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Ostholsteiner Anzeiger

15. Dezember 2017 | 05:58 Uhr

Zu Fuß nach Schweden

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Hunderte  Flüchtlinge ziehen auf Autobahnen nach Norden / Dänemark stoppt Zugverkehr von und nach Deutschland

von
erstellt am 09.Sep.2015 | 18:40 Uhr

Autobahnen wurden gesperrt, der Zugverkehr nach Deutschland eingestellt: In Dänemark spitzte sich gestern das Flüchtlingsdrama zu. In Ostholstein wurde die Kaserne in Putlos als Notunterkunft bereits mit 700 Menschen belegt.

Mehrere hundert Menschen, die am Dienstagabend mit dem Zug von Deutschland nach Pattburg in Südjütland gelangt und in einer Schule in der Stadt einquartiert worden waren, setzten ihre Reise zu Fuß über die Autobahn Richtung Schweden fort. In Gruppen marschierten Männer, Frauen, Kinder und viele ältere Menschen nach Norden. Die Polizei musste die Autobahn E  45 bei Pattburg vorübergehend in beide Richtungen sperren.

Viele der Flüchtlinge wollen nach  Schweden. Aber: Wer sich nicht in Dänemark als Asylbewerber registrieren lassen will, muss damit rechnen, nach Deutschland zurückgeschickt zu werden.

In den vergangenen Tagen waren mehr als tausend Flüchtlinge über die Grenze nach Dänemark gelangt. Nachdem gestern Nachmittag erneut hunderte Flüchtlinge eintrafen, stellte die dänische Bahn auf Anweisung der Polizei den Zugverkehr zwischen Deutschland und Dänemark auf unbestimmte Zeit komplett ein. Zwischen Flensburg und Pattburg rollten keine Züge mehr.

Auch zwischen Hamburg und Kopenhagen stoppte der Fernverkehr, Züge wurden von Fehmarn nach Hamburg zurückgeleitet. Auch auf den Fähren, die zwischen Puttgarden und Rødby auf der
dänischen Insel Lolland verkehren, werden keine Züge mehr transportiert. Auch Fußgänger werden nicht auf die Fähren gelassen.

Gestern hatte die Polizei eine Fähre von Fehmarn mit etwa hundert Flüchtlingen an Bord im Hafen von Rødby gestoppt. Am frühen Abend wurden die Ankömmlinge noch überprüft. Weitere Fähren mussten im Hafen warten.

Seit Dienstagnacht waren etwa 330 Flüchtlinge in zwei Zügen auf Lolland angekommen. Da die Syrer nach Schweden weiter reisen wollen, verweigern sie das Angebot, in Dänemark Asyl zu beantragen und auch die Versorgung mit Essen und Getränken durch die dänische Polizei. Gestern Nachmittag mussten Beamte drei dehydrierte Kinder gegen den Willen ihrer Eltern aus einem der Züge holen und an einen Notarzt übergeben.

Zugleich stoppte die Landespolizei gestern Vormittag in Puttgarden erneut einen ICE mit Flüchtlingen mit Ziel Kopenhagen. „Die insgesamt 54 Flüchtlinge haben den Zug verlassen und wurden mit von der Landespolizei organisierten Bussen zur neuen Landesunterkunft Putlos gebracht“, meldete die Polizei am Abend. Quasi über Nacht hat die Bundeswehr auf dem Truppenübungsplatz acht Unterkunftsgebäude für eine zivile Nutzung umfunktioniert; Innenminister Stefan Studt (SPD) lobte vor Ort
die schnelle und unbürokratische Überlassung der Bundesliegenschaft. Seiten 4 & 16/Kommentar S.  19

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