zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

12. Dezember 2017 | 21:28 Uhr

ZOB-Umbau bringt Stadt in Klemme

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Verwaltung sucht händeringend neue Bleibe für Großfamilie in Abriss-Haus / Ins Auge gefasste Lösung birgt Gefahr neuer Probleme

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2017 | 00:51 Uhr

Die Stadt steckt in der Zwickmühle: Eines der beiden Häuser, das für die Erweiterung des ZOBs abgerissen werden soll, ist derzeit noch bewohnt. Die Suche nach einer neuen Bleibe für die kinderreiche Familie gestaltet sich schwierig. Durch die nun angepeilte Lösung könnten gleich zwei Familien genötigt werden, sich eine neue Bleibe zu suchen. Die Problematik könnte den Zeitplan des ZOB-Umbaus durcheinanderbringen.

Im Fokus der Stadt steht ein 110 Jahre altes Gebäude in der Elisabethstraße (wir berichteten). Es steht zum Verkauf, da sich die betagten Eigentümer aus Lübeck nicht mehr um die geerbte Immobilie in Eutin kümmern können oder wollen. Zwei von drei Geschossen sind in dem Gebäude, das die Stadt kaufen will, derzeit noch von zwei miteinander verwandten Familien bewohnt.

„Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, nur direkt mit uns spricht keiner und sagt, was Sache ist“, sagt der Mann, der mit seiner Familie noch in einer der Wohnungen lebt, die für die große Familie von der Heinrich-Westphal-Straße geplant sind. Von den Eigentümern habe er zwar vom Verkaufsinteresse gehört und auch die zahlreichen Besichtigungen des Hauses mitbekommen. Aber: „Uns wurde immer vom Makler erzählt, er setze sich dafür ein, dass bestehende Mietverhältnisse auch bei einem Verkauf bestehen blieben.“

Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt bestätigt auf Nachfrage das Kaufinteresse: „Wir wollen eine Immobilie zur Vermeidung von Obdachlosigkeit erwerben.“ Vor der Aufnahme der Kaufverhandlungen habe aber der Beschluss des Haushalts durch die Stadtvertretung gestanden. Der erfolgte am Mittwochabend – mit den 323  400 Euro, die für den „Grunderwerb zur Vermeidung von Obdachlosigkeit“ eingeplant sind. Im Internet ist die besagte Immobilie unweit des kleinen Eutiner Sees mit 240  000 Euro festgesetzt. Die Differenz zur bewilligten Summe im Etat sei für Renovierungen und sogenannte Grunderwerbsnebenkosten vorgesehen.

Die Zeit drängt. Stein-Schmidt: „Die Maßnahme ZOB soll im Juni beginnen.“ Vorher oder spätestens im Juni müsse demnach abgerissen werden. Drei Monate, in denen Kauf, Auszug und Umzug erfolgen müssten. Doch noch haben die Bewohner in der Elisabethstraße keine Wohnung. „Wir schauen zwar, aber wir brauchen mindestens zwei kleine bezahlbare Wohnungen dicht beieinander“, sagt der Familienvater. Seine noch minderjährige Tochter müsse gesundheitsbedingt mit ihrem Kind in unmittelbarer Nähe wohnen. „Kleine bezahlbare Wohnungen in Eutin zu finden, ist echt schwer, fast unmöglich“, sagt der Arbeiter. Und es gebe doch noch die gesetzliche Kündigungsfrist, da habe er sich erkundigt. „Dann hätten wir auch nach Eigentümerwechsel bis August Zeit“, erklärt der Mann. Doch er habe von den Spatzen der Dächer Eutins auch schon etwas anderes vernommen: „Es wurde von einer Abfindung gesprochen, die wir bekommen sollen, um schneller auszuziehen.“ Von einer Abfindung weiß die Stadt nichts. „Wir sind auf der Suche nach einer mietfreien Immobilie und haben das Signal bekommen, dass dies kein Problem sei“, erklärt Stein-Schmidt. Derzeit würden aber auch noch andere Alternativen geprüft. Aber eine Bleibe für so viele Menschen zu finden, sei schwer.

Warum sucht die Stadt überhaupt ein Haus für die Familie? „Sie sind jahrelang bei uns in Betreuung und würden bei Abriss obdachlos werden“, sagt Stein-Schmidt. „Wir sind seit 28 Jahren Mieter der Stadt“, sagt der Vater von 15 Kindern bei einem Besuch vor Ort. 13 sollen bei den Eltern wohnen. Auch der Sozialarbeiter der Stadt betreut die Familie schon jahrelang, die damals aus barackenähnlichen Gebäuden in der Friedlandstraße in das Haus unweit des Bahnhofes zog. „Da war überall Schimmel, da konnten wir nicht länger bleiben, mein Mann wurde krank“, erzählt die Mutter. Die Nähe zur Schule und zum Kindergarten sei für die Familie wichtig. „Meine Kinder gehen überall zu Fuß hin“, sagt die Mutter. „Ich habe selbst versucht, etwas Neues für uns zu finden, aber mit so vielen Kindern nimmt einen keiner.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen