Bis zu 57 Prozent der untersuchten Buchenbestände weisen Verbissschäden auf. "Ziel ist in Schleswig-Holstein die Schaffung von vielschichtigen und artenreichen Mischwäldern", erklärte Bernd Friedrichsdorf von den Landesforsten. Dieses Ziel könne nur durch eine örtlich angemessene Reduzierung der Wildbestände erreicht werden. Schleswig-Holsteins Wildbestände haben sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich erhöht. Dies wird aus dem Verbissgutachten, den Ergebnissen des Wildtiermonitorings und den deutlich gestiegenen Jagdstrecken der vergangenen zehn Jahre sichtbar.

Allein können die Landesforsten das Problem nicht lösen. Rund 30 Prozent des Waldes im Norden sind im Besitz der Landesforsten. "Diese machen aber nur etwa drei Prozent der Jagdfläche aus", erklärte Scherer. Eine Lösung der Situation könne nur in Zusammenarbeit mit den schleswig-holsteinischen Jägern erfolgen, sagten Jens-Birger Bosse und Steffen Ahnert, die das Verbissgutachten vorstellten.

"Neben einer regionalen Senkung der Wildbestände muss eine Verbesserung der Bejagungsstrategie erfolgen", meinte Klaus-Hinnerk Baasch, Präsident des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein. Darüber hinaus können auch weitere Verbesserungen der Lebensräume, wie die Schaffung von Wildruhezonen und auch eine Lenkung von Waldbesuchern, dazu beitragen, dem Wild seinen natürlichen Lebensrhythmus zu bewahren.

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