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Ostholsteiner Anzeiger

24. August 2017 | 11:05 Uhr

Flüchtlingsunterkunft : Zu Besuch in Putlos

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Landtagsabgeordnete schauen sich Flüchtlingsunterbringung an. Der Druck auf Bund für beschleunigte Verfahren soll aufrecht erhalten werden.

Putlos | „Wir sind für euch da“ steht auf dem Schild direkt am Eingang der DRK-Zentrale in der Landesunterkunft für Flüchtlinge in Putlos – auf Deutsch und Arabisch. Es ist Sinnbild für das, was das DRK-Team rund um die neue Leiterin Susanne Neitemeier täglich leistet, lobt Martin Broziat, DRK-Geschäftsführer.

Binnen drei Tagen räumte die Bundeswehr Anfang September Kasernengebäude auf dem Truppenübungsplatz, um die völlig überfüllten Erstaufnahmeeinrichtungen wie Neumünster zu entlasten. Was mit wenigen Ehrenamtlern begann, stockte Neitemeier binnen weniger Wochen durch Neueinstellungen auf 30 Hauptamtliche auf. Derzeit leben etwas mehr als 800 Flüchtlinge in Putlos, Platz sei bis zu 900, sagt Neitemeier: „Aber wir werden aufstocken müssen.“ Durch Doppelstock- statt Einzelbetten könne Platz bis zu 1000 Menschen geschaffen werden.

Lars Winter, finanzpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, und die SPD-Landtagsabgeordnete Regina Poersch verschafften sich gestern einen persönlichen Eindruck von der Anlage. Bauzäune grenzen den Bereich zwischen Unterkunft und militärischem Gebiet ab. Zwischen den Gebäuden stehen aus Holz gezimmerte Tore und Basketballkörbe – Panzer in Sichtweite und Schilder erinnern noch an die Bundeswehr. Auch ein Schießplatz ist wieder mit den notwendigsten Übungen unweit der Unterbringung in Betrieb gegangen. Aber: „Sobald Menschen etwas hören und davor Angst haben, verlegen wir sie. Das kam bisher noch nicht vor“, sagte Neitemeier. Fensterbretter werden zum Kühlschrank. Informiert wird über Symbole oder mehrsprachige Zettel.

Das Fazit der Landtagsabgeordneten: „Das Zusammenspiel auf den verschiedensten Ebenen zwischen DRK, Landesamt, Polizei und Rettungsdienst sowie Bundeswehr funktioniert sehr gut“, sagt Winter. „Die Menschen, die hier agieren, strahlen ein großartiges Willkommen aus. Unterkünfte wie diese sind eine echte Hilfe, bis die Menschen in die Kommunen gehen“, ergänzt Poersch. Weil dies teilweise fünf Wochen und länger dauern kann, will das DRK keine Zeit verlieren und bietet von der altersgerechten stundenweisen Kinderbetreuung bis zu Deutsch- und Gesellschaftskunde einiges an, um den Gästen, wie die DRK-Mitarbeiter die Flüchtlinge nennen, die Zeit so angenehm wie möglich zu machen. Einige Gäste malern einen einstigen Verwaltungstrakt gerade zum Freizeitbereich für Sport, Billard und Kicker um. „Das Probelm ist die Bearbeitung der Asylanträge. Da haben wir im Vergleich zu anderen Bundesländern eine sehr lange Wartezeit. Der Druck des Landes muss aufrecht erhalten bleiben, damit die Situation für die Betroffenen besser wird“, fordert Winter.

Was brennt dem DRK unter den Nägeln? Broziat: „Wir müssen dringend Vertragssicherheit bekommen.“ Denn der Betreuungsvertrag vom Land an das DRK läuft offiziell nur bis Jahresende. „Es dürfte aber jedem klar sein, dass die Aufgaben darüber hinaus nicht weniger werden“, sagte Magdalena Drywa vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten. Winter nickte und sicherte Nachhaken zu. Auch das Landesamt suche händeringend geeignetes Personal, um die Registrierung der Asylbewerber voranzubringen. In Putlos seien etwa 5000 Menschen derzeit nicht registriert. „Eine solche Stelle vor Ort einzurichten, können wir aber momentan einfach nicht leisten“, sagt Drywa. Stattdessen fahre wöchentlich ein Bus mit Menschen zur Registrierung nach Kiel.

Mit Blick auf den Haushalt und nicht abreißender Flüchtlingsströme sagte Winter: „Ich rechne fest damit, dass wir im nächsten Jahr mindestens ein oder zwei Nachtragshaushalte beschließen müssen, um die aktuelle Situation zu bewältigen.“ Die Integrationspauschale für die Kommunen werde von 900 auf 1000 Euro pro Flüchtling erhöht, monatlich bekommen die Gemeinden 670 Euro pro Person. 70 Prozent der Unterbringung von Flüchtlingen zahlt das Land, 30 die Kommune. Winter: „Die Verteilung der Bundesmittel vom Land an die Kommunen wird voraussichtlich dem gleichen Verhältnis entsprechen.“

 

 

 

 

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erstellt am 31.Okt.2015 | 18:00 Uhr

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