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Ostholsteiner Anzeiger

25. September 2017 | 15:32 Uhr

Malkwitz : Ziegenhof als Erfolgsmodell

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eka von Kalben, Fraktionchefin der Grünen-Landtagsfraktion, war auf dem Bio-Hof zu Gast – und lobte das Konzept des Betriebes.

shz.de von
erstellt am 30.Apr.2014 | 15:34 Uhr

Eka von Kalben hat auf dem Ziegenhof im Wiesengrund einiges erfahren, das Überraschendste war jedoch dies: „Ich habe gelernt, dass diese Ziegenmilch nicht nach Ziege schmeckt, sondern sehr lecker.“ Die Chefin der grünen Landtagsfraktion stattete dem Bio-Hof (Dorfstraße 42) gestern einen Besuch ab und absolvierte damit den vorgezogenen Auftakt ihrer Sommertour über schleswig-holsteinische Bauernhöfe, die im Sommer stattfinden soll.

Gelernt hat die 49-jährige Grünen-Politikern aus Borstel-Hohenraden im Kreis Pinneberg außerdem, dass die Tiere auf dem Ziegenhof nicht nur artgerecht gehalten werden, sondern dass der Hof als anerkannter Arche-Hof auch etwas für den Erhalt alter Nutztierrassen tut – zu denen beispielsweise die 30 Bentheimer Schweine gehören, die neben Hühnern und 60 Ziegen auf dem Hof leben.

Gesehen hat die Grünen-Fraktionschefin aber auch, dass in der Landwirtschaft nicht unbedingt schiere Größe für das wirtschaftliche Überleben nötig ist. „Wenn man ein kluges Konzept aufstellt, hat man keine Probleme, seine Produkte zu verkaufen“, erklärte sie nach einer Hofbesichtigung mit Bäuerin Bärbel Lorenzen. Die berichtete, wie sie und ihr Mann Dirk 2006 mit der Haltung von Ziegen begannen. „Das war etwas einseitig. Leider haben wir die nicht alle vermarkten können.“ Mittlerweile hat sich das geändert. Viele Produkte finden reißenden Absatz: Neben Ziegenfleisch und -Käse verkauft der Bio-Hof auch Schweine- und Hühnerfleisch und Eier, auch Ziegenmilch und -käse sind im Angebot, das in einem Verkaufswagen auch auf dem Eutiner Wochenmarkt präsentiert wird. Und seit einem halben Jahr gibt es in Malkwitz – landesweit einzigartig – auch Naturkosmetik aus Ziegenmilch: Gesichtscreme sowie Hand- und Fußcreme. Das hat sich bis ins Ausland herumgesprochen. „Wir haben jetzt sogar eine Bestellung von einem Händler in Tschechien“, berichtet Bärbel Lorenzen stolz.

Zum Aufschwung des Betriebs beigetragen hat die Ausgabe von Genussscheinen. Wer einen 500-Euro-Anteil kauft, erhält wahlweise eine Dividende von 3,0 Prozent in bar oder 5,5 Prozent in Naturalien. „Die meisten entscheiden sich für Naturalien.“ Seit 2011 hat der Ziegenhof von 30 bis 35 Genuss-Schein-Inhabern so rund 40 000 Euro eingesammelt und in den Betrieb investiert.

Ein dickes Lob bekam die grüne Fraktionschefin für ihren Landwirtschaftsminister Robert Habeck mit auf den Weg: „Wir sind mit unserem Herrn Habeck sehr glücklich“, erklärte Bärbel Lorenzen. So habe sie das konsequente Durchgreifen gegen Missstände im Schlachthof von Bad Bramstedt mit großem Wohlwollen gesehen. „Da wird nicht zurückgezuckt“, freute sich die Landwirtin. Die von der Küstenkoalition beschlossene Wiedereinführung der Umstellungs- und Beibehaltungsprämie für Bio-Betriebe hilft auch ihrem Ziegenhof: „Wir können das erste Mal wieder eine Ökoprämie beantragen.“Die Zahlungen aus EU- und Landesmitteln brächten dem Betrieb 5000 Euro. „Für uns ist das eine Menge Geld.“

In den ersten beiden Augustwochen will Eka von Kalben auf ihre Sommertour gehen und sich dabei von den Arbeitsschwerpunkten der Grünen-Landtagsfraktion „gesunde Ernährung“ und „nachhaltige Produktion“ leiten lassen. Es stünden jedoch nicht nur Bio-Höfe auf dem Besuchsprogramm. Sie wolle sich durchaus auch konventionelle Höfe ansehen. Denn: „Es gibt konventionelle Höfe in kleinerem Rahmen, da wird aus meiner Sicht auch artgerecht und auch nachhaltig gewirtschaftet“ – also beispielsweise ohne dass die Böden kaputtgemacht würden.

Neben dem Bio-Prinzip rücke für die Grünen das Regionalitätsprinzip in den Mittelpunkt. „Es nützt mir nichts, wenn ich hier einen Bio-Joghurt aus Bayern kaufe.“ Da müssten auch die Grünen umdenken. Der Vorteil des Regionalen sei, dass sich die Produktionsbedingungen viel besser überprüfen ließen.

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