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Talentförderung : Zeugnis für Nachwuchskicker

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

200 Mädchen und Jungen wurden im „Uwe Seeler Fußball Camp“ auf Schnelligkeit und Gewandtheit geprüft.

Für Autofahrer schnell durch eine Lichtschranke fahren, droht ihnen ein Knöllchen. Wenn die Nachwuchsfußballer beim Leistungstest in Höchstgeschwindigkeit durch den Stangenparcours sausen, haben sie vielleicht ihr Halbjahresziel erreicht. Zweimal im Jahr werden die talentierten Kicker auf Schnelligkeit und Ballfertigkeit getestet. Am Montagabend standen im „Uwe Seeler Fußball Camp“ 200 Kicker auf dem Prüfstand, die in den Stützpunkten Neustadt, Preetz und Lübeck des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ausgebildet werden.

In Deutschland gibt es 366 Stützpunkte, in denen rund 10 000 Kicker gefördert werden. Fußballlehrer Björn Rädel ist der Mann, bei dem in der Talentförderung in Schleswig-Holstein alle Fäden zusammenlaufen. Sein Ziel ist es, die besten Nachwuchskicker des Landes noch besser zu machen. Das Problem: Schleswig-Holstein ist ein Land mit großen Entfernungen. Da ist es schwierig, das Niveau hoch zu halten. In 13 DFB-Stützpunkten kümmern sich 39 Lizenztrainer um die Kinder zwischen zehn und 14 Jahren, die in ihren Heimatvereinen durch ihre besonderen Fähigkeiten aufgefallen sind.

Während auf dem Kunstrasenplatz und in der Sporthalle die Kicker den Ball passen, einen Dribbelparcours bewältigen oder möglichst schnell über den Platz sprinten, gibt Björn Rädel den Eltern einen Einblick in die Fördermöglichkeiten, die ihren Kindern geboren werden. Dabei spielen Alter und Entwicklungsstand der Kinder eine Rolle. Die Einladung in den DFB-Stützpunkt heiße nicht, dass die Jungen automatisch für die Fußball-Bundesliga oder gar die Nationalmannschaft fit gemacht werden, stellt Rädel fest. „Es gibt keinen optimalen Karriereweg“, sagt der DFB-Stützpunkt-Koordinator. In einem seien sich die sportlichen Wege der aller Nationalspieler gleich: „Sie sind alle irgendwann mit einem Leistungszentrum in Berührung gekommen.“ Einzige Ausnahme sei Miroslav Klose, der über die Amateurmannschaften des FC Homburg und des 1.FC Kaiserslautern in den Profifußball hineingewachsen sei.

Die Erfolgsgeschichte der Talentförderung in Stützpunkten begann 1998. Nach dem schwachen Abschneiden der Deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich hob der Deutsche Fußball Bund (DFB) das neue Fördersystem aus der Taufe, das Wirkung zeigte. Stand 1998 mit Sebastian Deisler nur ein U21-Spieler im deutschen WM-Aufgebot, so stieg diese Quote seither steil an. 2010 gehörten dem Kader mit Manuel Neuer, Jerome Boateng, Sami Khedira und Mesut Özil vier U21-Europameister von 2009 an.

Auch wenn ein großer Profiverein anrufe, sollten die Eltern die Ruhe bewahren. „Wenn ein Talent viermal pro Woche trainiert, dafür jeweils eine Stunde Anfahrt und Heimfahrt in Kauf nimmt und am Wochenende zu Heim- und Auswärtsspielen gefahren werden muss, ist das ein enormer Aufwand“, gibt Rädel zu bedenken. Mit dem Engagement bei einem großen Club sei es wie mit dem Aufenthalt in einem Fünf-Sterne-Hotel. Es sei toll, aber eben nur auf Zeit.

Kian, Johannes, Joel, Marun, Willi, Drilon, Cedric und Rajk sind von solchen Überlegegungen weit entfernt: Sie strengen sich an, haben ihren Spaß daran, sich miteinander zu messen. Auf Profifußball weisen nur die Trikots mit Vereinsnamen wie Bayern München, Borussia Dortmund oder Hamburger SV hin...

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