Ziel: Weltweite Chancengleichheit

Katharina Desch hat ihre Einsatzstelle des Bündnisses „Eine Welt Schleswig-Holstein“ seit Anfang des Jahres im Pastorat in Schönwalde.
Katharina Desch hat ihre Einsatzstelle des Bündnisses „Eine Welt Schleswig-Holstein“ seit Anfang des Jahres im Pastorat in Schönwalde.

Katharina Desch vom Bündnis „Eine Welt Schleswig-Holstein“ arbeitet jetzt in Schönwalde

shz.de von
27. Mai 2018, 15:15 Uhr

Seit März gibt es ein neues Gesicht auf dem Pfarrhof Schönwalde. Katharina Desch hat ihre Einsatzstelle des Bündnisses „Eine Welt Schleswig-Holstein“ (Bei) von Curau ins Pastorat am Bungsberg verlegt. Das Bündnis wurde 1994 als Dachverband entwicklungspolitisch aktiver Gruppen und Vereine im Land gegründet und zählt heute 85 Mitglieder. In einem bundesweiten Programm setzt sich Bei für globale Gerechtigkeit ein und steht zu den Nachhaltigkeitsgrundsätzen der Vereinten Nationen. Zuständig für den Bereich „Globale Partnerschaften und Entwicklung“ unterstützt die 49-Jährige Partnerschaften wie beispielsweise die der Kirchengemeinden in Ostholstein. Neben ihr sind im Projekt noch Kollegen in Kiel, Heide, Schleswig und Kaltenkirchen im Einsatz. Sie kümmern sich um die Themenfelder Fairer Handel und Globales Lernen.

Desch steht nicht nur kirchlichen Gruppen mit Rat und Tat zur Seite: „Unser Landesnetzwerk setzt sich im Rahmen entwicklungspolitischer Inlandsarbeit hier in Schleswig-Holstein für weltweite Gerechtigkeit ein. Wir brauchen strukturelle Veränderungen, wenn wir ernsthaft ,Hilfsprojekte’ aus dem Norden überflüssig machen wollen.“

Desch weiß wovon sie redet. Nach dem Studium der Internationalen Agrarwirtschaft mit Praktika in Indonesien und Ecuador arbeitete sie gemeinsam mit ihrem Mann für die Deutsche Entwicklungsgesellschaft. Mit Unterbrechung von einem Jahr in Deutschland war sie über fünf Jahre im Kamerun und kennt die Situation vor Ort. 2012 stieg sie dann beim Bündnis Eine Welt ein. Nach dem Grundsatz „Gobal denken – lokal handeln“ sorgt sie für die Vernetzung der Aktiven vor Ort wie auch auf Landesebene. Regelmäßig organisiert die Promotorin, so ihre offizielle Bezeichnung, Workshops, Seminare oder Studienfahrten für Schulpartnerschaften, Partnerschaften von Nichtregierungsorganisationen und anderen entwicklungspolitisch Interessierten.

Unabhängig von der Einsatzstelle ist sie in ganz Schleswig-Holstein aktiv. „Ich begleite und berate die Gruppen beispielsweise beim Aufbau und der Verankerung von Partnerschaften oder gebe Impulse zur Reflexion der Partnerschaftsarbeit“, beschreibt Desch einen Teil ihrer Arbeit.

Regelmäßig stößt sie auch auf Widerstände. So etwa gleich zu Beginn ihrer Zeit in Schönwalde. Dort sollte neben der Promoterin auch die junge Joy Kulani aus dem Weltwärts-Freiwilligen-Programm aktiv werden. Auch deshalb hatte die Kirchengemeinde die Einsatzstelle für Bei geschaffen. Der jungen Kenianerin wurde jedoch, wie weiteren Freiwilligen aus ihrem Land, das Visum verweigert. Vor dem Hintergrund, dass sich Personen in Deutschland absetzen könnten, verweigern deutsche Botschaften in Afrika immer häufiger Visaanträge, so Desch. Solche Äußerungen lassen sie verständnislos den Kopf schütteln und sind für sie ein Beweis dafür, dass die Welt von Chancengleichheit noch weit entfernt ist.

Desch beschäftigt sich auch mit Klimawandel, Landraub oder Staatsentschuldung. Themen, die direkt oder indirekt auch die Partner im globalen Süden betreffen.

In Schönwalde zeugt das Jahresprogramm des Naturerlebnisraumes „Pfarrhof Schönwalde“ von ihrer Anwesenheit. Eine Reihe von Veranstaltungen befasst sich mit Lebensmittelproduktion, Ernährung und Landwirtschaft. Am 30. Mai um 19 Uhr wird im Gemeindehaus der Film „Bauer unser“ gezeigt. Darin stellt der Österreicher Robert Schabus am Beispiel von sechs Betrieben die Reaktion der Landwirtschaft auf die globalen Herausforderungen dar und erzählt „von der Lust und dem Frust“ Bauer zu sein. Im Anschluss an den Film gibt es eine Diskussion mit Klaus-Dieter Blanck, Kreisbauernverband Ostholstein-Lübeck, Anneli Wehling, Bundesverband deutscher Milchviehalter, Dr. Frank Steinmann, Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume und Dr. Ina Walenda, Naturfreunde Deutschlands. Der Eintritt ist frei.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen